Hysterisches Real Madrid lässt zwei Punkte in Villarreal

Von Uhupardo


Niemand hat sich herabgelassen, an der Pressekonferenz nach dem Spiel teilzunehmen. Mourinho nicht, Karanka nicht, niemand. Die Medienvertreter, selbst die Fans von Real Madrid haben offensichtlich kein Recht, die Position des Vereins zum heutigen Geschehen zu erfahren. Der Pressechef des Traditionsvereins wird sich jetzt fragen müssen, wann er wie und warum die Kontrolle über das Geschehen verloren hat.

Real Madrid hatte gerade die Partie mit neun Mann auf dem Platz beendet und mit einem 1:1 Unentschieden gegen Villarreal. Nach einem sehr soliden Spiel der Gastgeber, dem 0:1 durch Cristiano Ronaldo und dem Ausgleich durch einen Freistoss von Marcos Senna, bei dem Iker Casillas nicht besonders gut aussah, war das Ergebnis in Ordnung. Nicht in Ordnung war dagegen die Hysterie, die durch das Verhalten von José Mourinho entstand und nun darin gipfelte, dass die Stühle in der Pressekonferenz verwaist blieben.

Das begann mit dem Trivote in der Aufstellung, als Mourinho versuchte, ohne Ballbesitz gegen Villarreal zu gewinnen. Als Lass Diarra nach vier Minuten die gelbe Karte sah, erwartete jeder eine sofortige Auswechslung, weil der Mittelfeldmann bekanntermassen eine wandelnde Zeitbombe ist, der halbherziges Einsteigen nicht kennt. Mourinho hatte Glück, als er mehr als 20 Minuten damit wartete, bevor er Callejón für ihn brachte, denn Lass hatte zwischendurch schon wieder ein gelbwürdiges Foul hinter sich und Glück, dass er dafür keine zweite Karte sah.

Pech, dass sich Callejón dann verletzte, als ihm ein Gegenspieler auf den Fuss trat. Für ihn kam nicht etwa Kaká, dessen Präsenz in der ersten Hälfte schmerzlich vermisst wurde sondern ausgerechnet Altintop. Inzwischen war Aufstand an der Seitenlinie. Rui Faria, der Konditionstrainer und Assistent von Mourinho, wurde zum vierten Mal in dieser Saison auf die Tribüne geschickt. Nichts passiert auf der Trainerbank, was Mourinho nicht gut heisst. Statt aber zu schlichten, brauste der Trainer noch mehr auf, verbreitete Hysterie um ihn herum und wurde schliesslich selbst in die Kabine verbannt.

Mourinho hatte es geschafft, diese nervöse Hysterie auf die Spieler zu übertragen. Erst ging Ramos mit gelb/roter Karte vom Platz, dann sah Özil in doppeltem Sinn rot, applaudierte dem Schiedrichter mit hämischem Text und durfte auch unter die Dusche. Nach dem Abpfiff schickte der stets clevere Pepe dem Pfeifenmann noch ein “hijo de puta” hinterher und handelte sich auch noch eine Karte ein. Erwähnt sollte noch werden, dass Real Madrid bei dem Unentschieden Glück hatte, dass der Schiedsrichter einen glasklaren Elfmeter nicht pfiff, als Arbeloa direkt vor dem Tor Nilmar umriss. Die Hauptstädter dürfen sich heute wirklich nicht beschweren. Villarreal hat ein sehr solides und gut strukturiertes Spiel geliefert. Real Madrid fehlt einfach Fussball im Moment – und kann alles gebrauchen, ausser der Hysterie, die ein Mourinho um sich herum verbreitet.

Gestern wurden in der Presse Loblieder auf Messi gesungen. Aus einem einfach Grund: Sie waren und sind berechtigt. Besonders die jüngsten Fussball-Fans richten sich, ihre Vorlieben und ihr Verhalten nach den grossen Stars aus. Was gerade diese kleinen Fans morgen über Real Madrid sagen werden, lässt sich leicht vorstellen. Die Trainerbank protestiert durchgehend, das gesamte Spiel hindurch; etliche gelbe Karten, zwei rote Karten und zwei eingebüsste Punkte waren das Ergebnis dieser hysterischen Haltung, die die gesamte Atmosphäre vergiftet. Dabei soll nicht vergessen werden, dass sich Spieler wie Cristiano Ronaldo davon nicht anstecken liessen und vorbildliches Verhalten zeigten. Es ist aber offensichtlich nicht einfach für andere Akteure, sich von der bewusst vergifteten Atmosphäre nicht anstecken zu lassen.

Real Madrid lebt zu einem grossen Teil auch geschäftlich vom Image des Vereins. Morgen werden in China, ganz Asien, Afrika und Südamerika die heutigen Tumultszenen die Medien beherrschen. Gestern war es die Loblieder auf Messi. Florentino Pérez sollte sich ab und zu fragen, wer hier wem auf welche Art schadet und was man dagegen tun sollte.