Hundezucht vor 8000 Jahren

Die renommierte Wissenschaftszeitung Science berichtet vorab von einer Studie, die in der August Ausgabe des "Journal of Archaeological Science" veröffentlicht wird. Russische Forscher haben die ältesten Hinweise auf eine gezielte Hundezucht gefunden, 8.000 Jahre alt. Fundort ist eine kleine Insel weitab in der Ostsibirischen See, die erst 1914 entdeckt worden ist: die Schochow-Insel. Diese Insel war in der Steinzeit mit dem Festland verbunden und zeigt sich heute als Paradies für Archäologen. Hier lebte vor 8.000 und mehr Jahren ein hochentwickeltes Jägervolk. Es machte sogar aktiv Jagd auf Eisbären, das größte Landraubtier der Welt. Diese Paläo-Eskimos, deren Hauptbeute Rentiere waren, sind die einzigen Jäger, die je ohne Schusswaffen Eisbären jagten. Das ist seit längerem bekannt. Die Forscher um Wladimir Pitulko und Aleksej Kasparow von der Russischen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg fanden nun weitere Spuren dieses geheimnisvollen Volkes: Reste von Schlitten und Reste von insgesamt 11 Hunden.

Reste von Schlitten und Schlittenhunden
Bei der Untersuchung der Hundefossilien, die zum Teil sehr gut erhalten sind, konnten 10 der 11 Hunde einen recht einheitlichen Typ zugeordnet werden. Von Gewicht und Konstitution her sollen es Schlittenhunde gewesen sein, einem heutigen Sibirian Husky vergleichbar, so die Forscher. Der elfte Hund war deutlich größer und schwerer und würde als Schlittenhund viel zu schnell überhitzen. Hier wird angenommen, dass dieser Hundetyp bei der Jagd auf Eisbären geholfen hat. Im Vorabbericht von Science Redakteur David Grimm wird vermutet, dass die Hunde der Schochow-Insel jeweils gezielt für ihre Arbeitsaufgaben herausgezüchtet worden sind.

Hundezucht vor 8000 Jahren

Hundeschädel von der Schochow-Insel (Foto: Elena Pawlowa)

Dieser Fund der russischen Archäologen ist ein wichtiger Beleg für das bereits 2009 beschriebene und in "Tierisch beste Freunde" ausführlich begründete Modell der "Aktiven sozialen Domestikation des Hundes". Der Wolf wurde nicht auf einer vermeintlich existierenden ökologischen Nische "Müllplatz des Menschen" zum Hund. Er mutierte nicht vom Jäger zum Müll- und Aasfresser, wie es Ray und Lorna Coppinger sowie die Wiener Verhaltensbiologinnen Friederike Range, Sarah Marshall-Pescini und Zsófia Virányi unterstellen. Wie auf Petwatch bereits ausgeführt wurde, gab es in der Steinzeit keine Müllkippen, die ein solches Biotop hätten abgeben können. Es gab bestenfalls solche aus Resten der Steinwerkzeugproduktion oder viel später aus zu Bruch gegangenem Steingut. Die Menschen verwerteten noch bis in die frühe Neuzeit hinein alles Essbare. In der Steinzeit wurden aus Knochen Werkzeuge, aus Fellen Kleidung und Zelte, aus Sehnen Befestigungen gemacht. Da blieb nichts über, was eine ganze Population von ansonsten nutzlosen Hunden hätte ernähren können.

Hundezucht vor 8000 Jahren

Schlittengespann in Sibirien, Illustration von 1856 (Quelle: Science)

Domestizierung des Hundes als Arbeitspartner
Der Hund verband sich aktiv und über seine nützliche Rolle im Überlebenskampf mit den Menschen. Er jagte, wachte, beschütze die Gemeinschaft und - wie jetzt belegt wurde - er machte sich auch schon sehr früh als Transporthelfer nützlich. Mit der Rolle als Arbeitspartner des Menschen wurden die erstaunlichen, einzigartigen Eigenschaften des Hundes in Bezug auf den Menschen herausgebildet. Der Hund denkt, fühlt und arbeitet mit dem Menschen. Die Schlittenhunde von Schochow sind ein weiterer Beleg für dieses Modell. Sie mussten nicht nur spezielle körperliche Eigenschaften haben, um für diese Arbeit zu taugen, wie es die Archäologen anhand der Fossilien belegen können. Sie mussten darüber hinaus auch über spezielle mentale Eigenschaften verfügen. Wer schon einmal Musher war und einen Schlitten mit mehreren Hunden geführt hat, weiß wovon ich spreche.
Mehr hierzu am
17. Juni 2017
auf dem 


3. Rostocker Vierbeinersymposium. "

Wissenschaft trifft Hund - Der Wolf. Der Hund. Der Mensch."


Ein Artikel von Christoph Jung


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