Hund ist was er frisst

In der Artikelserie Anti-Leinenrüpel-Guide stellen wir Möglichkeiten vor, die die Leinenaggression eines Hundes positiv beeinflussen können – 10 Wege zum entspannteren Hund. Hund Futter

Auch bei Verhaltensproblemen gilt der Spruch „du bist was du isst“. Deshalb werden wir dir im 7. Teil erklären, wie du eventuell an der Ernährung deines Hundes drehen kannst, um sein Wohlbefinden und somit auch sein Verhalten positiv zu beeinflussen.

Die zwei Betrachtungsweisen

Wenn man die Ernährung im Hinblick auf ein Problem betrachtet, kann man dies von zwei Seiten angehen. An erster Stelle ist die Ernährung als Ursache des Problems zu überprüfen, an zweiter Stelle kommt die Ernährung als Therapieform ins Spiel.

Verursacher Ernährung

Auch die Verursachung durch die Ernährung lässt sich wieder in zwei Gruppen aufteilen, und zwar in den direkten Verursacher und den indirekten.

Direkter Verursacher bedeutet, Bestandteile der Ernährung führen direkt zu einer Verhaltensauffälligkeit. Als Beispiel ist hier Futter zu nennen, das eine zu geringe Serotoninproduktion im Gehirn verursacht.

Serotonin ist das sogenannte Glückshormon. Ein Beispiel ist z. B Futter, das extrem viel Mais enthält. Mais ist sehr arm an Trypptophan (Aminosäure), welches für die Serotoninproduktion verantwortlich ist. Auch eine falsche Zusammensetzung kann direkter Verursacher sein. Warum das so ist, erkläre ich dir später.

Ein Serotoninmangel im Gehirn gilt als Schlüsselfaktor für viele Verhaltensauffälligkeiten beim Hund, wie z.B. Aggression!

Als indirekter Versursacher kommt das Futter dann ins Spiel, wenn durch bestimmte Bestandteile andere Krankheiten wie z.B. Allergien ausgelöst werden, welche wiederum dazu führen, dass der Hund aufgrund anderer Symptome (z. B. Juckreiz) in seinem Verhalten beeinflusst wird. Schmerzen, Unwohlsein, Juckreiz, etc. können dazu führen, dass die Reizschwelle herabgesetzt wird. Der Hund reagiert dann emotional sensibler, geht also z.B. schon wegen Kleinigkeiten in den “Aggressionsmodus”.

Spätestens jetzt leuchtet ein, weshalb ein Fertigfutter mit sehr hohem Getreideanteil an einer Vielzahl von Hundeproblematiken schuld sein kann. Also, schau mal auf der Futterverpackung was in deinem Hundefutter der Hauptbestandteil ist …

Therapieform Ernährung

Logischerweise kann man diese These der Verursachung nun umdrehen. Wenn also bestimmte Bestandteile oder Zusammensetzungen das Verhalten negativ beeinflussen können, muss es auch möglich sein, durch bestimmte Bestandteile oder Zusammensetzungen das Verhalten positiv zu beeinflussen.

Nahrung für das Gehirn

Wir machen jetzt ein ganz kleinen Ausflug in die Gehirntätigkeiten deines Hundes. Danach wirst du wissen, wieso Kohlenhydrate eine durchaus wichtige Rolle spielen und weshalb es fatal sein kann, völlig auf diese zu verzichten …

Neurotransmitter

Neurotransmitter sind biochemische Botenstoffe, die an chemischen Synapsen die Erregung von einer Nervenzelle auf andere Zellen übertragen (Definition Wikipedia). Solche Neurotransmitter sind z.B. Serotonin, Noradrenalin und Dopamin.

Verschiedene Aminosäuren sind für die Herstellung solcher Neurotransmitter verantwortlich. Diese gelangen über die sogenannte Blut-Hirn-Schranke in das Gehirn. Leider sind die vorhandenen Transportwege für diese Vorgänge nur begrenzt, daher kommt es zur Konkurrenz unter den Aminosäuren.

Wer konkurriert?

Die Aminosäure Tryptophan ist verantwortlich für die Herstellung von Serotonin, während aus Tyrosin Noradrenalin und Dopamin wird. Serotonin beeinflusst Stimmungen, Schmerzempfindlichkeit und auch Erregungszustände positiv, während Noradrenalin sich verantwortlich zeigt für hochgradige Erregungszustände, die zu Aggression führen können. Dopamin als dritter Faktor reguliert die Aufmerksamkeit und die Reaktionsgeschwindigkeit.

Es ist also offensichtlich wichtig, dafür zu sorgen, dass ein Tyrosin-Überschuss vermieden wird, da dies die Serotonin-Produktion empfindlich stören könnte.

Wettbewerbsvorteil

Nun könnte man daraus schlussfolgern, dass es einfach wichtig ist, Nahrungsbestandteile zu wählen, die reich an Tryptophan sind. Leider ist es denn doch nicht so einfach. Denn für die Synthese des Serotonins spielen Kohlenhydrate eine wichtige Rolle. Hier kommt nämlich die Insulinproduktion ins Spiel.

Das Insulin verschafft dem Tryptophan gegenüber anderen (konkurrierenden) Aminosäuren einen entscheidenden Vorteil bei der Überquerung der Blut-Hirn-Schranke! Durch seine einzigartige Molekülstruktur unterscheidet sich Tryptophan von anderen Aminosäuren und wird durch das Insulin nicht ins Muskelgewebe umgeleitet. Tryptophan kann nun also “ganz in Ruhe” die Schranke überwinden.

Aber …

Um dies Effekte zu erzielen, ist es von großer Wichtigkeit, dass man die Eiweißaufnahme (Aminosäuren) und die Aufnahme der Kohlenhydrate zeitlich trennt. Erst muss das Protein gefüttert werden, etwa 2-3 Stunden später folgen dann die Kohlenhydrate. Nur so ist das Insulin, das durch die Aufnahme der Kohlenhydrate ausgeschüttet wird, in der Lage, die nun ankommenden Aminosäuren entsprechend “umzuleiten”, bzw. dem Tryptophan den Weg “freizuhalten“.

Auch das Vitmain B6 spielt eine wichtige Rolle bei der Synthese von Tryptophan!

Praktische Umsetzung

Am besten lässt sich das natürlich umsetzen, indem man den Hund frisch füttert. Hierbei kann man leicht die eiweißhaltigen Nahrungsbestandteile von den Kohlenhydraten trennen. Man würde also als erste Mahlzeit die tierischen Bestandteile füttern (eventuell mit etwas Obst/Gemüse) und nach etwa 2-3 Stunden die Kohlenhydrate in Form von Karoffeln, Reis oder auch Getreide geben. Um die Synthes zu unterstützen, könnte man der Kohlenhydrat-Ration einen Vitamin-B-Komplex zufügen.

Füttert man ein Fertigfutter, würde man zunächst als 1. Mahlzeit das Fertigfutter geben (das eine entsprechend hochwertige Eiweisquelle enthalten sollte) und als 2. Mahlzeit (nach erwähnten 2-3 Stunden) die Kohlenhydrate zufüttern.

Diese Vorgehensweise führt man einige Wochen durch und schaut, ob sich das Verhalten verändert/ verbessert.

Im 8. Teil werden wir dir das NILIF-Programm vorstellen. NILIF ist eine Abkürzung und steht für die englische Formulierung “Nothing in Life is free”. Übersetzt heißt das “Nichts im Leben ist umsonst”.

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Bis dahin wünschen wir dir und deinem Hund eine schöne Zeit, macht es gut …

Herzliche Pfotengrüße

Lucy und Anke

Dieser Artikel ist Teil der Artikel-Serie “Anti-Leinenrüpel-Guide”.

Quelle u. a. Das Agressionsverhalten des Hundes von James O’Heare