Hörspielrezension: «Gruselkabinett Folge 118/119: Jules Verne - 20.000 Meilen unter dem Meer» (Titania Medien)

Was die Besetzung angeht, so vertraut Titania Medien auf die Dienste von bewährten Stimmen wie die von Jürgen Thormann (als Prof. Aronnax), Dietmar Wunder (Ned Land), Uli Krohm (Kapitän Nemo) und Julian Tennstedt (Conseil). Thormann ist als erfahrener Wissenschaftler absolut glaubwürdig, und auch die geradezu kindliche Neugier, mit der er auf das technische Meisterwerk namens Nautilus und die Wunder der Meere reagiert, transportiert er greif- und nachvollziehbar. Dafür, dass Aronnax etwas zu spontan vom Ein-Unterseeboot-gibt-es-nicht-Skeptiker zum Nemo-Fan mutiert, kann er nichts. Das geht komplett auf die Kappe des Dialogbuchs. Dietmar Wunder grummelt sich als bodenständiger Harpunier Ned Land durch seine Takes und bildet dadurch einen schönen Kontrast zu seinen Mitspielern. Insbesondere zu Julian Tennstedt, der die undankbare Rolle des Dieners Conseil zu verkörpern hat: Wenn der Ankündigungstext von Conseil als Aronnax' "äußerst ergebener junger Diener" spricht, dann ist das fast schon ein Euphemismus, denn Conseil tritt das ganze Hörspiel über dermaßen devot auf, dass der Eindruck entsteht, Aronnax habe seinen Bediensteten aus einem einschlägigen Etablissement im Pariser Rotlichtbezirk abgeworben. Spätestens dann, wenn der Professor eine der unzähligen, vor Unterwürfigkeit triefenden Äußerungen mit einem knappen"Brav" quittiert, erinnert das Verhältnis zwischen den beiden an das zwischen einem Hundebesitzer und seinem Vierbeiner. Nur bekommt Conseil von seinem Herrchen keine Leckerlis. Daran sollte er für Zukunft mal arbeiten. Ansonsten verharrt Conseil in jenem Status des Stichwortgebers ohne Eigeninitiative, der von jeher für ihn reserviert ist. Tennstedt muss man hingegen zu Gute halten, das beste aus einer Rolle gemacht zu haben, die einem leider aus den falschen Gründen im Gedächtnis bleibt. Uli Krohm besitzt die nötige stimmliche Präsenz, um einen ansprechenden Kapitän Nemo abzugeben, doch kann er die Facetten seines Könnens nur bedingt entfalten, weil das Drehbuch Nemo sich hinter Andeutungen verschanzen lässt, anstatt durch Offenlegung seiner Vergangenheit ein klares Bild davon zu zeichnen, was diesen genialen und vermögenden Mann zur Rächer auf und unter den Meeren hat werden lassen. Die Ambivalenz seines Wesens - einmal ist Nemo schroff und abweisend gegenüber seinen unfreiwilligen Gästen, im nächsten Moment im Umgang mit ihnen verbindlich und entgegenkommend - wird zwar angedeutet, doch diese Puzzleteile ergeben unterm Strich keinen wirklich greifbaren Charakter. Die Figur bleibt bis zu ihrem vermeintlichen Ende (was aus ihm wird, bleibt unklar) nebulös; Krohm müht sich, agiert zweifellos souverän, kann aber nicht jenes Bild eines gebrochenen Menschenfeinds vermitteln, das möglich gewesen wäre, wenn die Macher mehr wert auf diesen Aspekt der Geschichte gelegt hätten.


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