Hookworms: Begrenzt verhandelbar

Hookworms: Begrenzt verhandelbarHookworms
„Microshift“

(Domino Records)
Könnte gut sein, daß in Zusammenhang mit dem dritten Album der Hookworms auch der folgende Satz fallen wird: „Gut gemacht, aber für den großen Durchbruch wird es wieder nicht reichen…“ Das der fünfköpfigen Kapelle aus Leeds überhaupt so etwas wie ein „großer Durchbruch“ (was immer damit gemeint ist) zugetraut wird, liegt wohl daran, daß sie ihren Sound auf dem aktuellen Werk einer wahren Roßkur unterzogen haben – mit den äußerst sperrigen, nicht selten anstrengenden Psychrockorgien ihrer beiden ersten Platten „The Hum“ und „Pearl Mystik“ hat die neue überraschend wenig zu tun, zudem wurde das Studioequipment kräftig durcheinandergewirbelt und deutlich elektrifiziert. Wo früher nervenzerrende Jams dominierten, kommen nun häufig programmierte Beats, Overdubs und erstaunlich melodische Synthspuren zum Einsatz.

Schon der Opener „Negative Space“ nimmt den Gitarrengroove erst nach ein paar verfremdeten, aneinandergekoppelten Stimmfrequenzen hinzu, auch Tracks wie „Ullswater“ und „Opener“ huldigen eher dem Kraut- bzw. Elektrorock, nicht von ungefähr fühlt man sich eher an Bands wie Arcade Fire, Zoot Woman und Hot Chip erinnert. „Boxing Day“ pumpt sogar so poppig und zugleich ziemlich digital, daß man meint, Görl und Delgado hätten im Studio aktive, länderübergreifende Schützenhilfe geleistet. Das ist natürlich nur die eine Seite, denn natürlich sind die Hookworms im Kern eine experimentelle, gern auch unangepaßte Band geblieben. Wie schon zuvor lieben sie die epischen Ausflüge, dürfen Stücke also gern mal die Fünfminutengrenze überschreiten, ist vieles auch hier so angelegt, daß es sich langsam entwickelt und unvermittelt in atonalem Gekreisch gipfelt oder aber in kontemplativem Gewaber verläuft.
Dazu paßt auch, daß sich die Texte des sturmerprobten Quintetts – die ersten Aufnahmen zum aktuellen Album sind tatsächlich einem gewaltigen Unwetter zum Opfer gefallen – weiterhin nur schwer am Massengeschmack ausrichten lassen. Krankheit, Verlust, gar Depression und Tod illustrieren die konzeptartig ineinander verwobenen Stücke. Themen, die sich nur bedingt auf die Tanzfläche bringen lassen, daß es dennoch ab und an funktioniert, ist um so erstaunlicher. Auf einen Song wie das wunderbare „Shortcomings“ ganz am Ende hätten wir wohl ohne diese bemerkenswerte Neuorientierung verzichten müssen, daß die Hookworms deshalb der dunklen Seite noch nicht abgeschworen haben, darf man dennoch begrüßen. https://hookworms.bandcamp.com/
05.02.  Berlin, Privatclub

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