Historisch Literarischer Wanderweg, der Kall Trail

Von Ftb @FTBMike

Es gibt insgesamt 7 sogenannter Historisch Literarischer Wanderwege, die man in der Region zwischen der Wehebachtalsperre, Nideggen, Schmidt und Raffelsbrand erkunden kann. 7 Wege, die einem einen Einblick in die militärische Geschichte des Jahres 1944/45 geben und wo man nachfühlen kann, wie die Kämpfe im Hürtgenwald ausgesehen haben. Das wären im Einzelnen:

  1. Paul-Boesch-Weg
  2. Ochsenkopfweg
  3. Westwall Weg
  4. Heinrich Böll Weg
  5. Hemingway Trail
  6. Kall Trail
  7. Archäologischer Wanderweg Hürtgenwald 1944-45

Fast alle habe ich selber schon erwandert oder mit dem Mountainbike erfahren und ich muss sagen, jeder einzelne hat seinen Reiz. Man sieht alte Bunkeranlagen, Stellungen und Unterstände, selbst nach fast 70 Jahren. Hier kämpften berühmte Namen, die auch heute noch viele kennen, Hemingway, Collins, Gavin, um nur einige zu nennen. Der Kall Trail hat aber etwas besonderes, denn hier kann man irgendwie noch lebhafter nachvollziehen, was hier passierte.

Das Kalltal ist steil und tief und trennt die Ortschaften Vossenack und Schmidt. Von beiden Ortschaften aus kann man die gegenüber liegende gut sehen, selbst bei schlechtem Wetter. Auch ist die Burg Nideggen und der Burgberg von Bergstein gut sichtbar. Nideggen und Bergstein sind hohe Punkte und zum Zeitpunkt der amerikanischen Angriffe in deutscher Hand. Schlecht für die Amerikaner, gut für die deutsche Artillerie. In diesem Tal fand der Angriff auf Schmidt statt, mehrfach. Der zweite Angriff, der noch heute als “Allerseelenschlacht” bekannt ist begann am 2.11.1944. Maßgeblich war die 28. US-Division mit den Regimentern 109., 110. und 112. beteiligt, wobei das 112. Vossenack besetzen und darüber hinaus das Kalltal und die Orte Kommerscheidt und Schmidt einnehmen sollte. Mit der Michelin Straßenkarte von 1940, in der die Talsperren des Rursees nicht eingezeichnet waren und mangelnder Aufklärung startete das Unternehmen. Die Amerikaner wollten über Schmidt nach Westen schwenken und die Deutschen hielten den Vorstoß für einen Angriff auf die Staudämme. Was dann geschah, muss man einfach vor Ort sehen und hören.

Die Amerikaner schafften es am ersten Tag, bis zur Schmidter Kirche vorzustoßen, man wurde euphorisch aber die Lage und das Wetter verdüsterte sich dramatisch. Die amerikanischen Bataillone wurden von deutschen Divisionen angegriffen, die aus dem Bereitstellungsraum zur Ardennen Offensive abkommandiert wurden. Ein verheerender Artilleriebeschuss, geleitet vom Burgberg in Bergstein, ging auf die amerikanischen Truppen in Schmidt nieder, mit grausamer Zielsicherheit. Auch der Versuch, Panzer über den Kalltrail zu führen endete im Dreck und auf Minen. Der Artilleriebeschuss und die großen amerikanischen Verluste führten letztendlich dazu, dass sich am 6. Nov. 1944 die Soldaten des 2. Bataillons in Panik zurück zogen und erst an der Kirche in Vossenack wieder eine Verteidigungslinie aufbauen konnten. Am 8. November wurde schließlich der Rückzug befohlen, da alle Versuche, die Einheiten in Kommerscheidt zu unterstützen, scheiterten und sich die Verlustberichte überschlugen. Erst im Februar 1945 sollte es einen erneuten Angriff geben, dieses Mal unter dem Kommandeur “James Gavin”.

Das und vieles mehr gibt es zu berichten und auf authentischem Boden zu erleben. Der Kalltrail, den man für einen gut ausgebauten Weg hielt, war in Wirklichkeit ein enger und steiler, nicht wirklich für Panzer geeigneter Weg. Das waren alles Informationen, die die Amerikaner nicht hatten, weder komplette noch topografische Karten, noch optimale Aufklärung oder gar Luftunterstützung. James Gavin schrieb später ein Buch mit dem Titel “ Bloody Huertgen: The battle that should never have been fought”. Der Titel sagt wohl alles.

Start: Museum “Hürtgenwald 1944 und im Frieden” in Vossenack


Museum in Vossenack

Länge: 8,5 km

Dauer: 2,5 – 3 Std.

Ab 2013 werde ich, dann als ausgebildeter Guide zum Thema “Hürtgenwald”, auch Touren anbieten, die eine geführte Mountainbiketour mit historischen Schauplätzen verbindet. Sport trifft Geschichte.