Angeblich will die Staatsanwaltschaft prüfen, ob sie Todenhöfer wegen Verunglimpfung drankriegen kann. Der Staatsratsvorsitzende mobilisiert Kriegsbereitschaft, aber ermittelt soll gegen die werden, die den Staatsratsvorsitzenden nicht mit falscher Zimperlichkeit anpacken. Habe ich »Staatsratsvorsitzender« gesagt? Ein Versprecher, der nicht von ungefähr kommt.
Denn es ist schon ein Treppenwitz der Geschichte, dass dieser selbsternannte Gegenspieler Honeckers jetzt genauso lächerlich auf die Leute wirkt, wie einst der greise Erich. Über den gab es zwar weniger Fotomontagen. Dafür allerdings mehr Witze. Man wusste, dass er nicht ganz helle war in seinem blauen Konfirmantenanzug, irgendwo in einer eigenen Welt stammelte. Er war für die Bürger eine fleischgewordene Witzfigur. Und wenn wir jetzt ins Netz schauen, dann muss man annehmen, dass Gauck nicht viel anders wahrgenommen wird. Nur heute erzählt man sich keine Witze mehr; heute bastelt man sich was im Photoshop oder mit Gimp und postet es bei Facebook. Früher hat man gelacht, heute klickt und liket man.
Dabei ist Gauck gar nicht lächerlich. Seine Existenz im Amt ist eher tragisch. Und gefährlich. Aber solche senilen Gestalten der Geschichte zu Bajazzos zu erklären ist die volkstümliche Art damit umzugehen. Er hat es geschafft, dass man nur noch die Augen verdreht, wenn er schwadroniert. »Gott, der Alte schon wieder mit seinem Quark, hält er denn nie Mittagsschlaf?« Gauck ist dieser Figur, die er als personelles Sinnbild für jenen Staat, den er nicht mochte, ansieht, auf diese Weise durchaus ähnlich geworden.
Hey, Joe, machste jetzt einen auf Erich? Ja? Dann tritt zurück. Vorwärts nimmer, Abmarsch immer.
&button;