Heute ist ein guter Tag, um zur Ruhe zu kommen!

Feldsee im Sommer

Vor ein paar Tagen habe ich Dir bereits erzählt, wie wichtig mir die Stille ist. Und heute möchte ich noch etwas ausführlicher darauf eingehen. Ich liebe die abendliche Stille hier in Ringsheim, wenn die Stimmen des Tages verstummen. Wie eine zärtliche Umarmung hüllt sie mich ein. Es ist eine einladende Stille. Bleib ein wenig hier, sagt sie, freue dich, dass wir zusammen sind. Schweigend setze ich mich. Dankbaren Herzens nehme ich diese Stille tief in mich auf. In ihr finde ich Frieden und sie gibt mir Kraft. Sie ist geduldig, ehrfürchtig und voller Würde.

Die Stille, die innere Ruhe, die mich erfasst, wenn alles erledigt ist, wenn wirklich Ordnung in der Seele und im Geist herrscht, ist einfach wunderbar. Es ist ein innerliches Verschnaufen. Ja, ich liebe diese Stille und ich glaube, dass ich sie so nötig habe wie Essen und Trinken.

Der Ausspruch “Stille Wasser sind tief” trifft sicher auf mich zu. Ich war immer einer von den ruhigen, leisen, bescheidenen Menschen. Heute bin ich froh darüber. Thomas Carlyle schrieb: “Stille ist das Element, in dem sich Großes formt.” Für mich ist die Stille der Ort, an dem ich am ehesten spüre, wer ich bin, was ich brauche und welche Wege für mich sinnvoll sein könnten. In der Stille erschließt sich mir meine innere Welt. Jetzt liegt meine Seele da wie ein ruhiger See, in dessen glatter Oberfläche ich mich erkennen kann. Die Stille ist es, in der alles klar wird. Doch wo finde ich sie?

Auch wenn Stille heute etwas Rares geworden ist, kann sie bei den verschiedensten Gelegenheiten eintreten. Viele Wege führen in die Stille und es gibt unzählige Momente der Stille im Verlauf der 24 Tag- und Nachtstunden. Sie schaffen Raum zum Aufatmen und zum Stillvergnügtsein. Meist hilft mir das Gehen, der Spaziergang, die Wanderung hinaus in die Natur. Im Rhythmus meiner eigenen Schritte gebe ich mir genügend Zeit, mich der Stille langsam zu nähern. Oft treffe ich die Stille auch zum Tee. Ihre Lieblingszeit ist die Dämmerung. Und wenn ich der Stillere bin, kann ich sie auch hören.

Wo finde ich Stille?

  • Abends zu Hause. Beim Schein einer Kerze mit ihrer ruhigen Flamme. Einfach da sein. Ausatmen. Einatmen. Fallen lassen. Still werden. Der inneren Stimme lauschen.
  • Ein warmer Sommermittag, weit weg von den Dörfern. Ich liege im Gras und schaue den Wolken am tiefblauen Himmel nach, den Figuren, die sich ständig verändern. Gedanken kommen und gehen. Ich lasse die Stille bei mir ankommen, genieße die Muße, vertraue mich dem Fluss der Wolken an und denke an die Worte Robert Walsers: “Wolken sind meine Lieblinge. Sie wirken so gesellig wie gute, stille Kameraden.”
  • In der Kirche. Ort der Kraft. Ort der Stille. Ort der Erkenntnis. Am allerliebsten bin ich in der Klosterkirche St. Trudpert im Münstertal.
  • Auf dem Belchen. Ich sitze einfach nur da, eine ganze Stunde lang, rede kein Wort, schaue nur, höre nur, gebe mich nur an die gewaltige Wirklichkeit dieses Blickes hin. Und im Horchen, im Hingegebensein, im Empfangen werde ich berührt von dieser wohltuenden Stille. Nur die Stimme der Vögel und das Singen des Bergwindes über mir. Geräusche, die die Stille noch unterstreichen und steigern.
  • In der Kunstausstellung. Die glatten, sanften Formen der Skulpturen schmeicheln der Hand. Die ruhigen Farben der Gemälde verführen zum Träumen. Und alles flüstert. Ehrfurcht vor der Schaffenskraft. Rücksicht gegenüber den Genießern.
  • In einem dunklen, kühlen Waldstück. Alle lauten Töne werden geschluckt. Ruhe umfängt mich. Und doch herrscht überall reges Treiben. Und auch das satte Grün lässt mich still werden. Hier fühle ich mich eins mit allem. Hier bin ich daheim.
  • Im Konzert. Ludwig van Beethovens Szene am Bach aus seiner Sinfonie Nr. 6 F-Dur, der Pastorale. Andante molto mosso. Eine still fließende Musik, die mich zur Ruhe kommen lässt und mit der ich mich treiben lasse, hinfort in andere Sphären. Ohne Anstrengung, leicht wie ein Fisch im Wasser. Oder auch die sanfte Panflötenmusik unseres ganz speziellen Lieblings Oscar Javelot
  • Zu meinen bevorzugten Plätzen gehört ein versteckt mitten im Wald liegender See, der so klein ist, dass man ihn vielleicht eher Tümpel nennen sollte. Den Rücken an den Stamm einer alten Buche gelehnt, tauche ich ein in die tiefe Stille um mich herum. Außer dem Summen der Insekten ist kaum ein Laut zu vernehmen. Unter mir spüre ich die Erde, die mich trägt. Ich nehme meine ruhigen, tiefen Atemzüge wahr.
  • Im gemeinsamen Schweigen. Wie schön, wenn zwei Menschen sich ohne Worte verstehen. Ein Blick, eine Berührung, ein Lächeln genügt, und alles ist gesagt.
  • Beim Lesen. Die Buchstaben, Wörter und Sätze ziehen mich hinein in eine Welt, die mittels Sprache vor mir entsteht. Momente der Stille. Augenblicke des Glücks.
  • Am Waldrand. Vor mir eine sommerlich blühende Bergwiese. Für kurze Zeit schließe ich die Augen. Deutlich höre ich nun das Rauschen des Windes in den Bäumen und in den Gräsern; den Flug der Insekten, ihr Summen und Surren; Vogel- und andere Tierlaute; irgendwo in der Nähe das Muhen einer Kuh und das Blöken eines Schafes – eine harmonische Musik.
  • Szenenwechsel: Ich trete hinaus in die Kälte und Dunkelheit eines Winterabends. Und nach fünf Minuten bin ich draußen zwischen den Feldern, wo es ganz still ist. Ich atme tief durch. Der Mond steht voll und rund und schweigend am sternklaren Himmel.
  • Beim Malen. Ulrike hat für sich schon vor langer Zeit das Mandalamalen entdeckt. Es hilft ihr, innere Harmonie zu finden. Stundenlang kann sie sich in diese meditative Tätigkeit vertiefen und sich selbst dabei vergessen. Ich werde wohl auch mal wieder etwas zeichnen.
  • Am Fluss. Das gleichmäßige Rauschen vesetzt mich in einen meditativen Zustand. Vom Wasser kann ich vieles lernen. Vor allem aber, dass alles fließt. Alles ist Bewegung.
  • Und nicht zuletzt nachts im Bett. Der Ort schläft. Kaum ein Laut ist zu hören. Diese Stille ist schon so laut, dass ich sie hören kann.

Bei diesen Beschreibungen fällt auf, dass Stille mehr ist als die totale Abwesenheit von Tönen. Es gibt sogar Töne, die die Stille hervorheben. Stille hat also eher zu tun mit der herrschenden Atmosphäre, mit einem sorgsam und frei gewählten Umgang mit Klängen. Diese Stille strahlt ein Baum aus, einfach, wie er da steht. Ein Reh, das äst, ganz versunken darin, Nahrung aufzunehmen. Oder auch ein Kind, das mit ungeheurem Ernst seinem Spiel hingegeben ist. Aus dieser Stille, aus Wahl und Auswahl der leisen Töne kommen Glück und Freude.

Und so habe ich oft das Bedürfnis, mich zurückzuziehen ins Schweigen, in die Stille. Stille gehört zu meinem Leben wie die Nacht zum Tag, wie der Winter zum Sommer, wie das Einatmen zum Ausatmen. Sie tut gut und kann manches heilen. Das macht diese Zeiten des Friedens und der Stille sehr wertvoll. Deshalb beschließe ich wie eingangs gesagt den Tag meist auf besinnliche Weise. Ich entspanne mich bei einem Spaziergang, genieße gute Musik oder lese inspirierende Geschichten wie die folgende:

Stilles Wasser

Zu einem einsamen Mönch kamen eines Tages Menschen. Sie fragten ihn: “Was für einen Sinn siehst du in deinem Leben der Stille?”

Der Mönch war eben beschäftigt mit dem Schöpfen von Wasser aus einem tiefen Brunnen. Er sprach zu seinen Besuchern: “Schaut in den Brunnen! Was seht ihr?” Die Leute blickten in den tiefen Brunnen. “Wir sehen nichts.”

Nach einer kurzen Weile forderte der Einsiedler die Leute wieder auf, in den Brunnen zu schauen. Die Leute blickten wieder hinunter. “Ja, jetzt sehen wir uns selber!” Der Mönch sprach: “Schaut, als ich vorhin Wasser schöpfte, war das Wasser unruhig. Jetzt ist das Wasser ruhig. Das ist die Erfahrung der Stille: Man sieht sich selber!”


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