Heute frage ich: J.D Vermeeren, Martin Andreas Walser und Sylvia Seyboth

Heute frage ich: J.D Vermeeren, Martin Andreas Walser und Sylvia SeybothIch lese sehr gerne Romane, egal aus welchem Genere, wenn es nicht grade Horror ist. Das ist nicht grade mein Ding. Ich lass mich gerne in fremde Welten entführen, tauche gerne ein in ein anderes Leben, einer andere Person... Und doch frage ich mich immer wieder, wie viel steckt das vom Autor selber drin? Lässt es sich vermeiden, seine Biogrfie da völlig raus zu halten? Und da ich das selber nicht beantworten kann hab ich diese Frage nun gestellt...
Wie viel von dir selber steckt in deinen Büchern?

Und dazu habe ich dieses mal folgende 3 Autoren gefragt...
Heute frage ich: J.D Vermeeren, Martin Andreas Walser und Sylvia SeybothJ.D. VermeerenDas ist wirklich eine gute Frage. Was in den Büchern tatsächlich steckt, ist mein Herzblut, meine Seele und, wie bei jedem anderen Autor auch, sehr viel Arbeit. Denn von der Idee zum fertigen Buch ist eine längere Arbeitsstrecke zu bewältigen, die oft auch holprig und steinig sein kann.
Ich bin überzeugt, dass jeder Autor seine Vorlieben hat, die man in den Büchern wiederfinden kann - das soll auch so sein, damit die Bücher das gewisse Etwas enthalten, doch würde sich der Autor ausschließlich einbringen und nur von sich erzählen, dann wären dies biographische Werke und hätten nichts mit Unterhaltungsliteratur/Romanen zu tun.. Ich bin Geschichtenerfinder, der das Leben beobachtet - Menschen beobachtet - Szenen beobachtet, vieles in sich aufnimmt, auch einiges erlebt/erlebt hat und ich habe eine überaus ausgeprägte Fantasie, die ich schon als Kind hatte - schwebe zeitweise über der Erde (wie die meisten Menschen meines Sternzeichens ;-) … aber autobiographische Romane schreibe ich persönlich nicht.
Was richtig ist, dass zuerst eine Idee da ist und Figuren sozusagen vor meinem geistigen Auge entstehen, die dann zu Papier gebracht werden wollen. Gründliche Vorarbeiten/Recherchen folgen. Ich versetze mich dann in meine erfundenen Figuren/Protagonisten, um sie und die Geschichte authentisch gestalten zu können, aber auch die Figuren entwickeln im besten Fall ein Eigenleben, diskutieren mit dem Autor, was sie wollen oder nicht wollen, welchen Weg sie gehen möchten usw. Ich mag und liebe auch alle meine Figuren, selbst die sogenannten „Bösen“. Hört sich sicher sehr schräg an, nicht wahr? Nun ja, ein wenig schräg muss man als Autor schon sein - spreche aber hier nur für mich.
Die Ideen entstehen überall: Bei einem interessanten Gespräch, bei einer Veranstaltung, Worte lieber Freunde können sehr inspirierend sein, Spaziergänge, Wanderungen, Reisen, im Supermarkt oder sogar durch banale Dinge - es gibt so viele Möglichkeiten - manchmal muss man sich aber auch an Verlagsvorgaben halten können.
Wenn man Spaß am „Stories“ erfinden hat, dann hat man oft so viele Gedanken im Kopf, die alle gehört werden wollen, sodass es manchmal sogar schwer fällt sie zu ordnen. Ich habe so viele Notizbücher, die voll sind von Gedanken, die mir begegnen, aber sehr wertvoll für die Stories sind.
In einem Interview fragte man mich, was mich zum Roman „Schmetterlinge lieben nicht“ inspiriert hätte. Es waren tatsächlich Schmetterlinge, deren Metamorphose ich faszinierend finde, und die Schmetterlinge im Buch sind „Hinweis, Symbol“, sowie sehr wichtige Metapher und gehören zum Psychogramm von Leon, dem Protagonisten im Roman. Eine Leserin fragte mich, ob es Leon tatsächlich gibt, weil sie ihn sehr mochte. Nun, er und Angelina sind fiktive Personen, doch beide Seelen gibt es mehr kann ich dazu nicht sagen.
Heute frage ich: J.D Vermeeren, Martin Andreas Walser und Sylvia SeybothMartin Andreas Walser
Die Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten, denn oft merkt man selber ja nicht oder ahnt nur, wie viel man von sich in ein Buch hineingegeben hat - und plötzlich sagt jemand (und man erwacht aus dem Traum, eine Geschichte erzählt zu haben, die so gar nichts mit der eigenen Person zu tun hat): «Da war ich doch dabei», oder: «Typisch für dich - so etwas kann auch nur dir passieren.»
In meinem ersten Roman, «Vom Leben», steckte, und dies bewusst, sehr viel von mir selbst drin, denn ich habe mir darin nach all den Jahren des Schweigens und des Suchens und der Pläne für ein Buch in Lissabon, wohin ich seither regelmässig zurückkehre, alles von der Seele geschrieben, was sich in der langen Zeit aufgestaut hatte mit der immer ultimativeren, schliesslich nicht mehr überhörbaren Forderung aus dem tiefsten Inneren: «Erzähle es.»
Allerdings habe ich (fast) alles verfremdet, umgeformt, Gedanken und Überzeugungen und Aussagen anderen Personen zugeordnet (beispielsweise der fiktiven Geliebten des Erzählers), und dies nicht nur einmal, sondern zwei-, drei-, viele Male, bis mir das Private und das Allzuprivate auf ein akzeptabel geringes Mass reduziert zu sein schienen, denn ich habe in meinem Kopf auf- und dabei vieles weggeräumt, aber doch nicht in der Absicht, mit einer «Lebensgeschichte» (oder gar -beichte) langweilen zu wollen!
«SehnSucht» sodann geht auf einen Besuch in einem kleinen französischen Dorf zurück, der vor Jahrzehnten stattgefunden hat; die Geschichte, deren Kontur mir damals bereits einfiel, ist aber rein fiktiv (bis auf die Person der weiblichen Protagonistin, die ich bei einer real existierenden Frau entlehnt habe). Und noch weiter weg von mir selbst ist die zweite Erzählung, «Herzbluten», während der Roman «UnGlück» wiederum auf eine sehr kleine Sequenz zurückgeht, die ich einmal in London erlebt oder besser: beobachtet habe. Hier steckt insofern sehr viel von mir drin, als ich die Geschichte fast zwanzig Jahre in mir herumgetragen habe und sie reifen liess, bis ich sie so erzählen konnte, wie ich sie schliesslich erzählt habe.
Sehr persönlich wird erst wieder mein im Entstehen begriffener (noch ist es mein übernächster, da «Der Anschlag» zwar fertig, aber noch nicht publiziert ist) Roman «Die Zukunft der Zukunft» sein, dessen Veröffentlichung ich für 2011 plane. Er erzählt sich einerseits ganz leicht, da vieles sich förmlich vordrängelt, um niedergeschrieben zu werden (was sich, beispielsweise, in den, zirka bei «Halbzeit», bereits über 600 angesammelten Buchseiten niederschlägt), und andererseits sehr schwer, da ich mich bei jeder dieser kleinen Begebenheiten, die gleichwohl nur Rand- und Seitengeschichten in einem grossen Rahmen sein werden, immer wieder neu frage und fragen muss, ob und wie ich sie erzählen soll - und noch schwerer fällt manchmal das Schreiben, da manches mich erneut erfreut, vieles aber auch einen damals empfundenen Schmerz wieder wachruft oder alte Wunden aufreisst.
Was aber so oder so in jedem meiner Texte - und ich denke in allen ernstzunehmenden - drinsteckt, ist dies: Viel, viel, unendlich viel Herzblut - eigenes natürlich. . .
Heute frage ich: J.D Vermeeren, Martin Andreas Walser und Sylvia SeybothSylvia Seybot Ich fürchte es steckt eine ganze Menge von mir selbst in meinen Büchern. Es zeichnet sich für Menschen die mich kennen in manchen Akteuren sehr deutlich ab. Sei es der Charakter, der eindeutig meinem Naturell entspricht, sei es der Kleidergeschmack, den ich meinen Charakteren aufs Auge drücke oder auch die für mich typischen Handlungsweisen. Natürlich zaubert man auch Personen in seine Romane, die einem selbst nahe stehen oder auch verhaßt sind. Gerade diese Vorgehensweise macht die Darsteller glaubwürdig, denn sie sind nicht frei erfunden sondern der Realität entnommen. Ich stelle vor allem in Bezug auf Dialoge fest, dass ich dazu neige meine eigenen Spitzfindigkeiten einzubauen. Besonders faszinierend finde ich es, wenn ich einen Roman fertiggestellt habe und während des Überarbeitungsprozesses erkenne, dass ich völlig unbewußt gewissen Akteuren mein Innerstes auf den Leib geschrieben habe. Mein Seelenleben erscheint dann in den unterschiedlichsten Formen auf dem Papier. Träume, die ich selbst in meinem Leben hege, werden ganz unterbewußt zu einem Thema in meinen Büchern. Manchmal kann ich es mir auch nicht verkneifen meine ganz persönliche Polemik einzubauen, bringe Themen ein, die für mich aufreibend sind und mich immer wieder aufs Neue beschäftigen. Da ich selbst kein allzu einfacher Charakter bin gestaltet sich das für den Leser allerdings offensichtlich ganz interessant, denn ich werde häufig auf die Darsteller meiner Romane angesprochen und gefragt ob ich diese Person im Leben tatsächlich kenne. Häufig muss oder kann ich diese Frage mit einem deutlichen „Ja“ beantworten, denn wenige meiner Akteure sind nicht in irgendeiner Form im wahren Leben vorhanden. Manchmal projiziere ich nur einen einzelnen Charakterzug in eine Person oder lasse sie auf eine für mich spezifische Weise reagieren. Allerdings stelle ich fest, dass die Menschen aus meinem näheren Umfeld augenblicklich erkennen woher dieser Zug kommt und die Umsetzung zumeist auch höchst positiv finden.
Dies war wieder mal eine super spannende und sehr interessante Runde, denn die Antworten und Sichtweisen sind doch sehr unterschiedlich.Danke euch für eure so ausführlichen antworten und den Einblick in eure Gedanken.
Heute frage ich: J.D Vermeeren, Martin Andreas Walser und Sylvia Seyboth

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ARTIKEL 13 – Jetzt sind wir dran! – Auf die Straße.