Hermann mit der Schneeschaufel

Von Pressplay Magazin @pressplayAT

Hermann mit der Schneeschaufel

8Horror-Komödie

Ein Junge und seine Schneeschaufel kämpfen gegen das Unrecht – und damit sind keine Schneemassen gemeint. Hermann mit der Schneeschaufel ist liebevolle Hommage und leidenschaftlicher Splatter-Klamauk.

Hermann (Dominic Marcus Singer) ist ein etwas tollpatschiger, gutherziger Kerl, der sich liebevoll um seine Großmutter (Jolanta Warpechowski) kümmert. Er führt ein einfaches Dasein, bis eine geheimnisvolle Kiste Maroni, die er von seinem abenteuerlustigen Großvater vererbt bekommen hat, alles auf den Kopf stellt. Bei seinem mehr schlecht als recht gebastelten Maronistand lernt er die liebenswerte Hannah (Nathalie Mintert) kennen und es ist um ihn geschehen. Als Rocco die Faust (Roman Haselbacher), Rüpel Richie (Andreas Lugmayer) und gleichsam übelgesinnte Kollegen die schöne Hannah entführen, um ihrem Chef Bruno der Berserker (Jackie Wulf) ein passendes Weihnachtsgeschenk zu bringen, zögert Hermann nicht lange, greift zur Schneeschaufel und eilt zur Rettung. Ein blutiges, skurriles Gemetzel nimmt seinen Lauf.

Hermann mit der Schneeschaufel ist nicht Shakespeare. So viel ist von Anfang an klar. Aber das will der Film auch gar nicht sein. Albert Krivanec, Reinhard Schröder und Dominic Marcus Singer, die gemeinsam für Drehbuch und Regie verantwortlich sind, haben mit Hermann mit der Schneeschaufel eine herrlich skurrile Mischung aus Horror, Komödie, Splatter und Actionfilm geschaffen. Ein österreichisches Independent-Unikat, das vor filmischer Leidenschaft strotzt und in jedem Moment den Spaß und die Liebe zum Medium, die den Machern hinter und vor der Kamera inne ist, auch auf das Publikum zu übertragen.

Bei allem Lob muss man aber auch fair bleiben und ein wenig Kritik üben. Hermann mit der Schneeschaufel ist natürlich kein perfektes Meisterwerk (sind aber auch die wenigsten Filme) und man merkt ihm stellenweise schon die Limitation des Budgets und der Produktionsbedingungen an. Nicht alles funktioniert einwandfrei, aber das ist halt auch eine der Besonderheiten der No- bis Low-Budget Produktionen, nämlich wie die Filmemacher mit jenen Beschränkungen umgehen und sie originell und gekonnt in den Film einbauen. Das ist den Machern großteils auch löblich geglückt und funktioniert die meiste Zeit. Es gibt Momente, wo aber halt nicht alles ganz rund läuft und man das Gefühl hat, die schrägen Ideen und Einfälle nehmen etwas Überhand und überholen das Geschehen. Umgekehrt wiederum ist es überraschend zu sehen, wie gut den Machern die Splatter-Szenen gelungen sind, sie erinnern charmant an 80er Jahre Horrorreißer.

Hermann mit der Schneeschaufel zieht nicht aus um Oscars und andere Preise zu gewinnen, das ist nicht seine Ambition. Hermann mit der Schneeschaufel ist ein spaßiger Genre-Mix, dem es nur darum geht die Herzen der Zuschauer zu erobern und sie für eine kurze Zeit aus dem Alltag zu entreißen und zu unterhalten. In einer perfekten Welt würde Hermann mit seiner Schneeschaufel und den Magischen Maroni nicht nur die Bösen besiegen und das Mädchen retten, sondern er würde auch zu einem österreichischen Kultfilm avancieren. Zu wünschen wäre es. Aber am besten überzeugt man sich davon selbst und gönnt sich kurz vor Weihnachten den Spaß im Schikaneder und genießt das Xmas Viewing von Hermann mit der Schneeschaufel.

Regie und Drehbuch: Albert Krivanec, Reinhard Schröder, Dominic Marcus Singer, Darsteller: Dominic Marcus Singer, Reinhard Schröder, Jolanta Warpechowski, Albert Krivanec, Nathalie Mintert, Roman Haselbacher, Andreas Lugmayer, Filmlänge: 53 Minuten, zu sehen am 20.12.2018 um 20:30 Uhr im Schikaneder

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Autor

Marco Rauch

Aufgabenbereich selbst definiert als: Kinoplatzbesetzer. Findet den Ausspruch „So long and take it easy, because if you start taking things seriously, it is the end of you” (Kerouac) sehr ernst zu nehmend.