Hell-Go-Land

Von Buecherchaos @FranziskaHuhnke

Hell-Go-Land

Tim Erzberg

HarperCollins, 2016

978-3959670463

16,00 €

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Ein roter Fels im sturmgepeitschten Meer. Darauf Deutschlands abgeschiedenster Polizeiposten. Hier ist ihre neue Dienststelle. Hier war ihr Zuhause. Bis der Albtraum über Anna Krüger hereinbrach. Kaum jemand weiß von ihrer Rückkehr nach Helgoland. Doch schon an ihrem ersten Arbeitstag erwartet sie eine grausame Überraschung, die Anna klarmacht, dass es keine Flucht vor der Vergangenheit gibt. Nicht für sie. Nicht an diesem Ort.

Es hört sich immer gut an: ein Mensch, der mit bösen Menschen gearbeitet hat, der ihre Abgründe kennt, schreibt ein Buch. Das muss gut sein, denn dann ist es authentisch und zeigt vielleicht Dinge auf, die der Leser noch nicht erlebt hat. 

Leider hat „Hell-Go-Land“ mich enttäuscht. War meine Erwartungshaltung zu groß? Es gibt schöne Seiten an diesem Thriller, der darauf aufbaut, dass Helgoland abgelegen ist, niemand zur Hilfe kommen kann und der Leser von Anfang an ahnt: Der Mörder, Psychopath muss noch auf der Insel sein. 

Ein abgegrenzter Raum schafft viele Möglichkeiten. Der Autor kann sich auf seine Protagonisten konzentrieren, es kann ein Katz und Maus Spiel geben und nur einen Gewinner. So ein Raum kann funktioniert – muss er aber leider nicht. Für mich war der Anfang gut gesetzt. Der Autor spielt mit dem Sturmwetter, sodass jedes Kapitel mit den Angaben des Wetters und den Breitengraden beginnt. Außerdem gibt es am Anfang und zwischendurch kleine Passagen, die Gespräche widerspiegeln. Diese sind in kursiv gesetzt und man liest sie recht atemlos, denn der Leser kann nur zwischen den Zeilen verstehen, dass dort ein Verbrechen geschieht. 

Zuerst lernen wir Anna kennen. Sie kehrt auf die Insel zurück, die früher ihre Heimat war. Sie hat dort etwas erlebt, was, wissen wir aber nicht. Es quält sie, jemand liegt hier begraben – mehr erfahren wir lang Zeit nicht. Anna ist undurchschaubar und zeigt, meiner Ansicht nach, viel zu wenig Gefühl. Zwar hat sie ersichtliche Probleme, diese wirken aber starr und kalt und wühlen mich nicht auf. Oft betrachtet Anna den Sturm und das Meer. Die Meeresbeschreibung tragen dazu bei, dass eine ungemütliche, dunkle Atmosphäre entsteht. Das hat mir gut gefallen. Anna Kollegen auf dem Polizeirevier, werden kaum eingeführt. Einen kennt sie aus der Schule, der andere sieht gut aus. Ja, ähm? Und sonst? 

Tatsache ist, dass die Ermittlungen nur schleppend anlaufen, nachdem Anna einen Daumen zugeschickt bekommt. Sie wissen nichts mit sich anzufangen und machen Dinge, die man in einer amerikanischen Fernsehserie sehen kann: einen Flipchart bemalen – obwohl sie keine Daten haben. Den Daumen in den Kühlschrank legen, denn sie sind von der Außenwelt abgeschnitten. Erst mit der Zeit nehmen sie das Problem oder die Gewalttat wirklich ernst. Vorher wird immer betont, dass auch das Festland nichts tun würde, solange nicht klar ist, ob der Daumen durch ein Gewaltverbrechen abgetrennt worden ist. Wieder denke ich: Ah,ja. 

Anna, die sich in ihre Arbeit hineinwirft und der Mittelpunkt der Ermittlungen ist, arbeitet anders als die ganze Polizeistation. Es entstehen Momente, da möchte sie etwas tun, wird aber ausgebremst vom Wetter, den Menschen oder sich selbst, da sie sehr anfällig ist für Migräne und Co. Es entsteht ein eigenartiges Bild der Polizeiarbeit am Ende der Welt und bis zum Schluss habe ich zu keiner Figur einen richtigen Draht entwickeln können. 

Es fehlt dem Thriller nicht wirklich an Spannung, denn zwischen den Zeilen, all das Drumherum ist gut in Szene gesetzt. Die Protagonisten wirken dennoch eher wie Schablonen, konnten keine Gefühle in mir wecken und auch der Schluss war ein bisschen absehbar. 


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