Zwischen Schmerz und Schweigen fand ich deinen Blick, ein Funken Wahrheit, der uns beide langsam Stück für Stück zerbricht. Und doch, in all der Wut, der Nähe, dem Verstehen, beginnt mein Herz in deinem Rhythmus weiterzugehen.
Cover von Heartbeat Retreat
Wir waren nie geplant, doch irgendwie bestimmt. Zwei Herzen, die sich fanden – genau dort, wo alles beginnt.
Eine Geschichte, die nicht laut beginnt, aber leise unter die Haut kriecht – Es gibt Romane, die mit einem Knall anfangen, mit grellem Licht, mit einem Gefühl, sofort in die Handlung gerissen zu werden. „Heartbeat Retreat“ gehört nicht zu diesen Büchern und genau das macht es so stark. Dieser Roman beginnt in einem Zwischenraum, einem Ort ohne Applaus, ohne Stadionlicht, ohne Bühnenfeuer. Er beginnt dort, wo Menschen landen, wenn ihnen das Leben kurz den Boden weggerissen hat: in einem Reha-Zentrum, das weit entfernt ist vom Glanz, den beide Protagonisten früher kannten.
Aaron Coxx und Aaliyah Abendroth schaffen es, aus einer scheinbar alltäglichen Ausgangslage eine emotional vielschichtige Geschichte zu formen, die nicht nur von Hass, Verletzung und alten Wunden erzählt, sondern auch von der Möglichkeit, dass Nähe nicht automatisch Schwäche bedeutet, und dass vielleicht gerade im Moment des größten persönlichen Scheiterns die Chance liegt, jemand anderen wirklich zu sehen und vielleicht sogar sich selbst neu zu erkennen. Wenn Du jetzt neugierig geworden bist, dann komm mit auf eine Buchlänge. Auf geht’s…
Bobby-Lee: Der Quarterback, der sich selbst verliert, bevor er sich wiederfinden kann – Bobby-Lee Montgomery ist eine Mann, die auf den ersten Blick geradlinig wirkt, aber je tiefer man seine Perspektive einnimmt, desto vielschichtiger entfaltet er sich. Er ist einer dieser Männer, die gelernt haben, stark zu sein, weil von ihnen stets erwartet wurde, stark zu bleiben, egal, was passiert. Er ist Profi, Kämpfer, Leitwolf und dennoch ist gerade der Moment, in dem ihn eine Verletzung aus dem Spiel reißt, ein Moment, der ihn nicht nur körperlich, sondern vor allem seelisch erschüttert. Er steht plötzlich an einem Punkt, an dem er nicht mehr definieren kann, wer er ist, wenn er nicht auf dem Spielfeld steht.
Und genau an diesem Punkt tritt jemand in sein Leben, den er nie wiedersehen wollte: Steven Russell. Sein Hass auf Steven ist nachvollziehbar, tief verankert und auf den ersten Blick gerechtfertigt, weil Bobby-Lee das Gefühl hat, dass Steven einer Person, die ihm wichtiger ist als fast alles andere, Unrecht getan hat. Aber was diesen Roman so besonders macht, ist die Art und Weise, wie dieser Hass sich nicht in starren Linien fortsetzt, sondern weich wird, Risse bekommt, sich verwandelt. Bobby-Lee beobachtet, bevor er versteht. Er fühlt, bevor er sich erlaubt, es zuzulassen.
Und die Momente, in denen er zusehen muss, wie Steven nachts unruhig atmet, sich im Schlaf windet, gegen Schmerzen kämpft oder mit seiner Gitarre mehr von sich preisgibt, als Worte je ausdrücken könnten. Diese Momente brechen etwas in ihm auf, etwas, von dem er gar nicht wusste, dass es verschlossen gewesen ist. Bobby-Lee ist ein Mann, der lernen muss, dass Vergebung nicht Schwäche ist und dass Zuneigung nicht immer logisch entsteht. Seine Entwicklung ist leise, aber intensiv. Und genau deshalb wirkt sie so echt.
Steven: Der gescheiterte Rockstar, der zum ersten Mal gezwungen wird, sich selbst zu betrachten – Steven Russell ist die Art von Mann, die man nicht einfach mögen kann. Man muss ihn verstehen lernen. Seine Vergangenheit ist eine Trümmerlandschaft, und jeder Schritt in diese Reha fühlt sich an, als würde er über die Scherben seines alten Lebens gehen. Er hat nicht nur seine Karriere verloren, sondern seinen Platz als Vater, seinen finanziellen Halt, seine körperliche Stärke und vor allem das Bild, das er so lange von sich selbst hatte.
Aaron Coxx und Aaliyah Abendroth zeichnen ihn mit einer Verletzlichkeit, die nie ins Weinerliche abrutscht, sondern eine stille, fast unbequeme Ehrlichkeit besitzt. Steven ist nicht unschuldig. Und er weiß es. Aber er ist auch nicht der Teufel, als den Bobby-Lee ihn sieht. Seine Unsicherheit, seine innere Zerrissenheit, seine schleichende Erkenntnis über seine eigene Sexualität. All das wird mit einer Feinheit erzählt, die tief berührt.
Der Moment, in dem Steven begreift, dass Bobby-Lees Blicke ihn treffen, weil er etwas fühlt, das er sich selbst nie erlaubt hat zu fühlen, ist einer dieser Wendepunkte, die sich nicht laut anfühlen, aber tief im Leser nachhallen. Es ist die Entdeckung einer Identität, die jahrelang verborgen war, eine Identität, die schmerzhaft, verwirrend und gleichzeitig unglaublich befreiend ist. Steven verliebt sich nicht leicht. Er verliebt sich nicht naiv. Er verliebt sich, weil er in Bobby-Lee jemanden erkennt, der ihn nicht retten will, sondern sieht. Und genau das macht diese Liebesgeschichte so kraftvoll.
Die Atmosphäre: Ein Raum, der zwei Menschen zwingt, ehrlich zu werden – Das Zimmer, das die beiden teilen, wird zu einem eigenen Charakter in diesem Roman. Es ist eng, es ist zwanghaft nah, es ist ein Ort ohne Fluchtmöglichkeiten und genau deshalb bricht es die Beiden – Steven und Bobby – offen. In diesem Raum gibt es kein Publikum, keine Masken, keine Rollen, in die man hineinfallen kann. Die Reha schafft eine Intimität, die nicht aus freien Stücken entsteht, aber gerade deshalb so authentisch wirkt.
Aaron Coxx und Aaliyah Abendroth nutzen diese räumliche Begrenzung nicht als Gimmick, sondern als emotionales Werkzeug. Jeder Blick, jede Bewegung, jede gespannte Stille zwischen den Betten wird zu einem Moment, der etwas verändert. Man spürt das Atmen der Beiden, die unausgesprochenen Sätze, die inneren Kämpfe, den schleichenden Übergang von Verachtung zu Neugier, von Neugier zu Nähe, von Nähe zu Leidenschaft. Diese Enge erschafft keinen Druck: sie erschafft Wahrheit.
Die Liebesgeschichte: Keine Explosion, sondern ein Aufglühen, das langsam und tief brennt – Die Liebe zwischen Bobby-Lee und Steven entsteht nicht in einem Moment. Sie entsteht in vielen kleinen. Sie entsteht im Geteilten Schweigen. Im unausgesprochenen Verständnis. Im Beobachten des anderen, wenn dieser glaubt, unbeobachtet zu sein. In Berührungen, die nicht geplant, aber unausweichlich sind. Die Romantik ist intensiv, aber niemals oberflächlich. Die körperlichen Szenen sind heiß, aber gleichzeitig emotional aufgeladen und bedeutungsvoll.
Jeder Kuss, jede Nähe, jedes Loslassen und jedes Festhalten trägt Bedeutung, Gewicht, Tiefe. Man spürt den Widerstand, das Zögern, die Selbstzweifel, die vorsichtige Hoffnung – und genau dadurch wird dieser Romance-Bogen so wunderschön. Dies ist keine Geschichte über zwei Männer, die zusammenfinden. Es ist eine Geschichte über zwei Menschen, die sich selbst wiederfinden – und sich dann ineinander.
Schreibstil:,poetisch, lebendig, durchdrungen von Schmerz und Hoffnung – Aaron Coxx und Aaliyah Abendroth haben einen Stil, der gleichzeitig leicht und schwer wirkt. Er ist leicht in den Dialogen, die lebendig und natürlich fließen, ohne aufgesetzt zu wirken. Er ist schwer in den emotionalen Momenten, die die Seele der Figuren offenlegen, ohne sie künstlich zu dramatisieren. Die Bildsprache ist klar, oft zart, manchmal hart, immer passend. Der Roman liest sich fließend und warm, aber mit einer Tiefe, die nachhallt. Man legt das Buch nicht einfach weg. Man nimmt etwas davon mit.
FAZIT: Eine Liebesgeschichte, die stärker wird, je tiefer man in sie eintaucht – Dieser Roman bekommt von mir eine absolute Leseempfehlung. „Heartbeat Retreat“ ist ein Roman, der weit über sein Genre hinausreicht. Es ist eine Haters-to-Lovers Romance, ja, aber eigentlich ist es eine Geschichte über Heilung, über zweite Chancen, über Identität, über Verantwortung, über Mut. Es zeigt, dass Menschen Fehler machen dürfen. Dass Liebe an Orten entstehen kann, an denen man sie nicht sucht. Dass man auch dann Liebe verdient, wenn man glaubt, sie nicht wert zu sein. Und dass der Mensch, den man zuerst hasst, manchmal derjenige ist, der einen am stärksten berührt.
Der Stil von Aaron Coxx und Aaliyah Abendroth trägt diese Geschichte mit einer beeindruckenden Natürlichkeit. Jede Szene wirkt, als würde man sie erleben: dicht, sinnlich, manchmal schmerzhaft klar, dann wieder zart und leise vibrierend. Es ist ein Roman, der leise beginnt und laut im Herzen endet. Ein Roman, der zeigt, dass Heilung kein Ziel ist – sondern ein Weg, den man gemeinsam gehen kann, selbst wenn man ihn nicht geplant hat.
Persönliches Schlusswort: Warum dieser Roman bleibt – Dieses Buch hat mich auf eine Weise getroffen, die ich erst nach dem letzten Kapitel wirklich verstanden habe. Es ist nicht die dramatische Handlung, die bleibt, sondern das, was zwischen den Zeilen geschieht: die Entwicklung zweier Männer, die sich eigentlich hätten vernichten sollen, aber am Ende lernen, sich zu halten. Bobby-Lee und Steven stehen nicht für Perfektion, sondern für Verletzlichkeit. Für Mut. Für Fehler. Für das Eingeständnis, dass Vergebung nicht immer logisch ist, dass Liebe nicht immer bequem ist, aber vielleicht genau deshalb so unglaublich wertvoll. „Heartbeat Retreat“ ist ein Roman, der zeigt, dass Herzen brechen dürfen – und dass sie trotzdem schlagen. Manchmal sogar stärker als zuvor. Mir bleibt jetzt nur noch dir eine schöne Lesereise zu wünschen, denn dieser Roman ist ein warmes, raues, berührendes Buch; eines, das man spürt, lange nachdem man die letzte Seite umgeblättert hat.
Wieder lege ich ein sehr sehr tolles Buch beiseite und ich bin jetzt schon auf den 3. Band dieser tollen Reihe gespannt. Ja, es geht bald wieder ins Football-Stadion. Bis es soweit ist, schaue ich mal auf meinem Reader, denn dort warten noch viele tolle Bücher darauf, das ich sie lesen. Bleibt also neugierig und bis bald
