Harf Zimmermann — Brandwand

Harf Zimmermann, Bandwand #48, C-Print, 2010, 177x219 cm (© Harf Zimmermann)Brandwände mit Werbung aus Vorkriegs- und Nachkriegszeiten, notdürftigen Reparaturen, Graffiti der 1990er Jahre, zeitgenössischen Sanierungen, oder alles auf einmal. Manchmal auch von Gras und Efeu überwuchert und mit wilden Bäumen davor, so erlebt Harf Zimmermann diese Zeugnisse der Trümmerlandschaften kriegszerstörter Städte, die er seit langer Zeit fotografisch festhält und aktuell in einer Ausstellung zeigt.

Ausstellungsbeschreibung

Harf Zimmermann, 1955 in Dresden geboren und in Berlin aufgewachsen, hat noch die Trümmerlandschaften und Lückenarchitektur der Nachkriegsjahre in den für lange Zeit entstellten Städten erlebt. In der Monografie »BRAND WAND«, 2014 im Steidl Verlag erschienen, beschreibt der Fotograf auch die Brandwände in Berlin, diesem »Meer aus Ziegeln«, als »Zeugnisse der Katastrophe, des Scheiterns«. Wie sein Kollege Robert Polidori in seinem Begleittext zum Buch herausstellt, sind »diese Bilder tatsächlich das visuelle Hintergrundmotiv von Harf Zimmermanns eigener Lebensgeschichte sind. […] Harf hat am eigenen Leib die Veränderungen erlebt, die Deutschland in den letzten sechzig Jahren durchgemacht hat. Wenn man diese unbehagliche Entwicklung der Geschichte betrachtet, wird klar, dass es sich nicht um eine Geschichte beständigen Fortschritts handelt, sondern um eine Entwicklung in Brüchen und Diskontinuität, pointiert von Katastrophen«.

Seit seinem Studium an der HGB Leipzig und seiner Abschlussarbeit bei Arno Fischer »Hufelandstrasse, 1055 Berlin« (1987) fotografiert Zimmermann mit großformatigen Kameras. Über 20 Jahre hinweg war er mit seiner schweren Apparatur an Orten wie Berlin, Leipzig, Dresden oder Warschau unterwegs, auf der Suche nach den Spuren seiner eigenen Geschichte, die sich in die Mauern eingeschrieben hat: Werbung aus Vorkriegs- und Nachkriegszeiten, notdürftige Reparaturen, Graffiti der 1990er Jahre, zeitgenössische Sanierungen, oder alles auf einmal. Von Gras und Efeu überwuchert, mit wilden Bäumen davor, die irgendwann die Gebäude überragt haben, wie ein Dschungel, der sich zurückholt was ihm zusteht. Unbeachtet und unbemerkt von den meisten, dabei wirkt es manchmal sogar wie abstrakte Malerei.

»Über die langsam gewachsenen Spuren von hundert Jahren haben sich in Windeseile, praktisch wie in den letzten Minuten der Geschichte, unzählige neue Schichten gelegt. Als könnte es nicht schnell genug gehen, zu tilgen und wegzupinseln. Sprächen wir nicht über Städte, sondern über Bäume oder arktische Bohrkerne, könnte man an den obersten Ringen den Turbo-Klimawandel der letzten Jahre ablesen.« (Harf Zimmermann)

Wann und wo

Alfred-Ehrhardt-Stiftung
Auguststraße 75
10117 Berlin

21. April bis 24. Juni 2018


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