Happy end?

Ich war verzweifelt. Ivan war weg. Ich weiß, dauernd habe ich mich über Ivan aufgeregt und angedroht, ihn in die ewigen Jagdgründe zu schicken, aber jetzt, da er nicht mehr da war, fühlte ich mich schrecklich. Ich saß auf der Couch und heulte, seine Wärmflasche fest an mich gedrückt. Neben mir lag die kleine Stoffmaus, die ich ihm vor ein paar Tagen gekauft hatte, und die er trotz Gipspfoten schon zerschreddert hatte. Genau wie mein liebstes Teil von Desigual. Nachdem ich so eine Stunde in Selbstmitleid versunken war, überlegte ich noch einmal, überlegte, überlegte und überlegte, wo Ivan sein könnte… Und schließlich fiel mir nur eine plausible Erklärung ein.

Ich zog mir meine Schuhe wieder an und richtete meine Haare. Dann ging ich ein Stockwerk tiefer und klingelte. Es dauerte eine Weile, bis sich drinnen was rührte. Ich hörte Hundegebell, dann öffnete sich endlich die Tür. Ich war nicht sonderlich überrascht, Blondie vor mir zu sehen.
“Wo ist er?” fragte ich.
“Wer?” fragte sie scheinheilig.
“Frag nicht so doof. Der Kater.” Ich war ganz ruhig.
“Das ist MEIN Kater.” sagte sie zickig und wollte die Tür wieder schließen. Ich schob meinen Fuß dazwischen. Jetzt wurde ich sauer.
“Dein Romeo hat ihn mir geschenkt, weil du blöde Schlampe dich mal wieder von einem Bett ins nächste schlagen musstest, und dabei der Kater etwas hinderlich war. Und jetzt will ich ihn wiederhaben. Sofort.” schrie ich Blondie an. Sie keifte zurück: “Das ist ja wohl eine Unverschämtheit, wir lieben uns!”
“Das ist mir völlig latte, wen du zur Zeit liebst. Du kannst meinetwegen eine ganze Fußballmannschaft lieben. Auf einmal und gleichzeitig… ist jetzt auch egal, ich will jetzt endlich meinen Kater wiederhaben!”
Bei dem ganzen Rumgeschreie hätte ich das tok tok auf den Fliesen fast überhört. Das tok tok, das die Ankunft von zwei kleinen Gipspfoten ankündigte.
“Ivan!” rief ich!
“Er heißt Chichi!” rief Blondie.
“Ivan!” rief ich nochmal. Und wie zur Bestätigung kämpfte sich Ivan mühsam an Blondie vorbei und sprang auf meinen Arm. Blondie schrie auf und versuchte, Ivan von meinem Desigual-Pulli zu reißen, aber er krallte sich fest. Sie riss ihn an seinen Gipspfoten hoch und zerrte ihn von mir weg. Jetzt schrie ich auf, den Ivan jaulte ob der harschen Behandlung. Mir stiegen wieder die Tränen in die Augen. Ivan auch.
“Er war teuer, weißt du.” erklärte sie mir.
“Teuer? Was soll denn an dieser Promenadenmischung teuer gewesen sein?” blökte ich zurück. Ivan guckte jetzt etwas beleidigt. Blondie sah mich herausfordernd an. Dann verstand ich. Ich griff nach meinem Geldbeutel. Ich hatte zuvor noch Geld abgehoben, und mir eine Monatskarte fürs Yogastudio zu kaufen. Ich nahm den Hundert-Euro-Schein heraus. Ich zögerte nur kurz, dann hielt ich ihn Blondie hin. Sie grinste mich hämisch an. “Na, geht doch!” sagte sie. Dann hielt sie mir Ivan gelangweilt hin. “Nimm da Vieh. Er müffelt.” Sie zog das fein gepuderte Näschen kraus. Ivan warf sich an meinen Hals und krallte sich sicherheitshalber besonders gut fest, wie ich schmerzhaft bemerkte.
“Seine Sachen!”
“Stelle ich dir nachher vor die Tür.” Sie knallte mir die Tür vor der Nase zu.

Mir war das egal. Ich trug Ivan selig wieder die Treppe noch. In meiner Wohnung ließ er endlich von mir ab. Ich trug ihn auf die Couch und machte ihm erst einmal eine neue Wärmflasche. Er sah zufrieden aus. Nachher werde ich ihn aber mal duschen. Er müffelt.