HALB-ZEIT: Republik Zypern

Von Andreaskuehn @DE_Globetrotter

Petra tou Romiou, der mythische Geburtsort der Aphrodite, ist eine interessante geologische Felsformation an einer der schönsten Küsten Zyperns und befindet sich östlich von Paphos.


Ich schicke es gleich vorweg: Wer eine Hommage auf Zypern erwartet, braucht nicht weiter zu lesen. Mir fehlten auf der (politischen) Europa-Karte noch Island und Zypern, weshalb ich jetzt mal eine Woche lang auf der drittgrößten Mittelmeerinsel war. Ja, es gibt schöne Fleckchen dort, aber drei Tage hätten mir auch gereicht. Da ich bereits eine tief sitzende Abneigung gegen Griechenland habe, war das vorher klar. Mein Fazit: Ich muss auf diese Insel nie wieder! Was natürlich auch bedeutet, dass es anderen dort gut gefallen kann oder bereits gefallen hat. Jedem Tierchen sein Plaisierchen (sonst würden wir bei gleichem Geschmack alle einander auf den Füßen herumtreten an ein und demselben Ort)! Anreise: Larnaca International Airport und der Paphos International Airport sind die beiden großen Flughäfen des Landes. Larnaca wird regelmäßig von Berlin-Schönefeld, München, Leipzig, Hamburg, Düsseldorf, Stuttgart und Frankfurt/Main aus angeflogen. Die Flugdauer beträgt rund 3,5 Stunden. Paphos wird in der Hochsaison unter anderem von Frankfurt/Main, München, Berlin und Düsseldorf angeflogen. Direktflüge derzeit am günstigsten mit Condor (ab ca. 300 Euro).

Ein Mietwagen ist ein absolutes Muss! Die angebotenen Ausflüge sind völlig überteuert, der öffentliche Verkehr eine Katastrophe. Auf Grund des Linksverkehrs ist ein Auto mit Automatikgetriebe sehr empfehlenswert (ab ca. 160 Euro aufwärts für eine Woche in der Nebensaison).

In der Hauptstadt Nikosia die Green Line in den türkisch besetzten Teil zu passieren, kann man tun – aber auch lassen. Man verpasst nichts.

Logis: Hier scheiden sich schnell die Geister! Es hängt sehr davon ab, was man auf der Insel unternehmen möchte. Fans des Badeurlaubs am Sandstrand kommen an Ayia Napa nicht vorbei. Halbwegs schöne Strände, aber Bettenburgen. Partysüchtige könnten sich hier des Sommers wohl fühlen, Ruhesuchende eher nicht. Der Ort liegt im äußersten Südosten (dahinter kommt nur der widerrechtlich okkupierte türkische Teil der Insel), die Wege ans andere Ende der Republik sind sehr weit. Wer aufs Geld schaut, ist in der Saison dort mit all inklusive oder wenigstens Halbpension gut bedient. Wer im Umfeld von Paphos (oder im Ort selbst) eincheckt, kann mit deutlich mehr Ruhe rechnen und verkürzt seine Wege zu Sehenswürdigkeiten. Wem es lediglich auf einen „Schlafplatz“ ankommt, der ist z. B. im nahen Chlorakas gut aufgehoben. Das von uns gewählte Hotel können wir nicht weiterempfehlen: Die Sauberkeit ließ zu wünschen übrig, über das Frühstücksangebot hängen wir das Mäntelchen des Schweigens. Wer es ein wenig kommod haben möchte, sollte sich ausschließlich im 4- und 5-Sterne-Bereich umschauen, was aber dann auch seinen (leider nicht immer angemessenen) Preis hat.

Unser einzig wahres Zypern-Highlight: Das kleine Dorf Omodos. Am Fußes des Troodos-Gebirgess inmitten von Weinhängen, überragt von einem Kloster auf dem Dorfplatz des Örtchens. Aber wirklich ruhig ist es dort wohl nur jenseits des Sommers und der Ferienzeiten.

Essen & trinken: Mit der lokalen Gastronomie kommen nur eingefleischte Fans der griechischen Küche klar! Nach einigen misslungenen Versuchen haben wir uns tagsüber gern einer Pizza-Kette und diversen Asiaten zugewandt und abends im Appartement selbst gekocht. Die teuren Fleischgerichte waren eine lukullische Katastrophe, einzig der Fisch war halbwegs passabel (wenngleich völlig überteuert!). Dem Kabarettisten Dietmar Wischmeyer ist in Sachen Küche völlig zuzustimmen: „Geformter Stuhl heißt auf griechisch Bifteki.“

Ich drücke es bewusst mal vulgär aus: Für diesen Fraß 12,50 Euro zu verlangen, halte ich für eine Frechheit. (Die Hackfleischbällchen waren eher dem Bäcker als dem Fleischer zuzuordnen, der Reis war nicht einmal gesalzen und die Zwiebeln kamen wie durch ein Wunder nicht in Gänze und voller Schönheit daher.) Die Getränkepreise halte ich für komplett überzogen, eine Tasse ungenießbarer Nescafé (!) kostete nie unter 2,50 Euro.

Sehenswürdigkeiten: Kloster- und Antike-Fans kommen voll auf ihre Kosten und sind auf Zypern goldrichtig: Die Ruinen von Paphos, die zehn sogenannten Scheunendachkirchen im Troodos-Gebirges und die archäologische Ausgrabungsstätte von Chirokitia (nahe Larnaca) gehören zum Welterbe der UNESCO. Sehenswert ebenfalls: Die Ausgrabungen des antiken Kourion, der Hafen von Kerýneia, wo schon Schiffe der Byzantiner und der Venezianer gelegen haben sollen. Im Nordwesten der Insel lohnt es sich, auch mal nichtbefestigte Straßen zu befahren, um an schöne Strandabschnitte zu kommen (z. B. Lara Bay).

Kýkko ist Zyperns berühmtestes Kloster. Fernab der Zivilisation liegt es 1.140 Meter hoch einsam am Hang des gleichnamigen Bergrückens. Hinter den Mauern verbergen sich zwei Innenhöfe mit leichten Arkaden und prachtvollen Mosaiken auf Goldgrund sowie ein wie ein Palast gestaltetes Museum. Kýkko ist sowohl ein religiöses als auch ein nationales Wallfahrtsziel der griechischen Zyprioten. Erzbischof Makários, der geistige Führer der Freiheitsbewegung, wurde nahe dem Kloster bestattet. Der Rückweg nach Paphos führt an seinem Geburtsort Pano Panagia vorbei.

Wanderer kommen in den Bergen voll auf ihre Kosten. Das Wetter schlägt allerdings schnell um: Entsprechende Kleidung nicht vergessen. Wir zogen bei strahlendem Sonnenschein los – und fanden uns zwei Stunden später bei Hagel und Schneeschauern wieder!