Guy Davis - Kokomo Kidd

Zusammen mit Eric Bibb und Corey Harris gehört Guy Davis zu den Musikern, die (ähnlich wie in den 60er/70er Jahren Taj Mahal) ihre Inspiration aus dem frühen akustischen Blues holen. Als Geschichtenerzähler ist der Songwriter und Schauspieler allerdings meist in der aktuellen Gegenwart. Und genau das macht sein aktuelles Album „Kokomo Kidd“ zu einer wirklichen Kostbarkeit. Guy Davis - Kokomo Kidd

Es ist möglich Klassiker wirklich so umkrempeln, dass man sie wie zum ersten Mal hört. Wenn Guy Davis gemeinsam mit Charlie Musselwhite „Little Red Rooster“ spielt, dann ist das keine Salonstück, mit dem ein Harpspieler nur seine Meisterschaft präsentiert. Nein, hier fühlt man sich wirklich auf diesen schwülen Bauernhof versetzt, wo alle, selbst der Hahn wegen der Hitze faul werden. Selbst das Krähen beim Tagesanbruch wäre dann schon der Anstrengung zu viel.

Bei einem Storyteller vom Range eines Guy Davis die Rezension ausgerechnet mit einem Cover zu beginnen, mag nicht die schlaueste Idee zu sein. Doch Songs wie dieser führen einen schön ein in die Atmosphäre eines tollen Bluesalbums.

Und das beginnt eigentlich mit dem Titelsong – und der ist musikalisch eine echte Überraschung. Für den Groove sorgen Banjo und Tuba – eigentlich eher dem Urjazz zu zuordnende Kombination. Und Davis rappt seine Bluesgeschichte über einen legendären oder hervorragend erfundenen Farbigen, der Washingtoner Politiker während der Prohibition mit Alkohol und später mit allem möglichen von Drogen bis hin zu gehackten Telefonanschlüssen versorgt hat. Eine fantastische, fast filmreiche Geschichte!

Auch andere Songs von Missbrauchten Frauen, die sich verzweifelt nach Liebe sehnen bis zu persönlichen Geschichten lassen vor dem Auge direkt Filme entstehen: Davis kann erzählen, er schafft es, dass wir uns in die Protagonisten einfühlen können, mit ihnen leiden und lachen können. Und dann ist da noch der persönlichste und bewegendste Song des Albums: „Wish I Hadn’t Stayed Away So Long“ schrieb er nach dem Tod seiner Mutter und seines langjährigen Mentors Pete Seeger. Ganz im Duktus des klassischen Folksongs singt er von seinem Bedauern, durch seinen Job so wichtige Momente im Leben verpasst zu haben. Eine einfache Melodie, ein Banjo, ein Kontrabass – und erst spät wird Davis von Backgroundsängerinnen unterstützt, die den Schmerz lindern helfen.

Neben Willie Dixons „Little Red Rooster“ hat sich Davis für „Kokomo Kidd“ auch noch weitere Klassiker zum Nachspielen gesucht: „Lay Lady Lay“ von Bob Dylan und „Wear Your Love Like Heaven“ von Donovan sorgen für ein wenig Folkrock (Dylan) und Reggae (Donovan) auf einem ansonsten ganz im Blues beheimateten Album.

Unbedingt hörenswert!


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