Gut gegen Nordwind von Daniel Glattauer


Kurzinformation:

Preis: 7,95 Euro
  • Taschenbuch: 224 Seiten
  • Verlag:Goldmann; Auflage: 16. Aufl. (Juli 2008)

Gut gegen Nordwind von Daniel Glattauer
Die Handlung:

Eigentlich will Emmi nur ihr Zeitschriftenabo bei "Like" kündigen, doch durch einen Tippfehler landet ihre Mail bei Leo Leike. Nach anfänglicher Distanz, entsteht ein Briefwechsel und Dialog, der zwei völlig Fremde durch ihre immer mehr wachsende Vertrautheit an sich bindet und sie schließlich auch nicht mehr loslässt...


Meine Meinung:

Eigentlich hatte ich ja vor, nur einmal einen ganz kurzen Blick in dieses Buch hinein zu werfen, um meine Neugierde zu stillen und zu schauen, wie der Schreibstil auf mich wirkt. Man muss nämlich bedenken, dass ich es einfach mal so aus Neugierde gekauft habe, ohne einmal genau den Klappentext zu lesen, weil es ein Mängelexemplar war und ich nur ein einziges Mal darüber auf einem Blog gelesen hatte (und das war nicht einmal eine Rezension) und ich einfach mal überrascht werden wollte (was diesem Buch auch reichlich gelungen ist!)

So schlug ich also unwissend darüber, was mich gleich erwartet, die erste Seite auf und blätterte weiter bis zum ersten Kapitel... und stutzte. Die Geschichte wurde mit einer E-Mail eingeleitet. Ich las sie durch und unten angekommen, schlug ich die Seite um und... schon wieder eine E-Mail! Langsam dämmerte es mir und ich blätterte durch das ganze Buch durch. Und tatsächlich! Die ganze Geschichte war in den gegenseitigen Nachrichten zwischen Emmi und Leo verpackt!

Diese Idee des Autors ist schlicht und ergreifend genial! Sie macht jeden Leser stutzig und neugierig zugleich.

Ich war gespannt auf die Umsetzung und wurde zum Glück nicht enttäuscht.
Es gibt weder einen Erzähler, noch eine wirkliche Ich-Person, sondern zwei Personen, die ein Gespräch führen, das sich einfach mal über 200 Seiten erstreckt.
Der Autor hat dementsprechend keinen eigenen Schreibstil, der auffällig sein könnte, sondern es sind vielmehr Emmis und Leos Schreib- und Ausdrucksweisen, die den Leser das Gefühl der Verbundenheit geben und sie plastischer wirken lassen. Sie verhalten sich wie ganz normale Personen mit Fehlern und Schwächen und das macht sie beide umso sympathischer.

Auf der einen Seite seines Rechners sitzt Leo, dessen Nachrichten eher förmlich und zurückhaltend sind, und auf der anderen Emmi, die immer einfach mal drauflos schreibt ohne ihre Gedanken vorher zu ordnen, die sie noch mit Sarkasmus und Ironie unterstreicht. Dies bleibt dabei aber trotzdem noch an der Grenze des Förmlichen. Ihre E-Mails spiegeln ihren Charaktere wider, ohne, dass man je eine wirkliche Beschreibung davon zu lesen bekommt. Das ist einfach unglaublich geschickt gemacht worden!

Anfangs ist es diese Unverbindlichkeit mit der beide kommunizieren, doch schon bald entsteht eine immer tiefer gehende Verbindung zwischen den beiden. Auch die Beziehung zwischen Leser und Protagonisten ist hier einzigartig. Es passiert nur sehr selten, dass man sich so stark in einen Charakter hineinversetzen kann. Dies war so ein Moment. Da man auch nicht viel mehr über das Leben des anderen weiß, kann man sich gut in den jeweiligen E-Mail-Partner hineindenken und kann die Handlungsstränge und Beweggründe besser nachvollziehen. Diese Bindung wird parallel zu der der Protagonisten immer stärker und entwickelt sich weiter, je mehr sie miteinander schreiben. Dies macht diese Charaktere so realistisch und handfest!

Ein weiterer Grund für mein Verlangen, immer weiter zu lesen und gar nicht mehr aufhören zu KÖNNEN, ist, dieser große Sog in diese einzigartige Geschichte. Und das hat eher einen psychologischen Hintergrund. Denn als Leser denkt man sich unentwegt bei diesem Buch nur folgendes, wenn man eigentlich schon schlafen sollte: Nur noch diese E-Mail, dann ist aber Schluss für heute!

Doch leider ist dem nicht so. Da die Mails alle recht kurz sind (es gibt lediglich nur ein paar Ausnahmen), wiederholt sich der Gedanke bei jedem Mal und ehe man es sich versieht, hat man die Hälfte des Buches durch, obwohl man doch "nur noch diese eine Nachricht" lesen wollte (47 Seiten vorher...). 

Auch gibt es keine großen und ausschweifenden Beschreibungen, weshalb die Geschichte aufgelockert ist und einen immer mehr vorantreibt, weiterzulesen und sich nicht zu langweilen. Es passiert einfach so viel auf diesen wenigen Seiten, aber gleichzeitig sehr wenig, was einen fasziniert zurücklässt!

Mit jeder Seite deckt man gleichzeitig auch einen Charakterzug der Person auf und man sich somit ihnen als Leser Schritt für Schritt nähert. Die Überraschung war groß, als ich dann am Ende des Buches angelangt war, und erstaunt feststellen musste, dass ich ja fast gar keine Informationen über Emmi und Leo wusste. Keine Hintergrundgeschichte, Wendepunkte im Leben, die sie zu dem gemacht haben, wer sie heute sind oder auch Schicksalsschläge. Diese Dinge werden in "normalen" Büchern eigentlich auf den ersten 50 Seiten geklärt, damit der Leser einen groben Überblick über den Protagonisten hat. Nicht hier. Hier tappt man im Dunkeln, und weiß nicht mehr, als der andere, der die Nachricht bekommt. So tappt man bis zur letzten Seite im Ungewissen. Dadurch entsteht eine sehr viel größere Bindung zu den Charakteren als in anderen Büchern, die man sonst so liest.

Durch dieses ständige Unwissen wird auch die Spannung beim Leser hochgekurbelt. Besonders zum Ende hin gab es für mich nur eine Frage, die hier jetzt aber gespoilert wäre. Vielleicht hat sie sich ja der ein oder andere von euch, der das Buch schon gelesen hat, auch schon gestellt?

Leider gibt es ab der Hälfte der Geschichte eine Wendung. Der Fluss an Abwechslung, der einen so mitreißen konnte, wird zu einem Bächlein. Der Sturm an Handlung, der einen zum Weiterlesen animiert hat, wird zu einem lauen Lüftchen und auch der Berg an Ideen und Einfallsreichtum schrumpft zu einem Häufchen zusammen. Ab dieser Stelle macht auch die Spannung Höhen und Tiefen durch (wobei die Tiefen überwiegen). Emmi und Leo erkennen, dass ihnen der Gesprächsstoff ausgegangen ist und haben sich nichts mehr zu sagen. Umso froher war ich dann aber, als es dann wieder bergauf ging und diese Stelle endlich vorbei war. Wenig später kommt nämlich noch eine überraschende Wendung, die mich...tja, wie soll ich es anders ausdrücken...überraschte.

Auch vom Ende war ich enttäuscht und habe mich auch ein bisschen darüber geärgert. Die Spannung ist gerade so schön am Köcheln, die Situation spitzt sich zusammen, man hält den Atem an,... und dann.

Ja, genau so überrascht, wie ihr gerade über meinen Punkt mitten im Satz wart, war ich über das Ende. Es war so abgeschnitten. So lieblos. Als ob der Autor einfach keine Lust mehr gehabt hätte und einfach mal einen Punkt als Abschluss gesetzt hat... So böse! Als ob er einen absichtlich quälen wollte. Was? Du willst noch weiterlesen? Tja, ätsch, kauf dir das nächste Buch und da hast du dann deine Fortsetzung. Ich nehme dir jetzt meine beiden Charaktere weg, die du so sehr in dein Herz geschlossen hast und höre jetzt einfach auf. Was, du findest das ungerecht? Pech gehabt.
Böser Autor, BÖSER Autor, BÖSER AUTOR!


Kurz & Knapp:

Gut gegen Nordwind von Daniel Glattauer


Aufbau & Gestaltung:
Wie schon gesagt, ist das Buch in E-Mails aufgeteilt. Das Cover ist eigentlich eher hässlich, obwohl es auch wiederum ganz passend ist. Man erhält außerdem mit jeder E-Mail einen Überblick darüber, wann diese abgeschickt wurde und mit welchem Betreff, was den Effekt noch mehr verstärkt hat.


Fazit:

Ein tolles und einzigartiges Buch, das mit seiner Idee einen so sehr an die Hauptprotagonisten bindet, dass man das Fehlen der Nebencharaktere gar nicht mehr besonders wahrnimmt. Man erfährt einfach ganz andere Dinge, die in anderen Büchern nur am Rande erwähnt werden. Die wirklichen Fakten bleiben dem Leser bis zum Schluss hin verborgen und werden teilweise auch dann nicht freigegeben. Es bleibt nur zu hoffen, dass der 2. Band all diese Fragen klären wird und mich nicht im Stich lassen wird, von so einem tollen Buch, so arg getäuscht worden zu sein...

Wie ihr sehen könnt, habe ich die meiste Zeit meine Rezension mit der Auseinandersetzung mit den beiden Hauptprotagonisten verbracht. Das liegt daran, dass diese auch im Buch im Fokus stehen und alles andere quasi einfach als Kulisse aufgebaut wurde. Es ist IHRE Geschichte, über die SIE bestimmen, was sie preisgeben und was nicht.
Gut gegen Nordwind von Daniel Glattauer

5/5 Daumen hoch


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