Großes Solo für Anton

Von Sabienes @sabienes

Gemäß dem Motto von Fellmonsterchen für die dieswöchentliche Etappe bei 52 Bücher geht es heute um:

Weltuntergang oder mach doch, was du willst.

Deswegen möchte ich euch das Buch “Großes Solo für Anton” von Herbert Rosendorfer vorstellen.

Inhalt

Anton ist ein typischer Loser und Quartalswäscher. Zudem leidet er regelmäßig an einer Sonnengeflechtsschwellung und an unsichtbaren Ausschlägen unter der Haut. Er wohnt zur Untermiete in München und arbeitet als kleiner Finanzbeamter ohne große Ambitionen.
Eines Morgens wacht er auf und stellt fest, dass er plötzlich der einzige Mensch auf der ganzen Welt ist. Seine Vermieter sind verschwunden, ebenso die Nachbarn. Die gesamte Münchner Innenstadt ist ausgestorben, sowie auch seine Kollegen im Finanzamt München. Geblieben sind lediglich die Tiere.
Was in der Nacht passiert ist, weiß er nicht. Er kann sich lediglich erinnern, von einem hellen, gleißenden Licht kurz geweckt worden zu sein. Aber warum ausgerechnet er als einziger Mensch diese – scheinbare – Katastrophe überlebt hat, ist unbegreiflich.
Als erstes macht er wirklich, was er will und plündert ein bisschen die Geschäfte. Außerdem freut er sich, dass ihn keiner mehr nervt und seine seltsamen körperlichen Beschwerden sich bessern. Selbst die Sonnengeflechtsschwellung tritt nicht mehr auf.
Im Laufe der menschenlosen Wochen erobert sich die Natur die Stadt wieder zurück und hin und wieder explodieren am Stadtrand von München ein paar Gasometer oder Fabriken.
Anton schließt inzwischen Freundschaft mit der Bronzefigur des Kurfürsten. Und wird zu Gott.

Meine Meinung

Das Schöne an diesem Buch ist die Sprache Rosendorfers, die manchmal so geschmeidig ist, dass einem der Inhalt fast egal sein könnte. Die Skurilität der Personen ist mehr als bemerkenswert, sei es nun Anton selber oder der echt widerliche Vermieter, wenn er morgens das Klo vollstinkt – alle leicht überzeichnet, aber immer mit einem Augenzwinkern karikiert.
Ungefähr die Hälfte des Buches wird in Rückblenden aus der Zeit erzählt, in der Anton noch von Menschen umgeben waren. Und obwohl er sich in deren Gesellschaft nie so richtig wohlgefühlt zu haben scheint, beginnt er sie irgendwie zu vermissen.
Ansonsten wird man das Gefühl einer beklemmenden Einsamkeit nicht los, die durch die Freiheit, dass zu tun und zu lassen, was man will, nicht aufgehoben wird.

Gerade zum Ende hin hat mich das Buch wirklich sehr betroffen gemacht und ich möchte nicht als moderner, Münchner Robinson an Antons Stelle sein.
Selbst wenn sich dadurch meine Sonnengeflechtsschwellung bessern würde.

Bibliographisches

  • Titel: Großes Solo für Anton
  • Autor: Herbert Rosendorfer
  • Umfang: 352 Seiten
  • Verlag: Diogenes Verlag; Auflage: 15., Aufl. (1982)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3257203292
  • Preis: 10,90 Euro

 Text: Großes Solo für Anton ©Sabienes