Gotthard Schuh — L’ultima Venezia

Gotthard Schuh — L'ultima Venezia (Foto: © Gotthard Schuh / Fotostiftung Schweiz)Gotthard Schuh (1897-1969) begann seinen künstle­rischen Werde­gang zunächst als Maler und arbeitete später vor allem als Foto­graf. Als Foto­reporter für ver­schiedene Zeitungen war er in der ganzen Welt unter­wegs. Eine Aus­stellung in der Galerie 94 zeigt aktuell Foto­grafien Schuhs aus Venedig. Im Fluss der Bilder lassen sich Bewegung, Stimmen und Geräusche einer pulsie­renden Welt wahrnehmen.

Ausstellungsbeschreibung

Die Fotografien von Gotthard Schuh

Im Fluss der Bilder wird ein aufmerksamer Betrachter sofort die Bewegung, Stimmen und Geräusche von einer pulsierenden Welt, das Licht der Campi, in den Reflexionen der Kanäle, die Schatten in den langen Gassen, auf den gegenüberliegenden Privathäusern, Geschäfte, Büros, Werkstätten und Osterien, wahrnehmen. Diese Bilder des grossen Schweizer Fotografen sind in der Lage, durch ihr überraschendes Verständnis des Ortes, ein Gefühl für die Vermittlung des unaufhörlichen Begegnens und der Anerkennung. Die Bilder entstanden überall zu Fuss oder fast ausschliesslich mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Calli, Geschäfte, Campi und Kanäle bilden somit ein Ganzes, in dem man immer ein Gefühl der Zugehörigkeit hat. Schuh’s Bilder bestätigen, dass die Stadt Sinnbild für eine Art des Lebens und einer Beziehung ist, das in vieler Hinsicht als einzigartig betrachtet werden kann, und nebst dem unmittelbar verbundenen städtischen, auch die historischen und kulturellen Besonderheiten von Venedig aufzeigt.

Das letzte Venedig?

Es gibt viele „letzte Venedige“: prekär auf Wasser gebaut, die Stadt scheint in regelmässigen Abständen bestimmt zu verschwinden. Aber Venedig hat Dutzende Male gezeigt, dass es in der Lage ist, die überlebenden verderblichsten Tragödien und die Verwandlung zu überleben. Unser Versprechen ist, dass in der Mitte der grossen Veränderungen, die unser Zeitalter charakterisieren, Venedig sich erweist, wiederum in der Lage ist, sich zu verändern, ohne jedoch seine aussergewöhnlichen Magie zu verlieren, die sie so stark gemacht hat, geliebt und gefeiert im Laufe der Jahrhunderte. Unsere Hoffnung ist, dass Schuh’s Fotos uns es ermöglichen, wieder etwas von dieser Magie zu entdecken, so dass wir sicherstellen, es nicht ganz zu verlieren.

Werdegang

Gotthard Schuh kam am 22.12.1897 in Berlin als Sohn von Schweizer Eltern zur Welt. Die Familie lebte ab 1900 zunächst in Basel und ab 1902 in Aarau, wo Gotthard Schuh seine Jugend verbrachte. An der Kantonsschule begann er um 1914 zu malen. 1916 besuchte er die Gewerbeschule in Basel. Von 1917 bis 1918 absolvierte er die Rekruten-, Unteroffiziers- und Offiziersschule und leistete Aktivdienst. 1919 richtete Gotthard Schuh ein eigenes Atelier in Basel ein. Vom Herbst 1919 bis in den Frühling 1920 war er in Genf tätig. Nach einer Italienreise liess er sich im selben Jahr als Kunstmaler in München nieder, wo er 1922 zum ersten Mal seine Bilder ausstellte. 1926 kehrte er in die Schweiz zurück, wo er für kurze Zeit die Berner Filiale des St. Galler Fotohauses Hausammann leitete. 1927 heiratete er Marga Zürcher und das Paar liess sich in Zürich nieder. In diesen Jahren, in denen Gotthard Schuh wiederholt mit Schaffenskrisen als Maler zu kämpfen hatte, begann er sich mit Fotografie zu beschäftigen.

1929 bereiste er erneut Italien und wandte sich verstärkt der Fotografie zu. Nebst seinen Gemälden und Radierungen stellte er nun auch Fotografien aus. 1931 publizierte er zum ersten Mal Bildberichte in der «Zürcher Illustrierten», für die er von da an regelmässig als Fotoreporter arbeitete. 1932 zeigte Gotthard Schuh zum letzten Mal in einer Ausstellung seine gemalten Werke. Er hielt sich in diesem Jahr in Paris auf, wo er Kontakte zur künstlerischen Avantgarde pflegte und unter anderem Picasso, Braque und Léger auch für die «ZI» fotografierte. 1933 zogen Gotthard und Marga Schuh in ein Atelierhaus in Zollikon, welches sie von Elsa Burckhardt-Blum hatten bauen lassen. 1934 kam der gemeinsame Sohn Kaspar zur Welt. Als Reporter publizierte Gotthard Schuh in den 1930er Jahren zahlreiche Bildberichte in der «ZI» sowie im «Föhn» und in ausländischen Zeitschriften, wie «Vu» oder der «Berliner Illustrierten Zeitung». Ebenfalls in den 1930er Jahren zeigten sich bei Gotthard Schuh erste Anzeichen von multipler Sklerose.

1938/39 unternahm Gotthard Schuh eine elfmonatige Reise nach Singapur, Java, Sumatra und Bali. Nach der Rückkehr 1939 trennten sich Gotthard und Marga Schuh. Im gleichen Jahr übernahm Gotthard Schuh die Bildgestaltung für das Erinnerungsbuch der Landesausstellung in Zürich.

Angeregt durch Heiri Steiner, verarbeitete Gotthard Schuh seine Reiseeindrücke im Bildband «Inseln der Götter», erschienen 1941. Seine zukünftige Frau Annamarie Custer unterstützte ihn dabei. Im gleichen Jahr wurde Gotthard Schuh erster Bildredaktor der «Neuen Zürcher Zeitung». Zusammen mit Edwin Arnet gründete er dort die Beilage «Das Wochenende», in der zahlreiche Bildberichte erscheinen sollten. Zudem arbeitete er regelmässig für die Zeitschrift «Du». 1944 heiratete Gotthard Schuh Annamarie Custer. 1945 kam die Tochter Claudia und 1947 die Tochter Sibilla zur Welt.

Nach Kriegsende unternahm Gotthard Schuh zahlreiche Reportagereisen in Europa, nach Frankreich, Italien, Sizilien und Deutschland sowie nach Nordafrika. 1950 gründete er gemeinsam mit Werner Bischof, Paul Senn, Jakob Tuggener und Walter Läubli das «Kollegium Schweizerischer Photographen». 1951 stellte die Gruppe erstmals im Helmhaus in Zürich aus. In den 1950er Jahren folgten Reisen nach Sizilien, Ägypten und Algerien. Gotthard Schuh publizierte zudem zahlreiche Bücher. Nicht zuletzt wegen seiner Krankheit zog er sich mehr und mehr von der Reportertätigkeit zurück. 1960 trat er aus der Redaktion der «NZZ» aus. Anfang der 1960er Jahre begann Gotthard Schuh erneut zu malen. Zudem arbeitete er an seinem Archiv sowie an der Aufzeichnung seiner Erinnerungen. Nach einem Oberschenkelbruch Mitte Juni 1969 verschlechterte sich sein Zustand und er starb am 29. Dezember 1969.

Wann und wo

Galerie 94
Bruggerstraße 37
CH-5400 Baden

23. Oktober bis 4. Dezember 2016


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