Godzilla 2014: Wie man die Geduld verliert

Da sich ja eh niemand für die Europawahl interessiert: Es gibt ja genügend andere langweilige, gehirnzerstörende Dinge da draussen. Und da Sie sich vier Jahre lang vor Merkel haben warnen lassen und sie dann trotzdem wiedergewählt haben, versuchen wir mal was anderes:

Ich warne Sie davor, Geld an der Kinokasse zu verlieren. Und wenn der Trailer noch so gut aussieht.

godzilla 2014

Dieses Foto ist ein gutes Beispiel aus dieses Trailern: Über die visuellen Qualitäten dieses Monsterstreifens ist viel geschrieben worden. Und jetzt bewegen Sie den Kopf mal heftig hin her, auf und ab.

Ok, Sie können jetzt aufhören. Sie haben gerade den Film gesehen. Kaum zu identifizierende Körperteile inmitten von Rauchwolken und Feuer, verzerrt mit der wackeligsten Shaky-Cam aller Zeiten, ist so ziemlich alles, was Sie von Godzilla sehen werden. Nun gut: 123 Minuten feinste Zerstörung mithilfe feinster CGI, das hat uns auch bei "Pazific Rim" an dem monströs schlechten Plot vorbeigeholfen. Das Problem ist nur, dass gut 100 Minuten davon für Handlung reserviert ist, die weder Zerstörung noch CGI enthält. Wenn man mal von der Zerstörung von Gehirnzellen absieht. Und der Tatsache, dass irgendein computergesteuertes Zufallsprogramm die Story entworfen hat.

Eine der ersten faszinierenden Tatsachen, die Sie lernen werden, ist, dass in Japan zwar auch Japaner leben, aber Führungspositionen, angefangen z.B. in japanischen Kernkraftwerken, ausschließlich weissen Amerikanern zugedacht sind. Japaner sind gut darin, wild umherzulaufen und in radioaktiven Gaswolken zu sterben, aber damit hat es sich dann auch. So gesehen eine nette Geste, denn die Dialoge, welche sich Bryan Cranston, und Aaron Taylor-Johnson an den Kopf werfen, sind bestenfalls schnell vergessen oder schreddern einem beide Gehirnhälften. Natürlich haben auch Frauen hier das Nachsehen und dürfen in Gestalt der zielgruppengerecht ausgewählten Elisabeth Olson zu Hause sitzen und am Fernseher mitverfolgen, wie der Mann die Welt rettet.

Der fährt nach Japan, weil sein Vater in einer radiaktiv verseuchten Zone aufgegriffen wurde, der Ort, an dem zu Beginn das eingangs erwähnte Kraftwerk in sich zusammenbrach - 15 Jahre ist das her. Und, was auch sonst, natürlich macht er sich mit Daddy auf, zurück in diese Version von Tschernobyl, weil Daddy nicht näher definierte Messdaten hat, die darauf hinweisen, dass sich wiederholt, was da vor 15 Jahren passiert ist. Er, und sonst niemand in Japan. Scheinbar fehlt das amerikanische Spitzenpersonal. Dabei haben die Japaner, oh moment, nein, ein Japaner und ein Team aus weissen Amerikanern, im Herzen des Unglücks eine massive Operation am Laufen, und als Daddy und sein Soldaten-Sohn einmal mehr in der verbotenen Zone aufgegriffen werden, werden sie wohin gebracht? Aus der Zone raus?

Natürlich nicht. Nein, sie bringen zwei fremde Amerikaner, von denen einer mit Verschwörungstheorien um sich wirft und behauptet, er hätte hier früher mal gearbeitet, mitten in das Herz ihrer geheimnsten, verborgensten Forschungsstation. Macht Sinn, nicht wahr? Und in 15 Jahren haben die auch nicht mehr rausgefunden als der hysterische Mann mit seinen nicht näher definierten Messdaten, obwohl sie den riesigen Koloss direkt vor Augen hatten, scheinbar zu einer undefinierbaren schwarzen Masse erstarrt, die von einem rhytmischen Leuchten durchzuckt wird.

Verrate ich zuviel, wenn ich sage, was sich hinter diesem schwarzen Etwas befindet? Nun, was immer es ist, es mag die Sonne nicht. Selbiges gilt für den Drehbuchautor, denn ab jetzt werden Sie kein Tageslicht mehr sehen. Sie erinnern sich an unsere Übung vorhin? Genau, ordentlich mit dem Kopf wackeln und dabei die Augen halb zusammenkneifen. Super CGI, was? Zumindest so sehr viel billiger. Sie werden ähnliche Beleuchtung bei Computerspielen feststellen, die ihre prachtvolle Grafik vor den Augen von Menschen verstecken wollen, die ohne Dämmerlicht rasch miese Texturen und hakelige Animationen entdecken würden, und ja, Nebel und Verwischungseffekte sind auch immer gern genommen. Ich will nichts unterstellen. Ich habe keinen Zweifel, dass Godzilla auch bei Tageslicht ohne Rauch und mit steter Kameraführung super aussioeht.

Nur ist das schwarze Ding aber vielleicht gar nicht Godzilla:DD

Und für den Fall, dass Sie das doch sehen wollen, lassen Sie mich nur soviel spoilern: Es lebt von Radioaktivität! Deswegen Kernkraftwerk. Normalerweise kauert es dafür am Grund des Meeres, weil, Zitat: Es von der Radiaktivität aus dem Erdinnern lebt. Jajaja. Das wären dann immerhin nur noch 2990 km bis zum Kern, nicht mehr 3000. Also, da, wo es wirklich tief ist.
Was macht also so ein Ding, nennen wir es Ding, das vielleicht Godzilla ist, wenn es aufwacht, und es ist hungrig, nach Radioaktivität...?

Hey, es ist Japan. Japan ist voller Kernkraftwerke. Also...?

12

Geht es nach Honululu. Ist doch klar.

Und wen nehmen die Forscher da mit hin? Von allen Leuten?

Klar. Daddy und seinen Soldatensohn. Weil: Daddy weiß Bescheid. Daddy stirbt auf dem Weg, also bleibt nur noch der Sohn, der ihn seit sechs Jahren nicht gesehen hat, aber der ist auch wichtig. Weil.... Zielgruppe, mann! Scheinbar haben sie mich vergessen, als sie den Cast zusammengestellt haben, denn keine 10 Minuten später war ich raus, und das, obwohl da dann die Action anfing. Wir haben das schon simuliert, giessen Sie jetzt einfach noch Wasser drauf, also Kopf schütteln, Augen zumachen... ab und zu unterbrochen vom Soldaten-Sohn, der in einer der absurdesten U-Straßen-Magnetbahnen über die Insel fährt, die man je gesehen hat. Mit irgendeinem fremden Kind, dass er aufgegabelt hat, fragen Sie nicht, aber das Kind hat mich dazu gebracht, dem Film zu entsagen, und dass nicht nur, weil es da, ausgerechnet auf Honolulu, dann plötzlich doch noch ein weiterer Japaner in den Cast schafft.

Godzilla war schon immer Trash, aber Trash allein reicht nicht für einen Godzilla-Film aus. Ich fand das Original schon mit 8 Jahren reichlich schräg, aber wie bei sovielen Dingen lerne ich täglich neu: Auch Kino ist ein Abgrund, dessen Boden wir nie erreichen werden, denn er hat keinen.

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