Glitzernde Bergseen, verschneite Gipfel – Die Tatra in Polen

Vor einigen Wochen hat ein Freund mir vom Tatra erzählt, einem Hochgebirgszug im südlichen Polen. Eines der schönsten Reiseziele im südlichen Europa und perfekt für eine mehrtägige Wanderung hieß es. Also gut dachte ich, bin sowieso schon länger nicht mehr rausgekommen und sonst lässt er ja nie locker. Etwas frische Bergluft und ein paar Tage im Freien werden dir mal wieder gut tun. Zumal war ich noch nie in Polen und möchte mir ein eigenes Bild von dem Land und den Leuten machen. Bisher war Polen in meinem Kopf immer ein wenig undefiniert – wenig Kilschees oder Geschichten, die ich erzählen könnte. Naja, am nächsten Wochenende saßen wir beide im Auto und es ging Richtung Südost nach Krakau. Tipp: Passt auf mit den polnischen Schulferien – an den paar Mautstationen auf den polnischen Autobahnen bilden sich dann Staus mit Wartezeiten von 30 Minuten (obwohl die Maut nur ca. 2 Euro kostet).

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Nach längerer Autofahrt erreichen wir trotzdem unser Reiseziel. Zakopane, am Fuß der Tatra-Berge, bildet das Basislager für alle Wander- und Vergnügensuchenden im Tatra. Das kleine Zakopane mit fast 30.000 Einwohnern ist ein perfekt ausgestatteter Touristenort, der alles bietet was das Urlauberherz begehrt. Hotels und Zimmervermietungen (auf polnisch: Pokoje!), typisch polnische Restaurants neben den großen fast-food Ketten und Einkaufsmöglichkeiten von Outdoor bis High-Fashion. Zur letzten großen Stärkung gehen wir in die Fußgängerzone und essen Pierugis. Ähnlich wie Maultaschen sind Pierugis gefüllte Teigtaschen, die häufig mit gebratenen Zwiebeln und sour cream serviert werden. Die Füllung variiert von Hüttenkäse, Spinat bis zu verschiedenen Fleischsorten und schmeckt mit einem frisch gezapften polnischen Bier einfach super!

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Als einziger Hochgebirgszug in Polen ist er im Land der beste Anlaufpunkt für größere Wanderungen in den Bergen. Von Zakopane aus fahren Bus-Shuttles für kleines Geld (1 – 2 €) an alle Startpunkte der Wanderouten, von wo eine lückenlose Beschilderung die Wege perfekt ausweist. Auf jedem Schild ist eine Zeit angegeben, die eine abgeschätzte Wanderdauer des Routenabschnitts angibt. Die Zeit ist prima schaffbar und lässt manchmal sogar noch Freiräume für kleinere Pausen.

1.Tag

Unsere erste Zieletappe geht zur Berspitze ‚Koppa Kondracka‘, auf dem Bergkamm der Polen und die Slowakai von einander trennen. (Eine Wanderkarte findet Ihr hier: http://www.discoverzakopane.com/tatramap.html, ich empfehle aber vor Ort noch eine Karte mit Auflösung von 1:25000 zu kaufen. Kostenpunkt: ca. 1 Euro). Zum Zufall fällt unser Besuch genau auf die Zeit der polnischen Schulferien, weshalb der Weg gefüllt mit Jugendgruppen und Familienreisenden ist. Unsere Mehrtagesrucksäcke machen uns beim Aufstieg zu schaffen und wir lassen willig unsere jugendlichen Verfolger an uns vorbei ziehen. Etwas Anstrengung später schaffen wir es doch und erreichen unseren ersten Gipfel und werden mit dem Blick auf die slowakische Seite der Berge belohnt.

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Polen und die Slowakai verfolgen dabei zwei ganz unterschiedliche Strategien in der Verwaltung der Berge. Während Polen sie intensiv als Urlaubsort nutzt, versucht die Slowakai alles daran zu legen, möglichst viele Besucher davon abzuschrecken einen Ausflug in diese Berge zu machen. So sind die vereinzelten Wege in der Slowakai weniger gepflegt und auch mögliche Rettungsaktionen der Bergwacht müssen vom Urlauber selber bezahlt werden. Wir bleiben auf der polnischen Seite und geniessen lieber den menschenfreien Blick auf die slowakische Seite.

Für unsere mehrtages Wanderung entschliessen wir uns in den Unterkünften mitten in den Bergen zu übernachten. Fünf Hütten bieten mit einem ‚Restaurant‘ und hygienischen Einrichtungen ein lohnendes Ziel einer Tageswanderung und ersparen uns den täglichen Rückweg nach Zakopane. Dabei ganz wichtig: Schlafsack und Isomatte nicht vergessen! Denn das Berggesetz schreibt den Hüttenwärten vor alle Reisenden aufzunehmen und wenn es nur ein Schlafplatz auf dem Flur oder dem Katinenboden ist. Zu unserem Glück kriegen wir noch eine Matratze auf dem Dachboden (hatten gegen 14:00 Uhr am Tag gebucht, knapp!) und sehen abends wie sich duzende Wandergesellen ihr Schlafplätze verstreut im ganzen Haus einrichten. Vorsicht also beim nächtlichen Klogang, man will ja auf niemanden drauf treten :)

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Aufgepasst: Die Hütte bei Murowaniec bildet eine Ausnahme! Hier wird niemand einfach so aufgenommen, auch nicht im Winter! Deshalb empfehle ich die Hütte im Tal der 5 Seen. Das ist der beste Ausgangspunkt für alle Touren im südöstlichen Teil des Gebirges und die Wege sind größten Teils frei von Tagestouristen.

2. Tag

Es geht über alte Eisfelder, steil am Berghang hoch zum Szpiglasowy Wierch. Der ursprüngliche Aufstieg auf den höchsten Berg im Tatra Gebirge, dem Rysy (2499m) ist wegen des Restschnees vom Winter ohne Steigeisen nicht möglich. Die einzige Passage in den slowakischen Teil ist damit auch versperrt. Auf dem Weg zum Szpiglasowy Wierch bietet sich trotzdem ein wunderbarer Blick über das Tal der 5 Seen. Dieses Tal ist paradiesisch und mein absoluter Höhepunkt auf dieser Wanderung. Um ganz nach oben zu kommen, müssen wir uns an, der Felswand befestigten, Ketten empor ziehen. Eine nette Abwechslung zum Wanderalltag und zudem nicht zu schwierig oder gefährlich.

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Auf dem Gipfel angekommen können wir zu allen Seiten im sonnenlicht glitzernde Bergseen sehen. So schön hat sich selten ein Gebirge präsentiert, ich kann die Kamera nur schwer aus der Hand legen. Die Luft ist wunderbar frisch und wir planen unsere nächsten Schritte an diesem Tag. Nach einem Schluck Wasser und einem Müsli Riegel gehen wir runter zum Morskie Oko, wo wir uns eine Stärkung kaufen können. Die Preise der Berghütten sind niedrig und auf polnischem Standard, klasse!

Unser eigentlicher Plan hier zu übernachten wird dadurch zerschlagen, dass so eine ungeheure Menge an Tagestouristen dort ihren Feriensnack isst, und wir uns doch lieber für die ‚Einsamkeit‘ entscheiden und zurück zum Tal der 5 Seen wandern.

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3.Tag

An unserem letzten Tag wandern wir über den Krzyzne zurück nach Kuznice, wo wir ein Bus-Schuttel nach Zakopane nehmen. Zum Abschluss dürfen wir noch einmal den wunderbaren Blick aufs Tal und den Wasserfall aus dem Bergtal genießen. Wir begegnen nur noch wenigen Weggesellen – ob das fehlende Wochenende oder die regelmäßig starken Regenfälle sie vertrieben haben, ist uns unklar. Wir freuen uns jetzt hauptsächlich über eine gut überstandene Wanderung ohne Verletzung und ein paar trockene Klamotten, die im Hotel auf uns warten.

Ich bin begeistert von der schieren Professionalität der Polen, mit der sie diesen Nationalpark zu einem absoluten Wandererlebnis werden lassen. Die außergewöhnliche Schönheit der Berge und Seen ist perfekt erhalten und in Szene gesetzt. Die Wanderwege sind in die Natur integriert, ja scheinen fast zu verschwinden und doch müssen wir uns nie die Frage stellen, wo es als nächstes entlang geht. Mit den Berghütten können wir jeden Punkt des Gebirges erreichen und kommen direkt in Kontakt mit anderen Reisenden. Die Menschen sind unheimlich nett und Gesprächsfreudig, nur an der Sprache hapert es manchmal.

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