Gitmo-Akten: Aus alt mach neu

Gitmo-Akten: Aus alt mach neuExperten bezeichnen es als zweites Grundgesetz der Mediendynamik, Medienschaffende bei Qualitätsorganen wie "Spiegel" und "Süddeutsche Zeitung" nutzen es mit der hölzernen Grandezza sowjetischer Eiskunstlaufsternchen: Jede Nachricht, die älter als sechs Wochen ist, besagt die jene zweite eiserne Grundregel der Propagandaarbeit, kann nach Belieben als neu und brandheiß verbreitet werden, weil sich nach exakt diesem magischen Zeitraum ohnehin niemand mehr daran erinnert, die Neuigkeit bereits einmal gekannt zu haben.
Jedes Jahr überraschen ausgesucht gut gemachte Reportagen ihr Publikum so wieder mit der Mitteilung, dass es zwar Uran im deutschen Trinkwasser gebe, aber keine Grenzwerte dafür. Dass der ADAC einen Brückentest, einen Raststättentest und einen Fährentest gemacht und Mängel dabei gefunden habe. Und natürlich, dass die USA in ihrem grauenhaften Gefangenenlager Guantanamo unschuldige Häftlinge eingesperrt habe. Sogar, und das vermerkt die Süddeutsche ein bisschen pikiert, "viel länger, als angesichts der Vorwürfe gegen sie angemessen war".
Der "Spiegel" geht routiniert einen Schritt weiter. Völlig ohne Grund habe die Lagerleitung arme Araber eingekerkert, die eine Casio-Uhr der Bauart F-91W besessen hätten. "Jetzt veröffentlichte und dem Spiegel vorliegende Geheimdokumente zeigen, dass der Besitz einer Casio-Digitaluhr als Zeichen für einen Qaida-nahen Sprengstoffexperten galt", enthüllt das ehemalige Nachrichtenmagazin, was bisher erst seit fünf Jahren auf der geheimen Leakseite Wikipedia nachzulesen war. Der "Spiegel" aber hatte Nachschlagen hier nie nötig, denn die Hamburger Edel-Rechercheure trinken aus ganz anderen Quellen. Ein "Erkennungszeichen für Terroristen" solle die Digitaluhr der Marke Casio, genaugenommen das schwarze Modell F-91W oder die silberfarbene Variante A-159W sein, entnahmen sie den total geheimen Wikileaks-Dokumenten. Nicht den inzwischen leicht angegrauten Veröffentlichungen des US-Verteidigungsministeriums. Deshalb habe der Besitz einer dieser Uhren US-Militärs als "Anzeichen für ein Qaida-Training mit unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtungen" gegolten.
Man hört das Gelächter der Edelfedern. Was für ein Unsinn, soll der Leser da natürlich denken. Wie naiv sind denn diese Amerikaner? Glauben, dass eine Uhr sie erkennen lässt, wer Terrorist sein könnte! Dass 52 von nicht mal 800 Guantanamo-Insassen eine Uhr vom selben Modell besaß - obwohl es weltweit wahrscheinlich mindestens 20.000 vergleichbar billige und funktionale Modelle gibt - ist allerhöchstens Anlass, über die Ermittlungsmethoden zu spötteln, nicht aber, Wahrscheinlichkeitsberechnungen anzustellen: denn sagenhafte sieben Prozent aller unschuldig eingesperrten Guantanamo-Opfer hatten sich beim Kauf rein zufällig für eine Casio F-91W oder A-159W entschieden.
Blutbad im Spiegel-Hochhaus
Irland wackelt, Al Kaida warnt


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