Gestatten, Walter – Seite 110 – Teil 1 – Sonntag, Lea

Von Pascalw @pwiederkehr

Täglich wird hier eine Seite einer Geschichte veröffentlicht – sie trägt den Arbeitstitel Gestatten, Walter und untersteht dem alleinigen Copyright von Pascal Wiederkehr. Die Geschichte stammt aus einem Manuskript, welches nur grob überarbeitet wurde, und kann deshalb Fehler in Grammatik und Rechtschreibung aufweisen.

Sonntag, Lea
Zürich

Ich glaubte nicht mehr daran, doch endlich sieht mich Jeff nicht nur als seine Frau und Journalistin, sondern auch wirklich als Frau, Journalistin und Genie. Dümmer als die Polizei erlaubt, aber irgendwie kommt es mir vor, wie wenn diesmal die Polizei selbst dümmer war als sie selbst anderen erlaubte. Jeff hätte sich gerne selbst geohrfeigt, sie hatten dutzende Ermittler an den Fall gesetzt, Steuergelder verschleudert und keinem war es aufgefallen, nein eingefallen, einmal die schulische Verbindung genauer zu untersuchen. Natürlich wäre es interessanter wenn sich geprellte Anleger rächten oder Banker gegenseitig Morde begannen um an Geld zu kommen. Wie auch immer, auch unter den Journalisten stand die Euphorie, das Lechzen nach einem Mord an vorderster Stelle, lieber unkomplizierte Berichte, abtippen von Nachrichten anderer, anstatt grosse Recherchen, die vielleicht auch in die Dunkelheit und nicht wiederheraus führten. Aber mit einfachen Berichten über angehende, königliche Ehepaare zwischen Kate Middleton und dem Prinz William von Wales gewann niemand ein Pulitzerpreis. Lea konnte sowieso keinen gewinnen, so lange ihre Berichte nur beim Schweizer Fernsehen gezeigt wurden und dazu auch noch auf Deutsch. Jetzt sass sie in Jeffs Büro, starrte auf ihre Füsse und wartete gelangweilt, „du kommst mit, Lea du kannst viel beitragen zum Fall. Ich werde deinen Chef informieren lassen“, doch bisher hatte er gar nichts sagen müssen, war nie gefragt worden und langweilte sich. Da waren auch die Redaktionssitzungen mit Max noch besser, Max’ hörte sich zu gerne reden, deshalb vergingen immer Stunden bis zum Ende der Sitzung. Sie begann auf den Schreibtisch zu klopfen, eingängiger Rhythmus dachte sie, dann schlug die Tür auf und Jeff, gefolgt von einem stattlichen, jungen Mann in Uniform trat ein. „Komm bitte mit, wir haben den Luggisberg verhaftet. Er ist im Verhörraum. Du kannst zu sehen, durch den tollen Spiegel“, sagte Jeff und Lea erhob sich sofort. Diese Spiegel existieren wirklich? Cool, dachte Lea. Im Verhörraum standen Polizisten einige in Uniform andere in Anzügen. Zwei Anzugträger hatten ihr Jackett ausgezogen, und die Ärmel des Hemdes hochgerollt. Der karg eingerichtete Verhörraum mit Tisch, zwei Klappstühlen und meinem Aufnahmegerät war noch leer. Dann trat Jeff ein und kurz darauf Luggisberg in Handschellen. Er wurde durch einen Polizisten hineingedrängt.

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