Geschichtsbewusster Dubstep aus Berlin – Debüt-EP von INFRA

Erstellt am 19. September 2011 von Ntropy @ntropy

Promobild INFRA

Den Berliner Dubstep-Produzenten Infra haben wir bereits Anfang des Jahres vorgestellt. Damals unterhielten wir uns mit ihm in Berlin über die mystische Kraft des Basses und die Möglichkeiten von Sound als sonische Waffe. Jetzt ist mit Sonic seine erste EP auf dem französischen Label F4TMusic erschienen, in der er die Geister des klassischen Londoner Dubsteps weckt und das seit Jahren ausufernde Genre wieder auf ihre Grundprinzipien reduziert: Leere, Hall und Bass.

Das Wichtigste zuerst: Infra ist eigentlich Architekt. Er erzeugt Räume, in die er die Hörer einfach hineinwirft. Falls der Hall dann nicht ausreicht, saugen einen spätestens die LFOs der Reesebässe ein. Darüber liegen Klangflächen, die an den frühen Drum & Bass von LTJ Bukem erinnern, dabei aber immer den Kopfnickfaktor eines Halfstep-Beats beibehalten. Vor allem die Langsamkeit wirkt radikal. Der Berliner Musiker besinnt sich soundtechnisch auf die frühe Phase des Dubstep, in welcher der Ereignis-Minimalismus immer auch maximale Aufmerksamkeit erforderte. Mein Favorit ist aber definitiv Dioxin, ein Track, in dem der offensichtlich wütende und verzerrte Reesebass in synkopierten Sprüngen ständig dem Beat hinterherjagt, ohne ihn je zu erwischen. Das erzeugt einen Groove, bei dem man einfach immer gezwungen ist, mitzugehen. Infra legt ein beachtliches Debüt hin und zeigt, dass Deutschland endlich Produzenten hervorbringt, die nicht nur die mittlerweile beliebten Testosteron-geschwängerten Haudrauf-Beats aus England importieren, sondern von der Ästhetik der Pioniere wie Mala beeinflusst sind. Diese schufen in ihrer Musik immer schon eine klangliche Opposition. Gegen die oberflächliche Bilderwelt, gegen die Sound-Fülle in modernen Popsongs. Und für maximale Reduktion, die Meditation ermöglicht und Weitblick schafft. Auch, wenn das alles nicht ganz so düster klingt, denn statt Blade Runner-Samples und gepitchten Vocals sind die Texturen eher technoid. Aber das ist vielleicht der Unterschied zwischen Berlin und London.

Text: Phire

(Interview vom Februar mit Infra)

Dioxin-Snippet

Sonic erschien am 28 . Juli 2011 als digitale Veröffentlichung auf F4T Music

Links
www.facebook.com/infra
www.soundcloud.com/infra