Geschichte der Stadt Hanau

Quelle:  mobile App VWM-Info , Autor Rolf Wernicke

Die fruchtbare Wetterau und die lössbedeckten Höhenzüge im Norden der Untermainebene von Main und Kinzig prädestinierten die Besiedlung Hanaus schon lange vor den Römern. Westlich von Steinheim hinterließen erste Menschen bereits im Mittelpaläolithikum vor ca. 200.000 bis 40.000 v. Chr. ihre Spuren.

Die römische Besiedlung des Hanauer Raumes erstreckte sich von der zweiten Hälfte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts bis um 260 n.Chr. Auslöser waren in einer ersten Phase militärisch-strategische Gesichtspunkte, während diese von verstärkt zivilen und ökonomischen Gesichtspunkten abgelöst wurden. Die strategische Bedeutung Hanaus war außerordentlich hoch. Lag der Ort doch an der Nahtstelle des Ostwetterau-Limes zur “nassen” Maingrenze, an einem Straßenknotenpunkt und einer Mainbrücke. Die Infrastruktur der Verkehrswege ähnelte den heutigen Verhältnissen.
Zeugnisse der römischen Besiedelung sind im Stadtteil Kesselstadt am Salisberg konserviert. So konnte hier durch Grabungen des Hanauer Geschichtsvereins u. a. die älteste in Deutschland erhaltene Quittung, ein mit Tinte auf ein Holztäfelchen geschriebener Beleg vom 5. April 130 n.Chr., gefunden werden. Im Osten der Stadt ist die Wallanlage eines Holz-Erde-Kleinkastells am Neuwirtshaus sowie in weiten Strecken der Limes sichtbar.
Vor- und frühgeschichtliche Funde sind im Museum Schloss Steinheim zu sehen. Hervorzuheben ist das rekonstruierte “Mithräum” im Schlossgewölbe. Eine Einführung in die Römerzeit im Raum Hanau gibt der Film “Unter römischer Herrschaft”. Das Hessische Puppenmuseum Hanau-Wilhelmsbad ist im Besitz einer der umfangreichsten und bedeutendsten Sammlungen antiken Spielzeugs (Römer, Griechen, Kopten).

Die Wasserburg Hanau wird erstmals 1143 erwähnt. Um die Burg entwickelte sich in der Folgezeit eine Siedlung. Am 2. Februar 1303 verlieh König Albrecht I. der Siedlung Hanau das Markt- und Stadtrecht. Damit war das Recht verbunden, Märkte abzuhalten, einen Rat mit zwei Bürgermeistern an der Spitze zu wählen, sowie die Freiheit von Leibeigenschaft (“Stadtluft macht frei”). In dieser Zeit wurde mit dem Bau der ersten (50.120517 N / 8.916644 O)begonnen.

Im 15. Jahrhundert war die Stadtbevölkerung gewachsen und die Stadt wurde wesentlich erweitert. Es entstand eine Vorstadt im Westen, außerhalb des ersten Mauerrings. 1470 erhielt diese Vorstadt dann eine eigene Umwehrung. Unter Graf Philipp II. von Hanau-Münzenberg wurde 1528 auch eine Stadtbefestigung nach dem technischen Standard der Renaissance begonnen, die die beiden im Mittelalter entstandenen Mauersysteme umschloss.
Am 1. Juni 1597 wurde die sog. “Capitulation”, ein Gründungsvertrag, von Graf Philipp Ludwig II. von Hanau-Münzenberg unterzeichnet: Ein Ereignis von europäischem Rang. In der Neustadt siedelten sich calvinistisch reformierte Flüchtlinge aus den spanisch besetzten Niederlanden und Nord-Frankreich an. Sie erhielten eine neue weltliche und geistliche Heimat und begründeten Hanaus Aufschwung.
Den Gründern der Neustadt wurde genehmigt, sich vor den Toren der Altstadt Hanau anzusiedeln. Beide Städte, Alt- und Neustadt, bestanden von da an selbstverwaltet nebeneinander. Die Befestigungsanlagen zwischen den Städten wurden erst im Jahre 1767 geschleift, der heutige Freiheitsplatz entstand. Die Verwaltungen wurden erst um 1835 zusammengelegt.
Ein städtebauliches Novum stellt die 1597 auf dem Reißbrett entworfene Planstadt der Renaissance dar, die Vorbild auch für andere Stadtgründungen wurde. Es folgten Mannheim 1606, Erlangen-Neustadt 1686 oder Neu-Isenburg 1699. Grundschema für die Neustadt Hanau war ein rationales Rechteckraster von Straßen und Baublöcken, umgeben von einem Bastionsstern. Zwei der mittleren Plankarrees blieben von Bebauung frei und bilden noch heute den Neustädter Markplatz und den Kirchplatz an der Französischen Allee, auf dem die Wallonisch-Niederländische Kirche steht.
Die Zweisprachigkeit der neuen Gemeinde erforderte außergewöhnliche Lösungen, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Eine zwischen 1600 und 1608 erbaute Doppelkirche, steht durch ihre bauliche Verbindung für alle sichtbar als Symbol der religiösen Gemeinsamkeit der Neubürger. Die den Neubürgern gewährten Freiheiten waren wegweisend; die Wahlbestimmungen von Stadt und Kirche in ihrer demokratischen Ordnung der Zeit weit voraus.

Kunst, Kultur und Wirtschaft entwickelten sich zu europaweit hoch angesehenen Sparten. Beispielhaft sei die Gründung der ersten deutschen Fayencemanufaktur 1661 (Hanauer Fayencen), die prägende frühe Stilllebenmalerei sowie die Silber- bzw. Goldschmiedekunst genannt. Meisterhafte Exponate sind im Historischen Museum Hanau Schloß Philippsruhe zu sehen.
Rasch entstanden in der Hanauer Neustadt zahlreiche Manufakturen, die auch Luxusgüter an die europäischen Adelshöfe lieferten: Posamentierer, Strumpfwirker, Handschuhmacher, Tuchweber, Hutmacher, Teppichwirker, Gold- und Silberschmiede.
Die verkehrsgünstige Lage der Stadt an internationalen Handelswegen, dem Main und in der Nähe der Frankfurter Messe machten ein wirtschaftliches Engagement für die Neusiedler äußerst attraktiv. Auch das Privileg der Gewerbefreiheit (in Frankfurt/Main erst 250 Jahre später erteilt), welches zusammen mit steuerlichen Erleichterungen und der Befreiung von Bürgerpflichten den Neustadtbürgern gewährt wurde, beförderte den Handel.

So können wir heute feststellen, dass bereits im 16. Jahrhundert ein weitblickender Hanauer Graf gezeigt hat, was Wirtschaftsförderung zur rechten Zeit und mit rechten Mitteln bewirken kann. 1597 wurden die Grundlagen für Hanaus Entwicklung zum Industriestandort geschaffen – mit Auswirkungen auf die wirtschaftliche Prosperität bis zum heutigen Tage.

Bei Beginn des Dreißigjährigen Krieges stand die calvinistische Grafschaft Hanau auf der Seite des „Winterkönigs“ Friedrich V. (1596–1632). Graf Philipp Moritz von Hanau-Münzenberg war zu schwach, in diesem Konflikt eine selbständige Politik zu betreiben. Zunächst auf kaiserlicher Seite übergab er die Festung Hanau zwei heranrückenden schwedischen Reiterregimentern, als König Gustav II. Adolf von Schweden mit seiner Armee heranrückte. Der König verlangte acht Kompanien Fußvolk und ernannte Graf Philipp Moritz zum Obersten. Der aber reiste 1634 mit dem größten Teil seiner Familie über Metz ins sichere Holland. Von 1630 bis 1638 nutzte die schwedische Armee unter dem schottischen General Jakob von Ramsay die Festungsstadt Hanau als Stützpunkt, um von hier aus das Umland zu kontrollieren. Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen verarbeitete die schwedische Besatzungszeit Hanaus in seinem Schelmenroman Der abenteuerliche Simplicissimus.
1635 bis 1636 wurde Hanau erfolglos von kaiserlichen Truppen unter General Lamboy belagert.Dabei wurde auch die Kinzdorfkirche, die als letzter Rest des Kinzdorfes noch erhalten war, samt dem sie umgebenden Friedhof zerstört. Archäologisch ist sie für den Bereich, in dem Westbahnhofstraße und die Straße „Im Kinzdorf“ aufeinander treffen, nachgewiesen.

In der Belagerung bewährte sich das erst wenige Jahre zuvor errichtete, moderne Befestigungssystem. Tausende waren aus den umliegenden Ortschaften in die Stadt geflohen, es herrschten furchtbare Zustände. Nach neunmonatiger Belagerung rückte im Juni 1636 ein Entsatzheer unter Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Kassel (1627-1637) an und befreite die Stadt. Wilhelm V. von Hessen-Kassel war mit einer Tochter des Grafen Philipp Ludwig II., Amalie Elisabeth, verheiratet. Seitdem wurden jährlich Dankgottesdienste abgehalten, aus denen sich ab 1800 das Lamboyfest entwickelte. Im Februar 1638 wurden die Schweden durch einen militärischen Handstreich unterstützt vom Wetterauer Grafenverein aus Hanau vertrieben und Graf Philipp Moritz wieder in die Regierung eingesetzt. General Ramsay hatte sich offensichtlich Hoffnung auf eine Herrschaft über die Stadt und Grafschaft gemacht.

Nach dem Abzug der Franzosen nahm Landgräfin Marie ihren Wohnsitz in Hanau und residierte abwechselnd im Stadtschloss und im Schloss Philippsruhe. Sie lebte getrennt von ihrem zum katholischen Glauben konvertierten Gatten, Friedrich II.. In Hanau ließ sie den Fürstenbau des Stadtschlosses durch einen hufeisenförmigen Anbau erweitern, den so genannten Friedrichsbau. Im Zweiten Weltkrieg wurden beide Gebäude ausgebombt und nach dem Krieg abgerissen.

Aufgrund der hessischen Assekurationsakte von 1754, die seitens des Landgrafen Wilhelm VIII. sicherstellen sollte, dass sein zum katholischen Glauben konvertierter Sohn, Friedrich II., so wenig Macht wie möglich erhielte, wurde die Grafschaft Hanau von den hessen-kasselischen Stammlanden getrennt und ab 1760 unter die Herrschaft des hessischen Erbprinzen Wilhelm (IX.), des späteren Kurfürsten Wilhelm I., gestellt, für den zunächst noch seine Mutter, Landgräfin Marie, als Vormünderin bis 1764 regiert.
Erbprinz Wilhelm (IX.) hat seine Residenzstadt Hanau großzügig gefördert. 1765 ließ er die Torhaus(50.131153 N / 8.923010 O) zwischen der Alt- und Neustadt Hanau niederreißen. Auf dieser Fläche entstand der Paradeplatz (heute: Freiheitsplatz), 1768 das Stadttheater, 1777 das Zeughaus mit Wache und auch das Kollegienhaus (heute: Behördenhaus). Er stiftete 1772 die Zeichenakademie. Sie ist eine der ältesten noch bestehenden Ausbildungsstätten für Goldschmiede, Silberschmiede, Graveure, Metallbildner und Schmucksteinfasser.

1776 bis 1783 vermietete der Landgraf an seinen Onkel, König Georg IV. von Großbritannien ein Truppenkontingent aus der Grafschaft Hanau, ca. 2400 Mann, für den Einsatz im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (so genannter Soldatenhandel ). Aus den Erlösen dieses Geschäfts wurde unter anderem die Kuranlage Wilhelmsbad – Baubeginn 1777 – finanziert, deren eisenhaltige Quelle schon 1709 entdeckt wurde. 1781 wurde das Comoedienhaus in Wilhelmsbad eröffnet.

1785 und 1786 wurden Jakob und Wilhelm Grimm in Hanau geboren.

1642 starb der letzte Graf von Hanau-Münzenberg. Gemäß einem Erbvertrag von 1610 erbte nun die Hanau-Lichtenberger Linie. In Hanau-Lichtenberg regierte zu dieser Zeit der erst neunzehnjährige – nach damaliger Rechtsauffassung minderjährige Graf Friedrich Casimir von Hanau-Lichtenberg. Noch herrschte Krieg, die Verwandtschaftsbeziehung zu dem verstorbenen letzten Hanau-Münzenberger Grafen war nur weitläufig, der Herrschaftsantritt also keineswegs gesichert. Auf Schleichwegen und inkognito wurde Graf Friedrich Casimir von seinem Vormund, Freiherr Georg II. von Fleckenstein-Dagstuhl nach Hanau gebracht. Dort musste er zunächst gegenüber dem Patriziat der Neustadt allerlei Zugeständnisse vertraglich zusichern, bevor er die Herrschaft antreten konnte. Dazu zählte vor allem die Religionsfreiheit für die reformierte Konfession, denn die Grafschaft Hanau-Lichtenberg war lutherisch geblieben und Graf Friedrich Casimir war Lutheraner. Friedrich Casimir ließ für sich und seinen Hofstaat zunächst in der Schlosskapelle lutherische Gottesdienste abhalten. 1658-1662 wurde eine eigene Kirche für die lutherische Gemeinde errichtet (heute: Alte Johanneskirche(50.137324 N / 8.923010 O)),

die nun auch Begräbnisstätte des Grafenhauses wurde. Sie diente fortan als Pfarrkirche der lutherischen Gemeinde und Hofkirche des Grafenhauses.
1643 gelang es dann mit der Hilfe der Landgräfin Amelia Elisabeth von Hessen-Kassel die Ansprüche des Grafen Friedrich Casimir auch gegenüber dem Erzbischof von Mainz durchzusetzen. Im Gegenzug dazu schloss er mit der Landgräfin einen Erbvertrag des Inhalts, dass, sollte das Haus Hanau aussterben, die Erbschaft an Hessen-Kassel fallen solle – was tatsächlich auch 1736 eintraf.

Am 5. März 1661 erteilte Graf Friedrich Casimir ein Privileg, das in Hanau zur Gründung der ersten deutschen Fayence-Manufaktur führte. 1665 wurde das Gebäude der Hohen Landesschule nach langjähriger Bauzeit fertiggestellt (am Nordrand des heutigen Freiheitsplatzes, etwa im Bereich des heutigen Gewerkschaftshauses).

Seit 1701 wurde das Schloss Philippsruhe errichtet. 1712 sind die ersten Räume bezugsfertig, 1714 war es endgültig fertiggestellt. Ebenso begann Graf Philipp Reinhard mit dem Bau des Marstalls am Schlossplatz (später: Stadthalle, heute Teil des Congress Park Hanau). Noch während des Marstallbaus begann Graf Johann Reinhard III. 1713 einen Nordflügel (Fürstenbau) an das Stadtschloss anzubauen, das aus der mittelalterlichen Burg hervorgegangen war. 1722-1733 entstanden als kommunale Bauten das Frankfurter Tor und das Neustädter Rathaus.
1736 starb Johann Reinhard III. siebzigjährig als letzter männlicher Vertreter des Hanauer Grafenhauses. Aufgrund des Erbvertrags von 1643 fiel der Hanau-Münzenberger Landesteil an Hessen-Kassel, aufgrund der Ehe der einzigen Tochter des letzten Hanauer Grafen, Charlotte mit dem Erbprinzen Ludwig (VIII.) von Hessen-Darmstadt der Hanau-Lichtenberger Anteil nach dort.
Da Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel im Siebenjährigen Krieg auf der Seite Friedrichs des Großen stand, besetzten französische Truppen 1759-1762 Hessen-Kassel und Hanau. Bei Bergen und Bad Nauheim kommt es zu schweren Kämpfen, in denen die französischen Truppen den Angriff der preußischen Verbündeten abwehren.
Unter Napoleon kommt Hanau 1806 unter französische Militärverwaltung. Die Französische Truppen besetzen die Grafschaft uns schleifen die Befestigungsanlagen. 1813, im Rahmen des Herbstfeldzuges Napoleons und der Völkerschlacht bei Leipzig, die am 19. Oktober mit der Niederlage Napoleons entschied, kommt es am 30. Oktober zur Schlacht bei Hanau. Sie war Teil der Befreiungskriege gegen die französische Besatzung. Der Hauptschauplatz befand sich auf dem heutigen Gebiet des Lamboywaldes. Die Schlacht endete am 31. Oktober 1813 mit einem Sieg Napoleons, dem letzten seiner Siege auf deutschem Boden. Napoleon konnte durch den Sieg ungehindert nach Frankfurt zurückgelangen.
Nach Abzug der französischen Truppen wurde Hanau Teil des wieder errichteten Staates Kurhessen. Kurfürst Wilhelm I. kehrte aus dem Exil zurück. Er versuchte, die Zustände aus der Zeit vor dem Einmarsch der Franzosen zu restaurieren, jede Änderung rückgängig zu machen und verprellt dabei das Bürgertum und all diejenigen, die in den letzten 7 Jahren Karriere gemacht hatten. Es kam zu bürgerlichen Gegenreaktionen, etwa 1817 der Gründung des ersten Turnvereins in Hanau.
Nach Abzug der französischen Truppen wurde Hanau Teil des wieder errichteten Staates Kurhessen. Kurfürst Wilhelm I. kehrte aus dem Exil zurück. Er versuchte, die Zustände aus der Zeit vor dem Einmarsch der Franzosen zu restaurieren, jede Änderung rückgängig zu machen und verprellt dabei das Bürgertum und all diejenigen, die in den letzten 7 Jahren Karriere gemacht hatten. Es kam zu bürgerlichen Gegenreaktionen, etwa 1817 der Gründung des ersten Turnvereins in Hanau.

1818 vereinigten in der „Hanauer Union“ 59 reformierte und 22 lutherische Pfarrer sowie zahlreiche Kirchenälteste der ehemaligen Grafschaft Hanau ihre Gemeinden zu einer Unierten Kirche(50.133847 N / 8.897735O). Es handelte sich – im Gegensatz etwa zur „Evangelischen Kirche der altpreußischen Union“ – um eine Kirchenvereinigung „von unten“. Sie geschah sicher auch aus ökonomischen Zwängen, gelang aber nur, weil die theologischen Differenzen zwischen Reformierten und Lutheranern sich inzwischen – auch im Zuge der Aufklärung – abgeschliffen hatten. Die Union wird auch “Buchbinderunion” genannt, weil – aus ökonomischen Gründen – einfach der Heidelberger Katechismus und Luthers Katechismus in einem Buch zusammengebunden wurden und es den Gläubigen überlassen blieb, welchen sie verwendeten. Einzig die wallonisch-niederländische Gemeinde trat der Union nicht bei und blieb – bis heute – eine eigenständige reformierte Gemeinde.

Da die Kirchen in Hanau nun nicht mehr nach den Konfessionen benannt werden konnten, also „Reformierte Kirche“ oder „Lutherische Kirche“, mussten sie neue Namen erhalten. Die ehemalige reformierte Kirche, die Maria-Magdalena-Stiftskirche des Mittelalters, wurde nach der verstorbenen Landgräfin Maria benannt: Marienkirche.

1821 wurden die Altstadt Hanau und die 1597 gegründete Neustadt Hanau im Rahmen einer kurhessischen Verwaltungsreform zu einer Stadt vereinigt.

1829 ließ Kurfürst Wilhelm II. die mittelalterliche Burg, Teil des Hanauer Stadtschlosses, niederreißen, um von den neueren Teilen des Schlosses einen besseren Blick in den Schlosspark zu erhalten.

Hanau war im 19. Jahrhundert ein Zentrum der demokratischen Bewegung in Deutschland. 1830 und 1848 gingen von hier wichtige revolutionäre Impulse aus (im Volksmund: „Hanauer Krawalle“). 1830 kam es in Hanau zur Rebellion gegen den Neoabsolutismus des Kurfürsten, die in der Erstürmung des Mainzollamtes durch Hanauer Bürger gipfelte. Die Aufrührer wurden später zum Strafdienst herangezogen und mussten im heutigen Hafengebiet Entwässerungsgräben ausheben („Am Krawallgraben“). Ziel des Bürgertums war eine moderne Verfassung. Diese wurde im Zuge der Revolution durch den Kurfürsten gezwungenermaßen zwar gewährt, bald aber auch wieder ausgehebelt.
1832 fand in Wilhelmsbad in Folge des Hambacher Festes ein politisches Volksfest mit ca 1000 Teilnehmern statt, das sogenannte Wilhelmsbader Fest.

Hanau wurde in der Folgezeit zu einer Hochburg bürgerlicher Emanzipation im Kurstaat. Die revolutionäre Turnerbewegung fasste hier Fuß, 1837 wurde die Turngemeinde Hanau gegründet, 1844 der Hanauer Geschichtsverein und 1848 fand in der Wallonischen Kirche in Hanau der erste deutsche Turnertag statt. Gleichzeitig wurde der Deutsche Turnerbund gegründet. Festredner war Friedrich Ludwig Jahn, der während dieser Zeit bei seinem Freund August Schärttner in Hanau weilte. An der Wallonischen Kirche erinnert heute eine Gedenktafel an das Ereignis.
Noch im gleichen Jahr erhielt am 10. September Hanau Anschluss an die Eisenbahn. Die Frankfurt-Hanauer Eisenbahn eröffnete ihre Strecke nach Frankfurt. Der Bahnhof stand etwa dort, wo sich heute der Hanauer Westbahnhof befindet. Hanau entwickelte sich zu einem Eisenbahnknoten.
1848 brach in schlechten ökonomischen Verhältnissen erneut die Revolution aus. Im Februar 1848 verlangte eine Hanauer Deputation vom Kurfürsten ultimativ die Widergewährung der Verfassung von 1830. Kurfürst Friedrich Wilhelm gab dem revolutionären Druck nach, dankte aber anschließend faktisch ab und überließ die Regierungsgeschäfte seinem Sohn, Kurfürst Wilhelm II..
1849 beteiligten sich auch Hanauer Turner unter August Schärttner am dritten Badischen Aufstand, dem badischen Maiaufstand, der am 21. Juni desselben Jahres mit der Niederlage der Aufständischen bei Waghäusel endete. Zuvor errangen sie in dem Gefecht bei Hirschhorn am Neckar einen Sieg für die Revolution: Sie hatten am 14. Juni erfolgreich das Schloss Hirschhorn gegen bayrische, kurhessische und mecklenburgische Verbände verteidigt.

Im Krieg von 1866 rückten preußische Truppen nach der Schlacht von Königgrätz (3. Juli) am 16. Juli in Hanau ein. Die Freie Stadt Frankfurt, Kurhessen und Nassau wurden preußische Provinz, das bis dahin kurhessische Hanau preußisch.
Seit der Reichsgründung von 1871 erhielt Hanau zunehmend Bedeutung als Garnison. Eine ständige Garnison hatte Hanau bereits seit dem Dreißigjährigen Krieg. 1875 wurde in der Bulau, im heutigen Ortsteil Wolfgang, eine Produktionsstätte für Sprengstoff und Munition, die Pulverfabrik errichtet. Ab 1910, einhergehend mit Hanaus Aufstieg als Industriestadt, wurden zwei preußische Eisenbahn-Regimenter (2. Eisenbahn-Brigade) und ein Eisenbahn-Neben-Ersatz-Park nach Hanau verlegt. Bei Kriegsbeginn 1914 gab es neben den Eisenbahntruppen noch Infanterie und Kavallerie – zusammen rund 7.000 Soldaten. Zwischen 1914 und 1918 wurden in Hanau rund 170.000 Rekruten aller Truppenteile ausgebildet und an die Fronten des Ersten Weltkrieges geschickt.

Der Erste Weltkrieg endet in Hanau mit Revolution. Ein Arbeiter- und Soldatenrat bildet sich. Sozialisten besetzen das Kreisgebäude. Erst 1919 brachten Regierungstruppen Hanau wieder unter Regierungsgewalt. 1920 wird es dann von französischen Truppen besetzt.

Im Jahr 1933 endet mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten auch die demokratische Stadtverwaltung. Vor und während des Zweiten Weltkriegs wurden zahlreiche Menschen, vor allem solche jüdischer Abstammung deportiert und ermordet.Jüdischer Friedhod(50.133871 N / 8.924815)

Nachdem im 2. Weltkrieg die Stadt schon am 06. Januar 1945 schwer von Bomben getroffen wurde, legten alliierte Bomber in den Morgenstunden des 19. März 19945 Hanau in Schutt und Asche – 10 Tage vor Einmarsch der Amerikaner. Besonders die Innenstadt mit ihren historischen Gebäuden wurde schwer mitgenommen. Die Einwohnerzahl sinkt unter 10.000.

Das Hanauer Stadtbild hat sich durch die Zerstörungen der Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg und die anschließende Aufbauphase radikal verändert. Die Altstadt Hanau hat heute ihr mittelalterliches Gesicht völlig verloren. Die Ruinen des Stadtschlosses, des Zeughauses und des Stadttheaters wurden abgerissen, ebenso viele Reste der Stadtbefestigung. Eine Hälfte der wallonisch-niederländischen Doppelkirche steht bis heute als Ruine.
Die Geschichte der Stadt Hanau ist reich an tiefgreifenden Begebenheiten und besonderen Ereignissen. So feierte Hanau im Jahr 1997 das 400. Jubiläum der Gründung der Neustadt Hanau und der Wallonisch-Niederländischen Gemeinde.


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