Gescheitert am deutschen Arbeitsmarkt

Gescheitert am deutschen Arbeitsmarkt

Vor elf Jahren verließ Lukuman Mohammed seine Heimat Ghana, um nach Deutschland zu gehen. Was ihn lockte, war nicht das Geld, sondern die Hoffnung, seine Ausbildung fortsetzen zu können. Sein Ziel: Hamburg.

Was er in die Bundesrepublik mitbrachte, war ein Abschluss als Bautechniker, absolviert an der University of Science and Technology. Aber auch praktische Erfahrungen, denn neben dem Studium hat der damals 26-Jährige auf dem Bau gearbeitet.

Doch eine vernünftige Chance hat der heute 37-Jährige in der Hansestadt nicht bekommen. Gescheitert ist der Afrikaner an bürokratischen Hürden – und an der Arbeitsagentur. «Dort habe ich erklärt, dass ich arbeiten will. Denn ich musste meinen Lebensunterhalt verdienen. So etwas wie Sozialgeld kannte ich aus meiner Heimat nicht», erzählt er im Gespräch mit news.de. Doch an seinen Zeugnissen und einer entsprechenden Übersetzung der Urkunde habe kaum jemand Interesse gehabt.

Amtliches Desinteresse

Keinen Hinweis habe es gegeben, wohin er sich mit seinem Abschluss wenden könne. Niemand habe sich Zeit genommen, keiner gefragt, als was er arbeiten wolle oder etwas angeboten. Nur einen Zettel bekam der Ghanaer damals. «Da stand ein Ort drauf, zu dem ich gehen sollte.» Es war die Adresse einer Restaurantküche, in der Mohammed als Spüler arbeiten sollte.

Ohne sich für die tatsächliche Ausbildung zu interessieren, hat ihn die Behörde zu einem Ungelernten degradiert. Und wie ihm geht es vielen, die aus ihrer Heimat nach Deutschland kommen und die Sprache kaum beherrschen.

Gewehrt hat sich der 37-Jährige nicht. Er wollte sich integrieren und hat sich deshalb nicht an der Arbeit gestört. Nur an der Tatsache, dass scheinbar niemand in Deutschland etwas von seinen Qualifikationen hören wollte. «Manchmal hatte ich den Eindruck, dass mich die Leute in der Agentur für dumm halten, nur weil ich die Sprache nicht konnte, oder weil ich Afrikaner bin, nicht studiert haben könnte.» Doch er hat schnell gemerkt, dass dieses Desinteresse nicht Alltag ist.

«Ich habe viele Menschen getroffen, die mich unterstützt haben. Die aufgeschlossen waren», blickt er zurück. So wie seine Frau, die er in Hamburg kennen lernte, und deren Familie. «Das sind studierte Leute, die mir helfen wollten. Und mir Anlaufstellen nannten.»

Um den Lohn betrogen

In der Hoffnung, die Zeit als Tellerwäscher hinter sich zu lassen, wieder zu studieren und mit seiner Hände Arbeit das Leben seiner kleinen Familie zu finanzieren, sprach er in einer Hamburger Hochschule vor. «Dort interessierte man sich für meinen Abschluss, sagte aber auch, dass der hier nicht anerkannt sei. Also fragte ich, was ich damit anfangen könnte. Die Antwort war, dass ich Bauzeichnen studieren könnte.»

Der Hoffnungsschimmer, endlich weiter zu kommen, erlosch jedoch schnell. Allein, weil er nebenbei arbeiten wollte. Ein Brief brachte die Hiobsbotschaft. Entweder er arbeite oder er studiere, beides gehe in Deutschland nicht. «Und bis heute hat mir niemand erklärt, warum das so ist», bringt er seine Enttäuschung zum Ausdruck.

Also blieb er Spüler. Mit einer Ausnahme: Über eine Zeitarbeitsfirma fand der Familienvater eine kleine Beschäftigung in einem Baumarkt. «Doch dafür habe ich nie Geld bekommen. Als ich das dem Arbeitsamt meldete, ist überhaupt nichts passiert», erzählt er.

Er schrieb Bewerbungen. Doch Antworten erhielt er fast nie. Damit blieb nur die Beschäftigung auf 400-Euro-Basis. In immer wieder anderen Hamburger Restaurants. «Davon kann man keine Familie ernähren, auch nicht für die Rente vorsorgen», musste er der Realität ins Auge sehen.

Sehnsucht nach Deutschland

Weil Deutschland ihm keine Chance gab, suchte der Familienvater seine Chance in England. Und er bekam sie. Dort durfte er wieder studieren. Und er fand gleichzeitig Arbeit. «Zwar auch dort nicht in meinem Beruf. Aber eine Firma nahm mich, weil sie meine technischen Kenntnisse schätzte», erzählt er. Die habe zwar wegen der Wirtschaftskrise zumachen müssen. Doch der gebürtige Afrikaner bekam eine weitere Chance. Eine Zeitarbeitsfirma vermittelte ihm eine Stelle: Er bekam einen festen Vertrag als Teamleiter in einem Lebensmittelunternehmen. «Ich kann teilzeitstudieren, arbeiten und meine Kinder betreuen.»

So konnte er die wenig aussichtsreiche Situation in Deutschland hinter sich lassen. Trotzdem sagt er: «Ich liebe Deutschland. Noch immer.» Und er würde gern zurückkehren. Denn obwohl ihm Steine in den Weg gelegt wurden, sei er von den Menschen, mit denen er gearbeitet hat, immer gut behandelt worden.

Quelle:
Nachrichten -
Gesellschaft Nachrichten -
Auslandsabschlüsse – Gescheitert am deutschen Arbeitsmarkt

Tags: Arbeitslosigkeit | Arbeitsmarkt | Ausbildung | Beruf | Job | Karriere

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