Gesänge fremder Völkerschaften: Der König der Straßenklampfer

Heringsdürr steht er da, die dünnen Hüften schaukeln den Hula-Ring, die rechte Hand schlägt energisch auf die Gitarrensaiten ein. "Easy", singt Emery Carl, der selbsternannte König der Straßenkünstler von Seattle, die Füße in den Bergsteigerstiefeln steppen, der Hula-Ring kreist, in der Hand klappert eine Rassel, zwischendurch quäkt die Mundharmonika und wenn es sich nur irgendwie machen lässt, stellt sich der Busker King sein Instrument aufs Kinn, um bei weiterlaufendem Gesang ein bisschen zu akrobatisieren.
Seit zehn Jahren steht Carl am großen Pikes-Touristenmarkt der Metropole, die einst Rockheroen wie Jimy Hendrix und Kurt Cobain hervorbrachte. Verglichen mit denen oder mit vielen anderen Beiträgen zur preisgekrönten kultur- und globalisierungskritischen PPQ-Reihe Gesänge fremder Völkerschaften sind die musikalischen Künste des hageren Einzelkämpfers mit dem glattrasierten Michael-Stipe-Kopf eher handfester Natur. In "I love my Mum", einem seiner großen Publikumserfolge, zelebriert Emery Carl seine Mission des "Walk Play and Sing of Life Love and the Essence of Being" zu zwei groben Akkorden. Der Refrain verzaubert dann mit Variationen von "I love my Mum", "I love my dad" und "I love my dog". Andere Nummern des Königs der Straßenklampfer sind ähnlich stabil in der Saitenlage, hochemotionales Geschrammel verzückt die Laufkundschaft, weil Carl sie mit Gitarrenakrobatik, lockeren Sprüchen und breitem Grinsen aufwertet.
Vier bis fünf Stunden täglich singt und tanzt Emery Carl, der sich selbst einen "modernen Troubadour" nennt, am Pikes Market. Vor sich einen Gitarrenkoffer, der sich zumindest bei einigermaßen schönem Wetter schnell mit Dollarnoten füllt, neben sich die Ersatzgitarre, unter sich ein paar zusätzliche Hula-Reifen, die er kreisen lässt, wenn mal was richtig Spektakuläres geboten werden soll. "Mein Geheimnis ist", sagt er, "dass ich nicht über das nachdenke, was ich mache". Er probiere es lieber einfach aus. Alle seine Tricks sind so entstanden, das Jonglieren mit zwei Gitarren, das Balancieren von drei Hula-Reifen, das Spielen auf einer Klampfe, die er freihändig auf der Kinnspitze balanciert. Kann man denn davon leben, fragen ihn die Leute immer wieder. Sieht ganz so aus, sagt der Busker King dann.
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