gelesen im Juli – Buchtipp #3

Von Maria Glatz

Barfuß in Manhatten von Colin Beaven
mein ökologisch korrektes Abenteuer

neuer Titel, gleiches Buch: Alles öko! Ein Jahr im Selbstversuch

Und schon wieder ein Buch über einen Selbstversuch, ein Jahr lang etwas zu tun oder zu lassen. Ich mag solche Bücher einfach echt gerne, aber dieses hier mag ich ganz besonders.

Colin Beavan schreibt so nachdenklich und reflektiv. Er stellt so viele Fragen im Buch, die gar nicht alle beantwortet werden (können), die ich mir aber immer wieder auch selbst gestellt habe.

Aber alles von Anfang an. Ziel des Projektes war, ein Jahr lang als Familie (Colin, Michele und Tochter Isabelle) mitten in New York City so zu leben, dass der Umwelt unter dem Strich kein Schaden zugefügt wird.

Das funktioniert natürlich nicht immer vollständig, daher wurde folgende Gleichung aufgestellt:

Negative Auswirkung + Positive Auswirkung = kein Netto-Schaden

Um sich und die Familie nicht zu überfordern wurde das Projekt in mehreren Stufen gestaltet. In der ersten Phase des “No Impact-Projektes” wurde der von der Familie ursprünglich verursachte Müll auf 0 reduziert. Die nächste Stufe sah vor, den CO² Ausstoß zu verringern und daher keine Verkehrsmittel mehr zu benutzen. Alle Wege wurden zu Fuß oder mit Hilfe von Roller oder Fahrrad bewältigt. Auch auf den Aufzug/Lift wurde verzichtet und die vielen Stockwerke zu Fuß erklommen.

Als nächstes wurde das Ernährungsverhalten in Frage gestellt und aus Umweltschutzgründen wurde darauf verzichtet, Fleisch zu essen. Danach wurde der Konsum von Kleidung, Spielzeug, Haushaltsgeräten und dergleichen unter die Lupe genommen um sich die Fragen zu stellen: “Ist es überhaupt möglich, nicht zu konsumieren? Kommt man zurecht, wenn man nichts kauft? Nichts benutzt?” Was unmittelbar zur Frage führt “Wenn Konsum schlecht ist, ist dann null Konsum gut?”

Schließlich wurde der Strom abgedreht, womit auch ein Großteil der Technik nicht mehr zur Verfügung stand, vor allem kein Kühlschrank und kein Tiefkühlschrank. Das Leben veränderte sich entscheidend, da aufgrund der fehlenden künstlichen Lichtquelle der ganze Lebensrhythmus umgestellt werden musste. Und dann war da noch die Frage nach dem Waschen der Wäsche, wenn kein Strom für die Waschmaschine vorhanden ist.

Die letzte Phase stand unter dem Motto “Gutes tun, um den Schaden aufzuwiegen”.

Paradoxerweise waren es nicht die Müllvermeidung und all die anderen Maßnahmen, die am meisten ausgerichtet haben, sondern die Tatsache, dass ich die Leute daran beteiligt habe. Dass sie verfolgen konnten, wie ich es versucht habe und was dabei herausgekommen ist. Und ich habe zu meiner Überraschung festgestellt, dass ich die Menschen um mich herum durch mein Tun verändern kann.

Es geht nicht um die Frage, ob der einzelne etwas ausrichten kann. Die richtige Frage lautet, ob man zu den Leuten gehört, die es versuchen wollen, so Colin rückblickend über sein Experiment.

Mit diesem Buch möchte Colin Beaven zeigen, dass es in seiner Verantwortung liegt, die Welt zu retten. Gleichzeitig ist es aber schon auch ein Stück weit als Aufforderung zu verstehen, dass jeder Mensch ebenso die Verantwortung übernimmt und sich auf den Weg macht, etwas für unsere Welt zu tun.

Meine Gedanken zu dem Buch:

Ganz besonders gut gefallen hat mir an diesem Buch, dass Colin Beavan bei den einzelnen Veränderungen nicht nur den Verzicht und die positive Auswirkung für die Umwelt in den Mittelpunkt stellt, sondern zeigt, dass genau diese Veränderungen auch sehr viel Positives für die Familie bedeutet haben.

Als der Fernseher ausgeschaltet wurde, war auf einmal so viel Zeit für gemeinsame Unternehmungen da, wie vorher nie zuvor. Die Fortbewegung zu Fuß und mit dem Fahrrad hat die körperliche Fitness gesteigert und das Diabetesrisiko von Michele ist verschwunden. Durch das fehlende künstliche Licht hat sich der Tagesablauf so verändert, dass plötzlich viel mehr Zeit für die Tochter vorhanden war.

Ich denke, dass wir im Alltag viel zu viel hinnehmen ohne das, was wir immer so machen, in Frage zu stellen. Durch solche radikalen Veränderungen haben wir die Möglichkeit neue Wege zu entdecken. Für mich ist das sehr inspirierend.

Linktipp:

Colin Beavan
Blog “No Impact Man”
“No Impact Project”
Video zum “No Impact Project”
Buchtrailer “Barfuß in Manhatten”
Zeitungsbericht über Colin Beavan und sein Buch (deutsch)

Lesung aus dem Buch:


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