Geldgierige Fifa ignoriert Fußballkultur

blatterDe Volkskrant – Niederlande

Der Weltfußballverband Fifa hat die Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 an Russland und Katar vergeben. Für die leer ausgegangenen Bewerber Belgien und die Niederlande ist das kein Grund zur Trauer, meint die Tageszeitung De Volkskrant: "Die Fifa fordert [von einem Austragungsland] unter anderem eine allgemeine Steuerbefreiung, rechtliche Immunität für alle Fifa-Funktionäre und Aussetzung aller Arbeitsschutzregeln. Dazu kommt, dass die Fifa selbst wegen Korruptionsaffären und Vetternwirtschaft immer stärker ins Gerede kommt.

Quelle: Eurotopics

… Wir sind ihnen bei der Zusage der gewünschten Privilegien zu wenig entgegen gekommen. Die Wahl für Russland und Katar zeigt einmal mehr, dass die Fifa die Länder bevorzugt, die bereit sind, unbegrenzt in ein Turnier zu investieren und ihr keine Steine in den Weg zu legen. Solange das bei der Fifa höher bewertet wird als der demokratische Status eines Lands oder die herrschende Fußballkultur, ist der Weltverband für ein Land wie die Niederlande ein wenig attraktiver Partner." (03.12.2010)

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Wie viel kostet eine Fußball-WM?

Die nächste Affäre für Sepp Blatter und die Fifa: Zwei Vorstandsmitglieder des Fußball-Weltverbands sollen korrupt sein – und ihre Stimme für die Vergabe der WM 2018 gegen Geld angeboten haben.

Quelle: Sueddeutsche

Der übliche schmutzige Vorgang, die übliche heilige Erregung: Wieder mal werden Spitzenfunktionäre des Weltfußballverbandes Fifa bei offenkundig korrupten Handlungen erwischt, wieder kümmert sich um die, nun ja: "Aufklärung" der Affäre das schärfste und unabhängigste Organ, das man sich vorstellen kann: die Fifa selbst. Laut Bild- und Tonmaterial sowie einem Bericht der britischen Sunday Times haben zwei Vorstandsmitglieder der Fifa eingewilligt, gegen Geld für die WM-Vergabe in einem Bewerberland zu stimmen.

Ein Funktionär soll bei Treffen mit Reportern, die sich als Unterhändler des WM-Kandidaten USA ausgegeben hatten, 570.000 Euro für sein Votum gefordert haben, der andere gar 1,6 Millionen. Die Forderungen seien als fromme Spenden für die Sportentwicklung deklariert worden, so hätten die Stimmanbieter vorgetragen, mitzuhören ist es auf Audioclips. Am 2. Dezember vergibt die 24-köpfige Fifa-Exekutive, in der auch Franz Beckenbauer sitzt, die WM-Turniere 2018 und 2022.

Ein wenig ärgerlich dürfte dies bodenlos naive Vorgehen der zwei Funktionäre aus Afrika und Ozeanien schon sein für Verbandsboss Sepp Blatter und seine Fifa-Granden. Just vor dieser WM-Doppelkür sind die Geldtöpfe ja besonders gut gefüllt. Es balgen sich nicht nur zahlreiche Bewerber, sondern darunter mancher, den man als äußerst freizügig kennt. Etwa Putins Russen, die als Favorit in die Entscheidung für 2018 gehen und schon beim letzten sportpolitischen Triumph im Jahr 2007, als Sotschi die Winterspiele 2014 ergatterte, mit allerlei anrüchigen Maßnahmen hantiert hatten.

Oder Katar, ein glutheißer Sandstreifen am Golf mit knapp den Ausmaßen von Ost-Timor oder den Bahamas; dort dürften die WM-Stadien gegebenenfalls in Sichtweite stehen. Doch Katars Fußballchef Mohamed Bin-Hammam ist mächtig. Er war Blatters stiller Wahlhelfer, galt als Mann mit dem Koffer. Heute steht er massiv gegen den Präsidenten. Blatter habe ihn hintergangen, als er sich 2009 an der Spitze des Asien-Verbands bestätigen lassen wollte; Bin-Hammam schaffte es nur mit Mühe zurück ins Amt.

Der Katarer und sein mächtiger Verbündeter Chung Mong-Joon, Verbandsboss in Südkorea und Spross der Autobauerdynastie Hyundai, buhlen beide um die WM 2022; ihren im Frühjahr gemeinsam angedrohten Großangriff auf Blatters Fifa-Thron, der ja im Juni 2011 vakant wird, haben sie zurückgestellt. Offenbar um abzuwarten, ob Blatter die WM-Vergabe im Dezember so gestaltet, dass ihm die Aufrührer nach passender Entscheidung wieder gewogen sind.

Dann ist da Milliardär Frank Lowy, der hinter Australiens Bewerbung 2022 steht. Dort gab es schon Ärger um Perlengeschenke an Fifa-Funktionärsgattinnen, auch sorgt für Unmut, dass Lowys obskure Lobbyisten-Riege mit Steuergeld bezahlt werden soll; im Erfolgsfall geht es um Millionen. Mit dabei einer, der den Blick auf Deutschland lenkt: Fedor Radmann. Der Intimus von Fifa-Vorständler Beckenbauer ist häufiger Gast im Zentrum von Filz und Sport. Man hat ihn auch noch aus der Bewerbung und Organisation der WM 2006 hierzulande in Erinnerung.

Um so peinlicher wirkt im konkreten Fall, dass Radmanns diskretes Wirken in Lowys Reich auf einem Deal des DFB mit Australiens Verband FFA gründet. Er soll über die Agentur seines Münchner Geschäftspartners Andreas Abold angebunden sein, beide stellten die Tätigkeit an sich vor Monaten nicht in Abrede. Umso delikater, falls Millionen fließen, wenn Australien siegt – und in der Fifa Beckenbauer mit abstimmt.

Geldgierige Fifa ignoriert Fußballkultur

Verhängnisvolle Videomitschnitte

Nun also die Times-Affäre. Der afrikanische Vorständler traf die als US-Geschäftsleute getarnte Reporter in London und Kairo. "Wenn Sie das Geld investieren", soll der Funktionär gesagt haben, "heißt das natürlich, dass Sie auch die Stimme haben wollen." Ein Videomitschnitt des Gesprächsverlaufs soll der Fifa zugehen. Na und?

Der Funktionär behauptet, dass er mit der 570000-Euro- Spende Fußballplätze in der Heimat bauen ließe, er habe da Privatprojekte laufen- wenn einer so viel Sportsgeist zeigt, können ihn die Kollegen da fallen lassen? Und: Wird es eine Rolle spielen, dass er die Überweisung gern auf das Konto eines in Europa tätigen Verwandten erhalten hätte? Der andere Vorständler soll knapp das Dreifache verlangt haben, zur Einrichtung einer Sportakademie.

Geld ist keines geflossen, vorläufig halten sich die Betroffenen öffentlich ebenso bedeckt wie die Fifa, die ja nun erstmal in Ruhe ermitteln will und beruhigend auf ihre Ethik-Kommission verweist. Die jedoch, analog zur Einrichtung beim Internationalen Olympischen Komitee, in Ernstfällen nutzlos ist und in der Leistungsbilanz nur der Erheiterung dient. Kommissionschef ist übrigens Claudio Sulser, ein ehemaliger Fußball-Profi und Tessiner Anwalt, der mit Blatters Segen amtiert.

Die degenerierte Fußballwelt wird sich also wieder selbst untersuchen. Jene Fifa-Vorständler, die erst im Juli, während der WM, unter der letzten Korruptionswelle elegant weggetaucht sind. Damals gab die Staatsanwaltschaft im Schweizer Kanton Zug bekannt, dass sie ihre Bestechungsermittlungen gegen hohe Fifa-Funktionäre nur eingestellt habe, weil die den "objektiven Tatbestand zugeben": Sie hatten Millionen kassiert, die dem Weltverband gehörten.

Klar ist mit der neuen Affäre nur: Englands WM-Bewerbung 2018 dürfte erledigt ein. Dies Störfeuer ist unverzeihlich, es trägt Unruhe ins lukrative Kulissengeschacher: Was, wenn die Beschuldigten nun unter Druck geraten und auspacken, was generell läuft? Einer hat schon angedeutet, dass ihm weitere Angebote vorlägen.

Bin-Hammam war kürzlich schon dafür, dass im Dezember nur die WM 2018 vergeben wird, die Kür 2022 könnte noch vier Jahre warten.



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