[Gedanken über] … Autoren und ihre Romane

Ich hatte es in meiner Review zu Rubinrot ja schon angemerkt und jetzt endlich komme ich auch dazu, meine Gedanken darzustellen.

Vorweg möchte ich aber eines festhalten, das mir wirklich wichtig ist: es geht mir nicht darum, einen Autoren schlecht zu machen oder ihm böse Dinge zu unterstellen. Als Literaturwissenschaftlerin vergleiche ich ganz automatische die Werke eines Autoren miteinander, ohne dabei gleich eine Wertung vor zu nehmen. Nun möchte ich also meine Eindrücke und würde mich über eure Meinung dazu freuen.

Ich habe über Weihnachten den Roman Silber von Kerstin Gier gelesen und fand ihn, mit Abstrichen, wirklich gut. Für mich war es zwar offensichtlich ein “Auftakt”-Buch zu einem Mehrteiler, dennoch waren mir die Figuren sympathisch, die Handlung interessant. Das große Plus bei Kerstin Gier ist –für mich- ihr Schreibstil: locker, jugendlich, humorvoll, leicht zu lesen. So fliegen die Seiten schnell vorüber.
Dann habe ich mir vor einiger Zeit den Film Rubinrot angesehen. Er basiert auf dem ersten Band der Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier. Das Buch habe ich noch nicht gelesen, werde es in nächster Zeit auch nicht zwingend tun. Denn die Konzeption finde ich zwar interessant, aber nicht so fesselnd, als dass ich sofort zum Buch greifen müsste.

Dennoch habe ich schon zu Beginn des Films gestutzt. Die Hauptfigur Gwen erinnerte mich doch stark an die Hauptfigur aus Silber, an Liv. Als erste, banale Gemeinsamkeit: beide lassen sich nur mit einer Kurzform ihres eigentlichen Vornamens rufen. Doch auch ihre Charaktere ähneln sich: beide sind tollpatschig, vorlaut, hinterfragen die Dinge mehr als andere und beide sind etwa 16 Jahre alt. Zudem scheinen sie in ihrem Umfeld bzw. in ihrer Altersgruppe (in der Schule o.ä.) so etwas wie Außenseiter zu sein. Liv durch die Tatsache, dass sie ständig den Wohnort gewechselt hat und Gwen, weil sie zum einen zu einer wohlhabenderen Familie gehört und zum anderen ist sie in der Familie so etwas wie das schwarze Schaf.

Auch in der Familie lassen sich Ähnlichkeiten finden: in beiden Welten gibt es keinen Vater, der eine nennenswerten Rolle in der Handlung spielt. Beide haben eine eher ungewöhnliche Mutter: bei Gwen ist die Mutter eine “Andersdenkende” in der Familie, bei Liv ist die Mutter verstreut, sprunghaft und teilweise egoistisch.

Kommen wir zum Schluss zur Handlung. Sicherlich ist die Grundidee eine andere und es geht auch grundsätzlich um unterschiedliche Dinge. Aber: in beiden Fällen stolpern die Figuren in eine andere Welt (bei Liv in eine Traumwelt, bei Gwen in eine Zeitreise-Welt), von der sie bislang nicht viel wussten. In beiden Fällen werden sie gewarnt, bestimmten Leuten nicht zu vertrauen, da diese vermeintlich gefährliche Pläne haben. Und in beiden Fällen machen die Mädchen erst einmal mit, bis sie anfangen, alles zu hinterfragen.

Das ist jetzt nur eine schnelle und vielleicht eher oberflächliche Betrachtung. Zumal ich hier zwei unterschiedliche Medien vergleiche: Buch und Film. Dennoch finde ich diese Vergleiche sehr interessant. Ich habe die Vermutung, dass Teile davon Aspekte sind, die ein Buch für Jugendliche interessanter macht, die Empathie weckt. Zum Beispiel die Figuren und ihre Familien. Es sind sympathische Charaktere, mit denen man sich leicht identifizieren kann bzw. die man vielleicht gerne als beste Freundin hätte. Auch der Aufbau der Handlung ist recht klassisch. So erzeugt man Spannung und es wirkt zugleich relativ natürlich. (Relativ deshalb, weil ich mich bei beiden Welten daran gestört habe, dass die Mädchen einfach erst einmal mitmachen und später das Denken anfangen…)

Wie gesagt: es ist eine sachliche Beobachtung, keine Wertung. Vor allem keine negative. Es gibt sicherlich noch ein paar andere Autoren, bei denen sich solche Beobachtungen anstellen ließen. Nora Roberts fällt mir da spontan ein.

Was sagt ihr dazu? Habt ihr ähnliches auch schon einmal beobachtet? Stimmt ihr mir zu oder seid ihr ganz anderer Meinung?


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