Gedanken an #Gerhard_Woyda

Gedanken an #Gerhard_Woyda
GERHARD WOYDA bei der Karl Valentin-Premiere im Renitenz 2013. (Foto:Stuttgarter Nachrichten)
Der Mann, der am Freitag, dem 13.Januar 2017 gestorben ist, hat die deutsche Kabarettszene durch immer neue Impulse und Entdeckungen lebendig gehalten, wie kein anderer: Gerhard Woyda war ein stiller Revolutionär, dem Inhalte und Botschaft eben soviel bedeuteten wie seine geliebte Musik. Das "Kleine Renitenztheater", das er 1961 in der Stuttgarter Königstraße eröffnete, leitete die Goldene Ära des deutschen Ensemble-Kabaretts ein. Gerhard Woyda war zum Beispiel der Erste, der ein reines Frauen-Ensemble zusammenstellte, mit dem er mit Riesenerfolg durch die Bundesrepublik tourte.
Ich lernte Gerhard Woyda Anfang der 1970er Jahre kennen, als ich als Jung-Schauspieler mit dem Kabarett "Wiener Werkel" mit Tilla Hohenfels und Fred Weiß eine Woche lang in seinem Haus gastierte. Ein paar Jahre später holte mich Gerhard als Regisseur nach Stuttgart. Ich inszenierte mit einem wunderbaren Ensemble, darunter die großartige Ute Gerlach und der wundervoll komische Walter van Ray, zusammen mit der genialen Choreografin Ursula Fuß-Schwarz das, nach Woydas Aussage, erfolgreichste Programm des "Kleinen Renitenztheaters", das monatelang ausverkauft war. Der Titel des Programms stammte wie auch die meisten Nummern von Gerhard. Da ich als Bühnenbild mit Leiter-Elementen arbeitete, nannte er die Nummern-Revue völlig crazy "Hast du schon die Leiter bestiegen, Emil?"
Dem familiären Verständnis des Hauses entsprach auch das kühne Unternehmen Woydas, mit dem ganzen Ensemble eine Woche Urlaub in St. Tropez zu verbringen , wohlverstanden: jeder auf seine eigenen Kosten , Gerhard bekam von seiner Mutter, die die Kasse wie ihren Augapfel hütete , auch als Erwachsener nur "Taschengeld". Die Wahl war deswegen auf St.Tropez gefallen, weil der durch großartige Filmmusik bekannte Komponist Peter Thomas mit seiner Frau Cordy dort eine Villa besaßen, in die wir öfters eingeladen wurden.
Wenig später stellte ich Gerhard den Studenten Mathias Richling vor, dessen Parodier-Talent mir auf einer Premieren-Feier aufgefallen war. Woyda war sofort begeistert. Es begann eine ungemein ergiebige Zusammenarbeit. Richling war Shooting-Star, die Kritiker überschlugen sich in frenetischen Lobes-Hymnen. Die Zusammenarbeit gipfelte 1973 in dem Karl-Valentin-Programm "Reden Sie!-Jetzt red' ich" mit Gerard Woyda am Klavier, aber auch als kuriosen Mitspieler.
Hier rundet sich der Kreis: 2013 haben wir, Gerhard, Mathias und ich als Regisseur, dieses Programm aktualisiert wieder auf die Bühne gebracht, im "Renitenztheater", das nun unter dem von Gerhard bestimmten Nachfolger, Sebastian Weingarten, eine feste Bleibe im Stuttgarter Hospital-Viertel gefunden hat. Gerhard Woyda zeigte sich in bester Kondition. Unvergesslich bleibt, wie er in der Szene "Der reparierte Scheinwerfer" mit Valentin-Richling in köstlicher Verzweiflung darüber haderte, welcher Scheinwerfer im Theater nun wirklich kaputt sei. Mir bleibt sie im Ohr, diese Sprachmelodie des akkurat lapidaren Aufzählens von Worten, die die valentineske Absurdität so treffend umkreiste.
Die Todesnachricht traf alle, die Gerhard kannten, wie ein Blitz. Sein unerschütterlicher Lebenswille hat diesmal versagt. Ich hoffe, dass, wenn es einen Himmel gibt, ihn Werner Finck als erster begrüßen wird, und danach alle anderen, die er entdeckt oder aus der Versenkung geholt hat wie Gisela May , Zarah Leander oder Gert Fröbe. Das Erbe Gerhard Woydas lastet nun auf den Schultern von seinem Lebensmenschen Sebastian Weingarten. Gerhard aber bleibt die Seele des Renitenztheaters.

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