Gau im Garten: Strahlen strahlen

Gau im Garten: Strahlen strahlenErst die Panikmache, dann die Verhöhnung. Keine zwei Wochen nach dem Tsunami in Japan, der in Deutschland als Angriff von Mutter Erde auf die Atomtechnologie wahrgenommen wurde, versucht das erste deutsche Unternehmen, mit billiger Werbung für Strahlenschutz im eigenen Garten von der grassierenden Kernkraft-Hysterie zu profitieren. "Frühling einfach gemacht", heißt es auf eindeutig-zweideutigen Großplakaten, die zwei junge Katastrophenschützer beim verzweifelten Kühlen eines Kleinreaktors im Hinterhof einer schlichten Bauhaus-Villa zeigen. Der Kommentar dazu: "Strahlen strahlen". Offenbar will das Heimwerker-Paradies so schon vorab für Artikel werben, mit denen sich durch den Wind eingetragene Strahlungsspuren aus dem Garten und von der Terrasse "fegen" (Plakat) lassen.
Kein Zufall. Während die "Welt", bisher eine harmonische Stimme im allgewaltigen Einheitschor der Gau-Prediger, plötzlich die Wirklichkeit entdeckt, wie sie Augenzeugen vor Ort wahrnehmen, sind die Liveticker immer noch auf Katastrophe gebürstet. Der Gau, der am 12. März auf allen Kanälen vollzogen war, sei jetzt "nach wie vor möglich" (dpa), heißt es. "Radioaktive Partikel" aus Fukushima werden "in Deutschland erwartet" und hier mit großer medialer Begeisterung empfangen. Endlich mal wieder was los! Obwohl die in Deutschland erwartete Radioaktivität nach Expertenangaben "sehr, sehr niedrig" sein wird, sei "die Sorge über mögliche Auswirkungen des Atomunglücks von Fukushima weltweit gestiegen".
Eine identische Zeile hätte selbstverständlich auch ein wirklicher Gau zur Folge gehabt. Da der aber nun wohl doch ausbleibt, muss eben "Rauch aus japanischem Atomreaktor Angst vor GAU" schüren, wie Reuters kabelt. "Japan-Horror-Picture-Show" nennt die Kleine Zeitung aus Österreich den Zirkus aus "Ratlosigkeit und Reizüberflutung", der sich als "Berichterstattung zum Super-Gau" (Kleine Zeitung) ausgibt.
Ein nützlicher Idiot allemal: Genau in der Woche, in der die Deutschen Jodtabletten horteten, Scheuerlappen zu Atemmasken umnähten und am Liveticker aus Tokio hinten, der ihnen von morgens bis abends erzählte, was längst geschehen war, weil auch aus Fukushima nachts keine Neuigkeiten kommen, , nutzte die EU die Gelegenheit und führt die Transferunion durch die Hintertür ein. Der "Rettungsschirm", der nie mehr als ein Hilfmittel für den Notfall sein sollte, wurde im Schatten der Kernschmelze um zwei Drittel aufgestockt. "Und das", schreibt Norbert Lohrke auf Wallstreet-Online zum entschlossenen Regierunghandeln in der Aufmerksamkeitslücke, "obwohl man noch vor wenigen Monaten so getan hat, als ob das so nie kommen würde."
Nun ist es so. Da kann auch Frau Merkel wieder strahlen.


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