Gastbeitrag von Melissa Schultz: Gaming-Erfahrung als Karrierekick im Lebenslauf

Gastartikel erweitern regelmäßig unseren Games-Career.com-Blog und sorgen für neue Perspektiven und Meinungen. Heute freuen wir uns über einen Beitrag von Melissa Schultz. Als studierte Kommunikationswissenschaftlerin ist sie heute im Bereich der Online Medien tätig und beschäftigt sich hauptsächlich mit technologischen Entwicklungen und Trends. Kein Wunder also, dass Melissa den Fokus ihres Artikels auf den Zusammenhang zwischen Jobs und Games gelegt hat. Sie schreibt z.B. wann Online-Gaming im Lebenslauf einen positiven Eindruck hinterlassen kann oder wie sich der eSport in Kombination mit der Berufswelt, in den letzten Jahren weiterentwickelt hat. Außerdem berichtet sie, warum ein US-Forscher lieber einen High-Level-World of Warcraft-Spieler als einen MBA von der Harvard-Universität einstellen würde.

Viel Spaß beim Lesen!

Warum die Gaming-Erfahrung nützlich für den Lebenslauf sein kann

In den letzten drei Jahrzehnten haben Online-Videospiele zunehmend das Leben junger Menschen beeinflusst. Wie auch die endlose Debatte darüber wie schädlich Konsolen, Spielhallen und Apps für die besessene Jugend sind. Es wurde argumentiert, dass die Verschiebung von Spielen für draußen auf Videospielen daheim, nicht nur eine Bedrohung für die körperliche Gesundheit ist, sondern eine mögliche Konsequenz auf die Entwicklung der sozialen Kompetenzen. Man muss sich dennoch eingestehen, dass die technologischen Fortschritte ein berechtigtes Interesse auf Gaming geweckt haben und eigentlich anerkannt und respektiert werden sollten. Die Fähigkeit sich zu entwickeln ist ein integraler Bestandteil der Kultur und sogar ein geschätztes Hobby für Personalvermittler in skandinavischen Ländern. In der Tat könnten die Spielerfolge auf Ihren Lebenslauf sogar einen Vorteil gegenüber anderen Bewerbern darstellen. In einer Studie an der RMIT University of Melbourne fand man heraus, dass Teenager die regelmäßig Online-Videospiele spielen sogar ihre Schulnoten verbessern konnten, aufgrund der ausgeprägten mathematischen und wissenschaftlichen Kompetenzen.

„Beim Online-Spiele spielen sind Rätsel zu lösen, um die nächste Ebene zu erreichen und das erfordert einige der allgemeinen Kenntnisse und Fähigkeiten in Mathematik, Lesen und Wissenschaft, die sie im Laufe des Unterrichtes gelernt haben", berichtet Professor Alberto Posso, von der RMIT School of Economics.

eSports hat Gaming weiterentwickelt

Vor zehn Jahren konnte man sich kaum vorstellen, dass wettbewerbsfähiges Spielen eines Tages zu einem legitimen Sport mit Zuschauern werden könnte und Spiele in der Liga sind etwa mit ernsthaften Berufen wie Schach- oder Tennisspieler gleichzusetzen. Noch heute schalten mehr als 150 Millionen regelmäßig ein, um an den Live-Turnieren ihrer Teams teilzuhaben. Genauso ist es auch bei Videospielen: Teams, die aus jungen Profis bestehen, die ihr Leben der Ausbildung widmen, um ein besserer Spieler zu sein. Sie verdienen eine Menge Geld, machen internationale Erfahrungen und haben tolle Reisemöglichkeiten. Um im wettbewerbsfähigen eGaming oder „eSports" ein professionelles Niveau zu erreichen, erfordert es immense Fähigkeiten und Engagement, diese Leistung verdient wahrlich Respekt.

Mit der wachsenden Popularität und Anerkennung des eSports, ist es vielleicht kein Wunder, dass eGaming immer ernster genommen werden kann. Das heißt nicht, dass es den traditionellen Gaming-Stereotypen nicht gibt. Besonders bei älteren Generationen werden die Spieler oft als faul, asozial oder unreif angesehen. In vielen Fällen könnte das der Wahrheit entsprechen. Gaming wird für introvertierte und körperlich inaktive Nutzer ein beliebtes Hobby, vor allem für Jugendliche, die über mehr Zeit verfügen als der durchschnittliche Erwachsene mit einem Vollzeit-Job. Aber es gibt einen Unterschied zwischen einem anspruchslosen, gewöhnlichen Spieler, der sein Wochenende mit Mario Kart spielen verbringt und demjenigen, der viel Zeit und Mühe in ein herausforderndes Spiel wie Dota 2 oder Mine steckt. Die vielen Fähigkeiten, der stetig wachsenden Spieleranzahl beim Gaming sehen mittlerweile auch Personalvermittler.

Eine neue Generation

Die Tatsache, dass auch Personalberater es mittlerweile eingesehen haben, dass ein großer Teil der Jungend als erste Video-Gamer Generation aufwächst und auch selbst irgendwann zu Arbeitgebern und -nehmern wird. Die heutigen dreißig bis vierzig Jährigen haben ein besseres Verständnis für die Spielerwelt und wissen die harte Arbeit, beim Gaming auf höherem Niveau, wahrscheinlich mehr zu schätzen. Spiele wie „World of Warcraft" oder „League of Legends" umfassen komplexe alternative Welten, die reale Gemeinschaften mit einzigartig entwickelten sozialen Strukturen widerspiegeln. Für die Schaffung und Aufrechterhaltung einer Person in dieser Welt, ist sehr viel Geschick und Engagement nötig. Ein erfolgreicher Spieler wird Fähigkeiten benötigen, die gleichermaßen in realen Szenarien anwendbar sind, einschließlich derjenigen die er am Arbeitsplatz antrifft. Teamwork, Multitasking, Problemlösung, Kreativität, Zielsetzung, strategische Planung, Engagement und Kommunikationsfähigkeiten; all dies sind Talente die Personalmanager aktiv bei einem Kandidaten suchen. Diese Fähigkeiten sind durch die bestimmten Spielerfahrungen belegt.

Beeindruckende Motivation

Bedenkt man, dass Spieler ihre Fähigkeiten aus purer Leidenschaft einsetzen, gibt es auch diejenigen für die ein finanzielles Motiv im Vordergrund steht. Meist bekommt der Spieler als Belohnung die Befriedigung, dass er seinen Job gut gemacht hat - wenn Innerhalb des Spiels über sich hinaus wächst und auch andere Spieler unterstützt. Auch beim Online-Poker ist in erster Linie der finanzielle Gewinn das Hauptziel, doch es sieht ganz danach aus, dass Streaming-Plattformen wie Twitch sich zu einem großem soziales Netzwerk entwickeln, wo die Spieler eigenen Poker-Strategien mit Videos und Kommentaren ausleben können.

John Seely Brown, ein Forscher von Organisationsstrukturen, erklärt: „Lieber stelle ich einen High-Level-World of Warcraft-Spieler ein als einen MBA von der Harvard-Universität." Er erklärt weiter „Es ist eine einzigartige Erfahrung, die man zukünftig beim Spielen von World of Warcraft auf einem High-Level macht."

„Diese Gilden können manchmal aus 100-200 Personen bestehen. Sie arbeiten nicht nach einer für sie motivierten oder entlohnenden Bonus-Struktur, sondern aus Leidenschaft und Interesse. Diese Gruppen wollen lernen, neue Idee ausprobieren und festigen" - John Seely Brown.

Die verstärkte Nutzung von Gaming-Technologie am Arbeitsplatz

Die gewöhnlichen Spiel-Simulationen werden nun auch Trainingstechniken für Piloten, Mechaniker und andere Berufe verwendet. Die Wirksamkeit der Ausbildung durch die Trainingsspiele kann als „experimentelles Lernen" bezeichnet werden. „Das spielerische Lernen gegenüber dem vorsätzlichen Training" ist ein guter Nebeneffekt und die Studien belegen eine größere Effizienz gegenüber dem erzwungenen Lernen. Die Akzeptanz der Spiele in Schulen und professionellen Kursen ist deutlich höher als zuvor, da der Wert von Spielen besser verstanden wird. In den skandinavischen Ländern ist die generelle Einstellung besonders fortschrittlich wenn es um Spiele geht. Viele Bildungseinrichtungen bieten nach der Schule Spiel-Clubs als Alternativen zu den traditionellen Sportarten an.

Eine zunehmend digitalisierte Welt fordert unterschiedliche Standards und wir sehen wie sich diese auch innerhalb des Personalmanagements zunehmend ändert. Natürlich wird es nicht immer angemessen sein „Gaming" als Hobby auf dem Lebenslauf zu erwähnen. Einige Unternehmen bevorzugen beim Bewerben, noch die traditionelle Weise, da nicht alle Arbeitgeber zur jüngeren, technisch versierten Generation gehören. Im Zweifelsfall könnte es klüger sein, auf Nummer sicher zu gehen. Ansonsten gelten Spielerfolge als relevant, wenn sie für mit den Anforderungen des Arbeitgebers übereinstimmen.

Möchtest auch du einmal deine Gedanken im Games-Career Blog teilen oder kennst ein spannendes Themen, über das du unbedingt berichten willst? Dann schreibe uns doch einfach unter [email protected]. Wir freuen uns immer über Vorschläge für Gastartikel!

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