Ganz und gar nicht lächerlich

Was würden Sie mit einem Drucker machen, der 80 cm breite, endlose Bahnen bedrucken kann, wie ihn Architekten verwenden? „JR“, wie sich der französische Künstler nennt (JR steht für Juste Ridicule, übersetzt etwa mit „Einfach Lächerlich“) druckt darauf seine überdimensionalen Portrait-Fotos, die er an den verschiedenen Brennpunkten in der Welt aufgenommen hat und plakatiert damit Wände, Häuserfassaden oder Mauern.

JR, UNFRAMED, un groupe posant dans une barque amar rée sur la plage revu par JR, vers 1930,
Marseille, 2013 © JR, 2014 JR, 28 Millimètres: FACE 2 FACE, separation wall, s
ecurity fence, Palestinian side, Bethlehem, 2007
© JR, 2014 JR, 28 Millimètres: Women Are Heroes, Action in Kib
era Slum, Train Passage 3, Kenya, 2009 © JR,
2014

Ein paar Beispiele: Drei Geistliche (ein Rabbi, ein Priester und ein Imam) machen lustige Grimassen, während JR auf den Auslöser drückt. Er klebt die Bilder an die Mauer in Jerusalem. Ein vorbeifahrender Autofahrer versteht die Welt nicht mehr. Lustige Bilder an einer eher traurigen Mauer – wie soll das zusammen passen? „Genau“, antwortet der Pfarrer der vom Autofahrer auf einem der Bilder erkannt wird, und ergänzt „es ist absurd. Genauso wie diese Mauer, die mehr Probleme als Lösungen schafft.“ Beide stimmen überein und verabschieden sich lachend. Das Gespräch dauert gefühlt keine 20 Sekunden. Zum Glück hatte ich meine Scheu vor dem iPhone-ähnlichen Multi-Media-Guide überwunden. Und so konnte ich fasziniert dieser und anderen Geschichten rund um die Foto-Aktionen lauschen, während ich die überdimensionalen Fotos betrachtete. Zugegeben, man kann sich die Ausstellung im Friedet Burda Museum auch ohne Kopfhörer anschauen. Aber dann wäre sie doch nur halb so viel wert. Für 4 Euro gibt es zahlreiche Hintergrundinformationen, Videos und Interviews zu sehen / hören. Ein paar Fragen bleiben dennoch unbeantwortet: Warum versteckt sich der Künstler hinter „JR“ ? Warum hat er damals den Fotoapparat mit dem alles anfing, den er angeblich in einer Pariser U-Bahn gefunden hat, nicht als Fundsache abgegeben? Warum erfahren wir nicht mehr über die Lebensläufe der Menschen, die JR portraitiert hat? Angesichts der großen Themen, die JR behandelt, vermutlich kleinliche Fragen.

Ein paar Beispiele: Wenn er das Bild einer Großmutter eines ermordeten Jugendlichen aus Brasilien auf eine große Treppe klebt – der Junge gehörte zu einer dreiköpfigen Bande, die von der Polizei aufgegriffen und einfach in eine anderen Gegend freigelassen wurde, wo eine befeindete Jugendbande ihn und die anderen beiden tötete.

Oder Portraits von Menschen wie du und ich. Jeweils zwei Personen, die den gleichen Beruf haben, nur einer anderen Religion angehören: Muslime und Juden. Auf der Straße diskutierten Menschengruppen, wer welcher Religion angehört… als ob das noch wichtig ist.

JR´s Bilder und Aktionen kann man noch bis Ende Juni in Baden-Baden auf sich wirken lassen. Ein faszinierendes Werk. Danke Burda.

Mehr Infos unter: http://www.museum-frieder-burda.de/JR.1060.0.html