"Gabriel": Realität und Imagination sehr dicht beieinander

Zum Inhalt heißt es im Klappentext weiter: „Der 17-jährige Gabriel spürt, dass er ein Engel ist. Und er hat einen Auftrag, den nur er erfüllen kann: er muss Seraphin stoppen, einen Todesengel, der ihn bedroht und wahllos Menschen tötet. Als Seraphin einen weiteren Mord ankündigt, sieht Gabriel nur noch eine Chance ... oder ist es schon zu spät?"   Helden dieser Geschichte sind der 17jährige Gymnasiast Gabriel (als Ich-Erzähler), seine geliebte Freundin Sonja und ein Neuzugang in der 11. Klasse, Seraphin. Eine nicht unwesentliche Rolle im Geschehen spielt auch Herr Udoriwitsch, ihr Mathelehrer. Und Mathe ist für Gabriel ein absolutes Haß-Fach. Der neue Schüler, ein Mathe-As, bekommt von diesem Lehrer einen Platz neben Gabriel zugewiesen. Wobei Gabriel den Neuen auf den ersten Blick nicht ausstehen kann. Aber es entwickelt sich zwischen beiden dennoch so etwas wie eine Haßliebe. So viel zu den Personen.   Die Geschichte spielt überwiegend im Jahre 2012, doch eigentlich begann sie bereits im Dezember 2009: „Liebe macht blind.", so der erste Satz dieses Kapitels, „Und ist gefährlich." (S. 16) An diesem Tag will sich Gabriel mit Sonja treffen, um mit ihr Eis essen zu gehen. Doch er ist bei der Straßenüberquerung unachtsam und wird von einem BMW in voller Fahrt erwischt. Erst im Krankenhaus wacht er wieder auf. Körperlich war ihm aber nicht viel passiert: „Weil ich wusste, dass ich ein Engel war." (S. 19)   Ab jetzt spielt sich Gabriels Leben auf zwei Ebenen ab: als ganz normaler Schüler und immer wieder als gefühlter Engel.   Diese zwei Ebenen werden von der Autorin auch visuell sichtbar gemacht: in Form eines ganz normalen Buchtextes, der aber regelmäßig durch Reproduktionen von handschriftlichen Notizen auf karierten A4-Blättern unterbrochen wird. Die erste Notiz lautet: „Ich glaube, dass ich zu viele Konsekutivsätze verwende." (S. 27) Gerade diese Reflexionen helfen, die Persönlichkeit Gabriels, seine Bewußseinsspaltung, zu erkennen, besser zu ergründen.   So heißt es auf S. 159: „Wer war das noch mal, der gesagt hat, wir alle wandelten auf einem schmalen Pfad des Normalseins und nur ein falscher Schritt nach links oder rechts führe in den Wahnsinn..."   Die Geschichte endet damit, daß erst Seraphin und dann auch Gabriel sterben, wobei Gabriel das Ganze als ein „Duell der Engel" ansieht. Seraphin als die Verkörperung des „Bösen", der andere tötet und letztlich auch Sonja nach dem Leben trachtet. Deshalb muß er - als Engel - Seraphin töten. Zum Schluß offenbart Gabriel Sonja, daß er ein Engel sei und will ihr das beweisen und vorführen, daß er fliegen könne...   Kaja Bergmann zeigt mit diesem Buch großes Erzähltalent; ihr Buch liest sich gut und hat durchaus etwas von einem Thriller. Ihr Stil: Kurze Sätze. Präzise. Ausdrucksstark.   Und so läßt sie beispielsweise den Ich-Erzähler auf S. 62 über sich selbst sagen: „Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Was war in meinem Kopf, was war draußen? Realität und Imagination zu dicht beieinander. Die Bilder überall. Egal wo ich hinsah, sie erwarteten mich schon. Lachten mich aus. Hämisch, feixend."   Nur, dem Rezensenten, dem Teenager-Alter seit langem entwachsen, kann sich der Inhalt, kann sich die Botschaft von Kaja Bergmanns Geschichte doch nicht (ganz) erschließen. Was ist Realität? Was ist Traum? Was ist pure Wahnvorstellung?   Woher kommt Gabriels Wahn, ein Engel zu sein? Liegt es an christlicher Indoktrinierung seit frühester Kindheit? „In den ersten beiden Stunden habe ich Reli gehabt (seit zwei Jahren finde ich dieses Fach äußerst lustig)..." (S. 58) Seit zwei Jahren findet er Religion lustig, also seit seinem Autounfall...   Eine Antwort zu finden, dabei hilft vielleicht das Kapitel über den 28. Mai, gut eine Woche vor Gabriels Tod: „Deutsch. Ich saß tatsächlich im Deutschunterricht. (...) Romantik, das war mein absolutes Lieblingsthema. (...) ‚Eine Flucht ins Reich der Fantasie ist tatsächlich ein zentrales Thema.‘ (...) Weltflucht." (S. 124/125)   Ergänzt wird das durch ein Notizblatt, einen Tag später: „Analysiere das vorliegende Gedicht von Novalis. Was erfährst du über die Romantik?" Hier hat Gabriel zwei Zeilen des Novalis-Gedichts besonders hervorgehoben: „Dann fliegt vor einem geheimen Wort, das ganze verkehrte Wesen fort." (S. 151) Dieses Blatt insgesamt scheint der Schlüssel zu sein...   Zuallerletzt findet der Leser dann noch die Reproduktion eines (fiktiven) Zeitungsartikels mit der Überschrift bzw. Unterzeile: „Weiterer Selbstmord - 17-Jähriger springt vom Dach." (S. 167)   Hier wird die Geschichte kurz in anderer, alltagsweltlicher, Weise erzählt: daß Gabriel nach einem Autounfall des öfteren Ohnmachtsanfälle gehabt und daß er sich für einen Engel gehalten habe und letztlich beweisen wollte, daß er fliegen könne und im Zustand geistiger Verwirrung von einem Dach gesprungen sei. - Von der Imagination zurück in die Realität, in eine mögliche Realität.   Siegfried R. Krebs   Kaja Bergmann: Gabriel - Duell der Engel. Roman. 168 S. Klappenbroschur. Edition 211 im Bookspot-Verlag. München 2013. 12,95 Euro. ISBN 978-3-937357-74-4

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