Frühlingskampagne gegen Arbeitlose unter Problemlösungsverdacht

Für fast einen ganzen Tag sah es so aus, als ob die diesjährige Hexenjagd auf Hartz-IV-Empfänger doch noch ein Happy-End erlebt: Nachdem Frank Steffel erfolglos versucht hatte, Gutscheine zu rauchen und zu saufen, schien der Wutbürger endlich seinen angsterfüllten Blick von den Atomkraftwerken abzuwenden und stattdessen auf Menschen einzuschlagen, die einen nicht mal verklagen, wenn man auf ihnen herumtrampelt.

Doch das Unfassbare geschieht:

Nachfrage steigt langsam
Focus.de

Bitter, aber wahr:

Vielerorts haben weniger als zehn Prozent der Berechtigten Bildungsleistungen beantragt. Doch jetzt steigt die Nachfrage.
Welt.de

... natürlich übertitelt mit...

Zu wenig Eltern zeigen Interesse an Bildungspaket

Die Kommentare zeigen: Die Strategie geht noch immer auf. Bald schon werden die entsprechenden Erhebungen in den Städten aber ernste Löcher in den Ballon schießen und es sogar in die Überschriften schaffen... so zum Beispiel...

Gelungener Start des Bildungspakets in Dresden Frühlingskampagne gegen Arbeitlose unter Problemlösungsverdacht

... und dann haben stattdessen wieder alle Angst vorm Tanken, und die ersehnte Profilierung neuer großer CDU- und FDP-Talente bleibt dieses Jahr aus -  ein grauenhafter Gedanke. Was ist geschehen?

Tatsächlich hat Ursula von der Leyen mal sowas wie die Antwort: Scheinbar hat sie, voll ausgelastet mit der Beweihräucherung ihrer Person ob der gelungenen Erschaffung des Paradieses für Hartz-IV-Kinder vergessen, den Betroffenen zu schreiben, das es seit Anfang April soweit ist. Blöde Geschichte. Will sie jetzt wohl auch nachholen, hat einfach nicht mehr in den Vordruck gepaßt, den sie geschickt hat, um über die Erhöhung zu berichten.

Dank des Steffel'schen Selbstversuchs hat das Bildungspaket jetzt aber ordentlich Öffentlichkeit bekommen, und neben Wut, Ärger und Zorn schwirren sogar vereinzelt Details über Möglichkeiten und Voraussetzungen durch die Medien.

Ergebnis: Problem gelöst. Frühlingskampagne gegen Arbeitslose aber schon wieder fast am Ende. Also wieder ein kleiner Tipp von mir:

Mohammed A. hat dort für zwei seiner Kinder in dieser Woche Zuschüsse beantragt und zwar für einen Tanzverein, Mittagessen in der Schulen und für Nachhilfe. Die Gutscheine hat er bereits bewilligt bekommen. Doch kann der 54-Jährige damit jetzt trotzdem nichts anfangen. Seine Kinder sind dagegen. Sie wollen nicht, dass an der Schule durch die Gutscheine öffentlich wird, dass ihr Vater arbeitslos ist.
(...)
"Ich konnte die Kurse oder das Schulessen bislang auch selbst bezahlen. Wir sind sparsam und werden das auch künftig schaffen", sagt Mohammed A. Er hofft auf eine Regelung, die es ermöglicht, dass niemand in der Schule mitbekommt, welche Kinder Bildungspaket-Leistungen bekommen. Diese Zuschüsse seien grundsätzlich lediglich eine kleine Schmerzpille, meint er.

wdr.de

Ja, Sie haben recht, das ist gar kein Material zum Hetzen. Sorry. Frühlingskampagne gegen Arbeitlose unter Problemlösungsverdacht Aber ich glaube, wir kriegen es dieses Jahr nicht mehr gebacken mit der großen Schlacht gegen die Schwächsten in der Gesellschaft.

Probieren wir also mal was Neues: Hören wir Ihnen zu. Schauen wir mal, ob wir ihnen nicht besser helfen können. Oder freuen wir uns übers Wetter.


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