Früher…

Momentan komme ich (wieder) ganz gut die Berge hoch. Allerdings nach 3-4 harten Trainings brauche ich eine Pause oder zumindest einen Ruhetag. Leider kann ich mit vielen Kollegen in meiner „Alterskategorie“ nicht mehr trainieren oder auf  Tour gehen. Regelmässig bekomme ich von den gleichaltrigen Kollegen Absagen und zugleich versteckte Hinweise auf mein Alter und auf meinen anscheinend übermässigen Bewegungsdrang. Dazu kommen die, aus ihrer Sicht,  abnormen sportlichen Zielsetzungen. Meistens tönt es so: Pass auf Du bist auch keine dreissig mehr, gib Dir mehr Sorge, ich warne Dich ich kenne einen der ist tot umgefallen usw. usw…

Ich kommentiere solche Einwände selten oder nie. Ich frage dann einfach nach Ihren momentanen sportlichen Aktivitäten. Regelmässige Antworten wie: Das ist nichts mehr für mich, das tue ich mir nicht mehr an (die meisten haben sich überhaupt nie etwas „angetan“!), das habe ich nicht mehr nötig (dito), meine Knie, mein Rücken, meine Familie, die Zeit oder generell die Gesundheit. Früher versuchte ich immer dagegen zu argumentieren. Zu 99.9% ohne Erfolg. Heute sehe ich gelassen zu wie viele meiner Alterskollegen, Tabletten gegen den Bluthochdruck „verschlucken“, ihre Agenden sich mit regelmässigen Arzt und Therapiebesuchen füllen, sie sich in regelmässigen in immer kürzeren Abständen vom beruflichen und privaten Druck und Stress erholen müssen.  Möglichst im Lehnstuhl vor der Glotze, fachlich kompetent, die Tour de France kommentieren, (sind eh alle gedopt), oder sich über Spinner (wie mich), aufregen. Beliebt ist auch der Hinweis auf die Frau die andere Interessen hat, oder gesundheitlich angeschlagen ist. Als liebevoller Ehemann und Partner bleibt man solidarisch bei Mama zuhause. Anders die Frauen. Einen sportlichen Mann? Aber sicher, ja gerne! Bloss Sport sollte er keinen treiben, denn dann hätte er ja keine Zeit für mich, pardon die Familie. Hinweise wie: ok so fit wie du wäre schon schön, aber das wäre mir zuviel Aufwand, und zudem mir geht es ja sehr gut usw. gibt es jede Menge. Zum Schluss kommen sie dann, die Geschichten von früher! Früher als sie  auch noch locker vor dem Frühstück 3000hm aufs Jungfraujoch gejoggt sind, mit dem Velo, und nur drei Gängen, eine Tour über 27 Alpenpässen in 5 ½ Stunden gemacht haben etc. etc…. Ganz zu Schweigen von den unglaublich, übermenschlichen und bestialischen Leistungen im Militärdienst.

 Männer ich gönne Euch dieses Leben von ganzem Herzen! ABER: nervt mich nicht immer mit Euren Geschichten aus früheren Zeiten!Denn: Passt bloss auf denn: Alte Dummheiten holen uns früher oder später doch immer wieder ein. (Wilhelm Busch)