Friedrich Forssman: Wie ich Bücher gestalte

Wolfgang Krisai: Bücher. Acryl auf Papier, 1988.Friedrich Forssman habe ich auf der Buch Wien einst erlebt, wie er gegen eBooks gewettert und eine Lanze fürs pBook (mein Privat-Terminus für das papierene Buch) gebrochen hat. Er stand damals etwas allein mit dieser Einstellung und hat sich inzwischen entschieden, nie mehr bei solchen Veranstaltungen als das pBook-Feigenblatt dienen zu wollen.

Nun hat er ein dünnes Büchlein über seine Art, Bücher zu gestalten, geschrieben. Von Beruf ist er Typografiker und Buchgestalter, einer der renommiertesten seines Fachs, so weit ich weiß. Von ihm stammt z. B. die Gestaltung der Reclam-Bibliothek, das neue Design von Reclams Universalbibliothek und seit 1990 die Gestaltung der Bücher der Arno-Schmidt-Stiftung.

In seinem Buch geht Forssman alle Schritte, die ein Buchgestalter erledigen muss, der Reihe nach durch, von grundsätzlichen Vorüberlegungen bis zum Design des Bucheinbands.

Für mich war es interessant zu lesen, worüber sich der Gestalter Gedanken macht, während sich der Leser darüber überhaupt keine Gedanken machen muss, ja gar nicht soll. Wenn eine Buchgestaltung so aufdringlich „anders“ ist, dass sie dem Leser auffällt, ist sie nach Forssman schon verfehlt.

Daher fragt Forssmann nicht nach dem Neuen, sondern zunächst einmal nach dem Alten: Die buchgestalterischen Traditionen bergen eine Fülle von kumuliertem Wissen zahlreicher Gestalter, sind sozusagen der bewährte Fundus, aus dem der moderne Gestalter schöpfen kann. Mit Abweichungen davon muss er vorsichtig sein, wenn er seine Leser nicht vergraulen will.

Forssman redet allerdings keinesfalls einer mittelmäßigen Allerweltsgestaltung mit Times New Roman als Grundschrift das Wort. Im Gegenteil, gerade von durchschnittlicher Buchgestaltung hebt sich das gut gestaltete Buch durch bewusstere Überlegungen und Entscheidungen ab.

Neben solchen tiefschürfenden Gedanken enthält das Buch aber auch eine Fülle von Basisinformationen, sodass es sich für Leser gut eignet, die noch keine profunde Sachkenntnis im Bereich der Buchgestaltung besitzen. Schnell gelesen ist es außerdem, hat es doch nur 77 Seiten.

Wenn die anderen Bändchen der Reihe “Ästhetik des Buches” ebenso lesenswert sind wie dieses, kann man dem Wallstein-Verlag nur gratulieren.

Friedrich Forssman: Wie ich Bücher gestalte. Band 6 der Reihe Ästhetik des Buches. Wallstein, Göttingen, 2015.

Bild: Ich muss hier nochmals mein Acrylgemälde von 1988 verwenden, weil es schön gestaltete (und auch inhaltlich ausgezeichnete) Bücher zeigt, auch wenn nicht Forssman der Gestalter war: Thomas Manns Tagebücher, vorne aufgeschlagen; dahinter u. a. die “Hamburger Ausgabe” der Werke Goethes und schräg lehnend zwei Leder-Bände mit Dramen Henrik Ibsens aus der Reihe “Winkler Weltliteratur”. Das blaue Taschenbuch ist ein Band der Werke Samuel Becketts (edition suhrkamp), die beiden gebundenen liegenden Bände stammen aus einer edlen Reihe einer Buchgemeinschaft. Das Glas Pastis bildet den farblichen Kontrapunkt.


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