“Friedensfähigkeit als Gesinnungsmerkmal” (Teil3)

 

Einige Gedanken über den “Friedensbegriff” und Albert Schweitzers Erfurchtsethik (in mehreren Teilen)


Wichtige Lebensstationen des jungen Albert Schweitzer

Im Jahre 1900 wird er hier nach der 2. theologischen Staatsprüfung Vikar. Dabei war er in erster Linie für die Nachmittagsgottesdienste, für die Kindergottesdienste und den Konfirmandenunterricht zuständig.
Im Juli 1900 erworb er sich den Grad eines “Lizensiaten der Theologie” (ein akademischer Grad, der im Rahmen eines Promotionsverfahrens vergeben wurde)

1902 habilitierte er sich als Privatdozent an der theologen Fakultät der Universität Straßburg mit einer Arbeit über das Messianitäts- und Leidensgeheimnis Jesu. Er verfaßte zwei wichtige Werke: “Die Geschichte der Leben Jesu Forschung” und “Die Geschichte der paulinischen Forschung”.
Albert Schweitzer macht deutlich, daß sich der christliche Glaube als Lebenshaltung verwirklichen muß, wenn er diesen Namen verdienen soll.

“Friedensfähigkeit als Gesinnungsmerkmal” (Teil3)

Wirkliches Vorbild statt “Superstar” – Albert Schweitzer genoss “natürliche Autorität”.

 

Im Oktober 1905 entschließt sich Schweitzer, völlig überraschend, Medizin zu studieren, um später als Arzt in Äquatorialafrika zu arbeiten.
“Die Dankbarkeit für das ihm zuteil gewordene Glück ließ ihn noch als Student den Entschluß fassen, etwa bis zum 30. Lebensjahr für Kunst und Wissenschaft zu leben, um sich dan voll in den Dienst des weniger glücklichen Mitmenschen zu stellen. Wie das praktisch aussehen sollte, wußte er damals noch nicht. Doch
im Herbst 1904 fand er auf seinem Schreibtisch einen Aufruf der Pariser Missionsgesellschaft, in dem Mitarbeiter für die Tätigkeit in Gabun gesucht wurden. Nun wußte er, was er tun wollte.” (1)
Die Regierung stellte ihm eine Sondererlaubnis aus, aufgrund der er gleichzeitig Professor und Student sein durfte.

Bis 1912 füllte er außerdem noch zwei Ämter aus, darunter das Pfarramt in der St. Nicolai-Kirche. Diese Tätigkeit führte er über zehn Jahre hinweg aus. Von jener Zeit berichtet er über sein eigenes Handeln als Vorbild und als Erzieher . Das  Motiv hierfür liegt ebenfalls in seiner Jugend. Er schildert seine eigenen Erfahrungen im Konfirmandenunterricht, der für ihn geradezu eine  Herausforderung darstellte.

Die über die Wirkung von Vorbildern

Schweitzers Pfarrer fragte ihn während seiner Konfirmandenzeit, mit welchen Gedanken er seiner Konfirmation entgegengehe. Als Schweitzer keine rechte Antwort gab, wurde er später kalt behandelt. Der Pfarrer schätzte ihn als gleichgültig ein.
“In Wirklichkeit aber war ich in jenen Wochen so bewegt, daß ich mich fest krank fühlte. Die Konfirmation war ein großes Erlebnis für mich.” (2)

Die große Diskrepanz zwischen dem vom Jugendlichen Erlebten und dem vom Vorbild Eingeschätzten war für Albert Schweitzer ein weiteres Schlüsselerlebnis.
Diese für ihn damals leidvolle Erfahrung macht er sich später immer wieder bewußt und versucht solches in seinem eigenen Wirken möglichst zu vermeiden.

“Wie oft habe ich da, wenn mir einer gleichgültig schien, an den lieben Pfarrer Wennagel und an mich denken müssen und mir dann immer gesagt, daß in einem Kinderherzen viel mehr vorgeht, als es ahnen läßt! Auch suchte ich in meinem Unterricht dafür Sorge zu tragen, daß die Knaben mit dem, was sie bewegte an mich herankommen konnten. Zweimal im Monat war ein Teil der Stunden den Fragen gewidmet, die sie mir vorlegten.” (2)

Sich-Hineinversetzen und Feingefühl

Schweitzer verwendet dabei Grundkomponenten, die er nicht etwa aus der Psychoanalyse herleitet. Er gibt den jungen Menschen zwei große Hilfen zum Erstarken: Zum ersten Feingefühl. Der Jugendliche wird nach seinem Sein -also als Person- und nicht nach seinem Schein -gemeint ist der äußere Eindruck- eingeschätzt. Natürlich ist es nich möglich, sich mit einer Art Röntgenblick Einsicht in das Innere seiner Gegenüber und seiner Schüler zu verschaffen,  jedoch bemüht sich Schweitzer, den anderen in seiner ganzen Personentiefe einzubeziehen und zu fördern.

Die Person fördern

Dieses “Fördern” einer Person, ist als praktische Anwendung seiner (später erst entstandenen) Ehrfurchtsethik zu verstehen. Die Beurteilbarkeit eines anderen hat seine Grenzen im Respekt vor der Personentiefe des anderen. Ein Kinderherz ist pädagogisch nicht auslotbar eine Person nicht meßbar, genau wie das Fachwissen nicht das Wesen der Welt erklären kann. Erkenntnisse, auf die er immer wieder zurückgreift.

1912 wird dann eine große Veränderung in Schweitzers Leben eintreten. Er studiert zunächst Tropenmedizin, schreibt seine medizinische Doktorarbeit über die “Psychatrische Beurteilung Jesu”, bereitet sich auf die Afrikareise vor.
Im Juni 1912 wird der Pfarrer, promovierte Theologe, Musiker und Mediziner Ehemann. Er heiratet Helene Bresslau (1879–1957), die Tochter eines jüdischen Historikers.

Albert Schweitzers Lebensstationen und Schlüssel-Erlebnisse - Bausteine zu seiner Ehrfurchtsethik -

Albert Schweitzers Lebensstationen und Schlüssel-Erlebnisse – Mosaiksteine zu seiner später verfassten Ehrfurchtsethik – “Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.”

Durch Bittgänge im Bekanntenkreis und durch Konzerte – er war neben allem anderen auch ein großer Orgelvirtuose geworden – verschaffte er sich die notwendigen Mittel, um ein kleines Spital in Afrika zu betreiben. Er brach mit seiner Frau 1913 zum ersten Mal nach Lambarene in Äquatorialafrika (Gabun) auf, um dort mit privaten Mitteln ein Tropenhospital aufzubauen.

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Quellen – weiterführende Links

(1) Brüllmann, Richard. Aus dem Leben und Denken Albert Schweitzers, zusammengestellt in Lambarene im September 1974 , Verlag: Paul Haupt, Stuttgart und Bern, 3. erw. Auflage 1982, Seite 9
(2) Schweitzer, Albert: Gesammelte Werke in fünf Bänden Rudolf Grabs, (Hrsg.) München 1974, Band1, S. 287
Foto1: “Vorbild” by derProjektor, www.pixelio.de
Foto2: Albert Schweitzer in Lambarene, Gabun, gemeinfrei

Die Grundlage für diese Artikelserie ist das Material des Herausgebers zur Wissenschaftlichen Hausarbeit zum Thema “Friedenserziehung in den Sek.II” an der Justus-Liebig-Universität Gießen, vorgelegt im Fachbereich Religionswissenschaften im Jahr 1986.


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