Frieden schaffen mit immer neuen Waffen

Von Modesty

Hier wäre mal wieder ein Punkt für meine WikiLeaks-Wunschliste: Weder die Bundesregierung noch das Generalsekretariat des Europäischen Rates hätten die Zahlen über Rüstungsexportgenehmigungen im Jahr 2009 zur Verfügung gestellt, klagte gestern die Gemeinsame Konferenz Kirche und Entwicklung bei der Vorstellung ihres 14. Rüstungsexportberichtes in Berlin. Damit sei ein vorläufiger Höhepunkt an fehlender Information, Transparenz und mangelnder Beteiligung im sensiblen Feld der Rüstungsexportpolitik erreicht. Also, Whistleblower der Welt, lasst eure Flöten erklingen und leakt, lasst uns nicht im Regen stehen! Irgendwer muss diese Zahlen doch haben!

Nun bin ich ja weder ein Freund von Kirche, noch von „Entwicklungshilfe“, nicht dass hier ein falscher Eindruck entsteht, nur weil ich Verlautbarungen einer irgendwie kirchlichen Organisation als Aufhänger benutze. Wer noch nicht weiß, was er von Kirche halten soll, kann sich ja mal die Berichte der Heimkinder aus kirchlichen Kinderheimen durchlesen, spätestens dann wird man mit dieser Institution nichts mehr zu tun haben wollen, sofern man nicht völlig abgestumpft, verlogen oder hartherzig ist.

Ich bin auch nur auf diese PM gestoßen, weil ich auf tagesschau.de die bemerkenswerte Meldung gelesen habe, dass der bekannte deutsche Waffenproduzent Heckler & Koch doch tatsächlich Waffen verkauft habe!

Nun ist das ja der Witz an der Waffenproduktion. Waffen werden produziert, um sie zu verkaufen, um Geschäfte damit zu machen und Gewinne einzustreichen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass es Waffen und damit auch bewaffnete Konflikte solange geben wird, solang man daran verdienen kann. Also mindestens solange es Kapitalismus gibt. Deutsche Waffen sind begehrt und werden entsprechend gern gekauft, leider auch von Leuten, die solche Waffen am Ende auch benutzen. Das ist zwar ärgerlich, aber ein Kollateralschaden, der in der Regel stillschweigend in Kauf genommen wird. Ganz blöd wird’s aber, wenn Waffen auch dahin verkauft werden, wohin es gerade nicht opportun ist, aus welchen Gründen auch immer.

Dieses Mal hat sich Heckler & Koch dabei erwischen lassen, Waffen in einige mexikanische Bundesstaaten geliefert zu haben, die als Unruheherde gelten, weshalb dorthin gerade keine Waffen verkauft werden sollen. Tja. Irgendwie blöd. Wobei ich nicht kapiere, warum Waffenexporte in bestimmte Regionen ein Problem sind, während man andere Regionen ruhig mit Waffen vollstopfen kann, obwohl es sich doch in beiden Fällen um die gleichen Waffen handelt. Die in beiden Fällen benutzt werden können, um Menschen damit umzubringen. Will man das verhindern, sollte man die Waffenproduktion einstellen und nicht den Export in bestimmte Regionen. Aber so konsequent wird keine deutsche Bundesregierung sein, egal, was die Leute beim nächsten Mal zusammenwählen.