Fremde Federn: Herr Ober, die Rechnung

Fremde Federn: Herr Ober, die RechnungImmer nur Krise, Krise, Krise und angeblich weiß nicht einmal jemand warum. Alles Quatsch. Die beiden Soziologen Jens Beckert und Wolfgang Streeck vom Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln beschreiben in einem geradezu fantastischen Beitrag in der FAZ, wo der Hase im Pfeffer liegt und warum auch immer mehr und mehr Salz auf immer mehr und mehr Steinen ihn dort nicht herauslocken wird.

Die Lösung der Schuldenkrise sei "wesentlich eine Verteilungsfrage", behaupten die Autoren. Die Frage sei: "Wer zahlt für Ausgaben, die längst getätigt wurden, ohne je abgegolten worden zu sein, in einer Situation, in der die Gläubiger das Vertrauen verloren haben und ihr Geld zurückverlangen?" Die verschiedenen Stufen der Krise ließen ein System des Vertrauensmanagements erkennen, "in dem der Vertrauensverlust von Akteuren auf einer Ebene durch Garantien anderer Akteure höherer Vertrauensstufe ausgeglichen wird oder werden soll". Doch statt die Lage zu beruhigen, seien jeder neuen Garantie neuer Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit der Helfer. "Mittlerweile sind die Vertrauensreserven aufgebraucht", es gebe schlicht keine Instanz mehr, die stellvertretend für niedrigere Ebenen bürgen könne.

Zusammengerechnet sei sich die Welt mehr schuldig als die "Wirtschaftsleistung eines ganzen Jahres, in einigen Ländern sogar weit mehr". Mit anderen Worten: Für den Kuchen, den wir längst gegessen und sogar schon lange vergessen haben, kommt jetzt die Rechnung. Aber alle am Tisch behaupten, sie hätten gar keinen Kuchen gehabt, nicht gewusst, dass er so viel kostet oder gerade kein Geld dabei, um die Rechnung zu zahlen.

Beckert und Streeck zeigen vier Wege auf, wie sich das weltweite Problem lösen ließe, doch keiner davon verspricht einen Spaziergang. Ganz im Gegenteil. Egal, was getan werde, aus der finanziellen Krise müsse quasi automatisch eine politische und soziale werden, orakeln die Experten. Es zeige sich, dass alle vier von den Autoren genannten Strategien "Konsequenzen haben würden, die nicht auf das Finanz- und Wirtschaftssystem zu begrenzen sind und sehr wahrscheinlich in der nächsten Stufe zu sozialer und politischer Destabilisierung führen werden".

Dunkle Tage schimmern auf. Wie dunkel, lässt sich hier komplett nachlesen.


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