Fremde Federn: Die Stille nach dem Schuss

Fremde Federn: Die Stille nach dem Schuss Den "diskreten Charme der Berichterstattung" entdeckt Manfred Gillner in einem Text auf achgut.com, der dort weitermacht, wo PPQ nach dem Terroranschlag des Belgiers Nordine Amrani vermutet hatte, dass der gebürtige Nordafrikaner, der in Lüttich fünf Menschen erschoss, gut in der Lage gewesen wäre, dem bedrohten Bundespräsidenten Christian Wulff alle seien Sorgen zu nehmen. Was dem Killer fehlte, war nicht viel: Ein anderer Name, eine Herkunft vielleicht aus Sachsen oder Thüringen, ein Käppi mit einem aufgenähten rosaroten Panther, ein paar Verbindungen zu deutschen Neonazis, eine Vorliebe für Rechtsrock-CDs und ein paar Demo-Erfahrungen an der Seite des NPD-Chef Holger Apfel.der sicher nicht zufällig so heißt: A und H, man weiß ja aus vielen Aufklärungsbroschüren, wofür das steht.
Hatte er aber alles nicht. Weshalb der Autor eine Reaktion auf die Schreckenstat beobachtet, die so ganz anders ausfällt als die auf den Vernichtungsfeldzug des Norwegers Anders Breivik. Da habe sich „jemand im Tarnanzug, bewaffnet mit Granaten, Revolver und Kalaschnikow ins Auto“ gesetzt und alles niedergemetzelt, was er erwischen konnte.
Doch anders als im norwegischen Fall erlischt das Interesse der deutschen Leitmedien genauso schnell, wie es entstanden ist. Einzeltat eines Waffennarren, heißt es. „Warum?“, fragt Manfred Gillner – und gibt sich gleich selbst die Antwort: Der Täter heiße Nordine Amrani, das allein habe „wohl schon genügt, um gewisse Schutz- und Trutzreflexe auszulösen“. Denn hier handele es sich offenbar „um einen Südländer“ (Polizei), womöglich gar um einen Moslem. Das ändere alles: „Nur, wenn der Täter kurze blonde Haare hat, darf man frühzeitig und ausgiebig darüber sinnieren, woher er stammt, was ihn zu der Tat getrieben hat, wie er heißt, ob er katholisch ist, wie viele seinesgleichen noch frei herumlaufen und wer wohl sein Spiritus Rector gewesen sein könnte.“
Die Stille nach dem Schuss ist ohrenbetäubend. „Nordine Amrani wollte vielleicht ein Verbrechen von derselben Dimension wie Anders Breivik verüben“, glaubt Gillner. Und doch gibt es keinerlei Spekulationen über das Motiv, kein nachdenken darüber, woher so viel Hass komme, ob es Hintermänner gebe, was die Motive des Täters waren.
Dabei wäre es nicht schwer, wie bei Breivik auch bei Amrani Hinweise auf seine Seelenlage zu finden. Gillner entdeckt sie auf der Facebook-Seite des Mörders: Seiten wie „Un-avennir Meilleur-Insha’allah“, „Prêche en Islam“ oder „Anasheed c’est ici“, die sich auf Zakir Naik beruft, einen Hardcore-Islamisten und Präsidenten der „Islamic Research Foundation“, dem Kanada und Grossbritannien vergangenes Jahr die Einreise verweigert hätten. „Auf YouTube kann man ein Video finden, in dem er erklärt, warum nur Muslime in den Himmel kommen“, berichtet Gillner, „er meint auch, ein Mann dürfe seine Ehefrau dann und wann ruhig schlagen.“
Diese Informationen sind öffentlich. Und doch völlig unbekannt. Was bei Breivik zu einer hysterischen Diskussion um „geistige Brandstifter“ führte, endet bei Amrani noch am Abend der Tat in einem Loch, gefüllt mit Schweigen. Ohnmächtig endet Manfred Gillners Beitrag in einem Gewitter aus Fragen: Warum sind Überlegungen über ein religiöses oder politisches Motiv unerwünscht, sobald es sich um den Islam handelt? Welchen Gefallen tut man einer Glaubensgemeinschaft, wenn man ihr ständig Sonderstatus zugesteht und sie damit regelrecht stigmatisiert? Wieso diese kindische Tabuisierung, die doch gerade erst recht dazu führt, dass nur in die unerwünschte Richtung diskutiert wird? Weshalb glaubt man, uns manche Themen zumuten zu können und andere nicht?
Auf Antworten wird er vermutlich lange warten müssen.
Zum ganzen Text auf achgut

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