Frei erfunden: “Ruby Sparks – Meine fabelhafte Freundin”

Frei erfunden: “Ruby Sparks – Meine fabelhafte Freundin”

© Twentieth Century Fox of Germany GmbH / Calvin (Paul Dano) glaubt zuerst nicht an Ruby Sparks (Zoe Kazan)

Sie ist so unscheinbar, dass man sie wahrscheinlich noch nie bewusst wahrgenommen hat, obwohl Zoe Kazan zahlreiche sehenswerte Auftritte hingelegt hat: „Zeiten des Aufruhrs“ von Oscar-Preisträger Sam Mendes, in „Happythankyoumoreplease“, dem Regiedebüt von Josh Radnor („How I Met Your Mother“) oder in der Fernsehserie „Bored To Death“ neben Jason Schwartzman, Zach Galifianakis und Ted Danson. Mit „Ruby Sparks – Meine fabelhafte Freundin“ hat sie nun ihr erstes Drehbuch auf die Leinwand gebracht, übernimmt neben Lebensgefährte Paul Dano – mit dem sie bereits für „Meek’s Cutoff“ gemeinsam vor der Kamera stand – die Rolle der titelgebenden Ruby Sparks, einem Fantasiemädchen, erdacht und zum Leben erweckt durch einen jungen Schriftsteller.

Dieser hört auf den Namen Calvin und hat gleich zu Beginn seiner Karriere einen Bestseller gelandet. Nun aber verfolgt ihn das grausame Schicksal einer Schreibblockade, kein Gedanke findet mehr seinen Weg aufs Papier. Sein Dasein als totaler Einzelgänger mit nicht existenten Liebesleben bringt ihn dann aber auf die Idee, sich seine Traumfrau auf Papier vorzustellen. Tag und Nacht schreibt er, glaubt sich in seine Worte verlieben zu können. Er erschafft Ruby Sparks. Als diese aber plötzlich bei ihm zu Hause auf der Couch sitzt und in seiner Küche kocht als wäre sie real, zweifel Calvin zuerst an seinem Verstand um dann aber festzustellen, dass seine geschriebenen Worte – aus welchen Gründen auch immer – tatsächlich zum Leben erwachen.

 

Frei erfunden: “Ruby Sparks – Meine fabelhafte Freundin”

Calvins Leben wird durch das Auftauchen von Ruby Sparks wahrlich auf den Kopf gestellt.

Es ist die Fantasie eines wahr werdenden Traums, den Paul Dano hier ausleben darf, sich aus seiner Imagination die scheinbar perfekte Frau erschafft. Dennoch ist auch diese Perfektion mit Problemen behaftet, wie „Ruby Sparks“ zu erzählen versteht. Passen zwei Menschen wirklich zueinander wie Topf und Deckel? Gibt es nicht immer irgendeinen Tick, eine Eigenschaft, die den Partner zur Weißglut treiben könnte. Oder kommt es viel mehr darauf an, über die Fehler der geliebten Person hinweg zu sehen. Wie einfach oder schwer ist es eigentlich, eine gut funktionierende Partnerschaft zu führen: „Ruby Sparks“ zeigt es, es ist nicht leicht. Hier hat Paul Dano in der Rolle des Schriftstellers Calvin die Möglichkeit, seine Partnerin durch das von ihm geschriebene Wort nach Belieben zu ändern: Mal ist sie eine Draufgängerin, cool, unnahbar, nur für ihn zu erreichen, dann wieder ein Trauerkloß, eine ihn anhimmelnde Fanatikern, irgendwie alles nicht so das Wahre. Zumindest fühlt er sich außerordentlich bedrängt, wenn Ruby hysterisch beginnt zu weinen, wenn sie nicht seine Hand halten kann, ein Beweis von Nähe. Ebenso augenrollend quittiert er nächtliche Ausflüge seiner Freundin, ohne ihn, den Langweiler. Calvin auf der Suche nach der perfekten Frau, die er nicht einmal in seinen Träumen, in seiner Fantasie findet.

Ruby Sparks, das Mädchen, ist 26 Jahre jung, in Dayton, Ohio aufgewachsen. Anfangs beschreibt Calvin sie als kompliziert, sie hasst ihren Mittelnamen Tiffany, hatte schon Beziehungen zu vielen anderen Männern, oftmals älter als sie selbst, sogar ein Alkoholiker, ein richtiger „Bad Guy“ war dabei. Doch nun soll sich ihr Leben verändern, so tippt Calvin es fleißig in seine Schreibmaschine, ein altertümlich wirkendes Utensil, das im Gegensatz zur modernen Computertechnik aber für die romantischen Klänge des emsigen Drückens der Schreibmaschinentasten sorgt. Ruby steht vor einer gravierenden Änderung, kein weiterer böser Bube verdreht ihr den Kopf, sie soll auf ein Mauerblümchen treffen, auf einen zurückgezogen lebenden Kerl, schüchtern, schmächtig: Paul Dano, Calvin selbst, der seine Worte zum sozialen Netzwerk, zum Online Dating Portal werden lässt, flüchtet sich auf die Seiten des eingespannten Papiers, nicht in die Weiten des Internets. Der Effekt ist doch irgendwie derselbe. Er bekommt es mit einem Mädchen zu tun, das er selbst erfunden hat, das er glaubt zu kennen, weil er so viel Zeit auf dem Papier mit ihr verbracht hat. Dann aber steht er vor einer schwierigen Person, mit der er nicht umzugehen versteht, sobald sie in der Realität auftaucht.

 

Frei erfunden: “Ruby Sparks – Meine fabelhafte Freundin”

So sieht für Calvin eine Traumfrau aus: Ruby Sparks

Dass auch andere Menschen Ruby sehen können, beruhigt ihn immerhin ein wenig, er scheint nicht gänzlich durchzudrehen, obgleich Darsteller Paul Dano immer dieses schriftstellerisch verrückte Glitzern in den Augen trägt. Er lebt seine Rolle des aufgedreht verzweifelten Mannes, der etwas nerdig eher verweichlicht erscheint. Er ist kein Mann im klassischen Sinne, eher feminin angehaucht, hat sicherlich nicht die Hosen an, vor allem nicht wenn es um Ruby Sparks geht. Aber was er nicht in der Hose hat, hat er in den Fingern. Jedweden Wunsch den er an seine Freundin richtet, muss er nur eintippen, seine Geschichten werden wahr. So lernt Ruby binnen weniger Sekunden die französische Sprache, strippt für ihren Freund oder singt ihm etwas vor. Ein makaberes Spiel, die Kontrolle über einen Menschen auszuüben, er wirkt auf einmal herrschsüchtig. In diesem Moment verleiht Dano seiner Figur die ganze Dramatik der Geschichte, die sich in seinen Gesichtszügen wiederspiegelt. Dann verkörpert er das ganze männliche Ego, in all seiner kümmerlichen Bescheidenheit. Hier scheint gar nichts mehr nach außen.

Zoe Kazan kann sich in der Rolle der Ruby gegen nichts wehren, sie bleibt die Puppe des Mannes. Auf schauspielerischer Ebene zieht Kazan mit Lebensgefährte Dano gleich, wirkt herrlich Ambivalent, spielt bunt, jede Charaktereigenschaft die ihr vom geschriebenen Wort verliehen wird – und eigentlich, im echten Leben, stammen die Worte, die Paul Dano hier im Film schreibt, aus der Feder von Kazan. Ein verwirrendes Kreisspiel. Vielleicht ist es diese persönliche Ebene der beiden Darsteller, die den Film auch so gut funktionieren lässt, die Harmonie und gemeinsame Chemie, die Verliebtheit ist zu sehen, gerade auch in den letzten Momenten des Films: Und hier braucht sich der Zuschauer keine bösen Gedanken zu machen, „Ruby Sparks“ versucht nicht mehr als eine intelligente romantische Komödie zu sein, schafft das mit Bravour, inklusive Happy End.

Denis Sasse


Frei erfunden: “Ruby Sparks – Meine fabelhafte Freundin”

“Ruby Sparks – Meine fabelhafte Freundin“

 

 

Originaltitel: Ruby Sparks
Altersfreigabe: ab 6 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2012
Länge: ca. 105 Minuten
Regie: Jonathan Dayton & Valerie Faris
Darsteller: Paul Dano, Zoe Kazan, Chris Messina, Annette Bening, Antonio Banderas, Aasif Mandvi, Steve Coogan, Elliot Gould

Deutschlandstart: 29. November 2012
Offizielle Homepage: rubysparks.de

 


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