Frankfurter Vogel-Kundgebung: Der weibliche Islamismus

Von Nicsbloghaus @_nbh

Übernahme von cigdemtoprak.de

von Cigdem Toprak

Junge Alevitinnen auf der Frankfurter Kundgebung gegen die Scharia

In Frankfurt fand gestern die Kundgebung des Islamisten Pierre Vogel und seinen Anhängern unter dem Titel “”Islam – die missverstandene Religion” statt. Tausende junge Muslime haben sich auf dem Frankfurter Roßmarkt, vor dem Commerzbank- Gebäude versammelt, manche nur aus Neugier, andere als Unterstützung für den konvertierten deutschen Muslim Pierre Vogel. Auch junge Frauen, die gegen das islamistische und menschenfeindliche Verständnis Vogels protestieren, sind gekommen, um den großen Andrang der jungen deutschen Muslime zu beobachten.

Noch vor Pierre Vogels Auftritt, gaben junge Alevitinnen ein Interview mit einem deutschen Fernsehsender vor laufenden Kameras, um ihre Ablehnung gegenüber der Scharia und den Ansichten Pierre Vogels publik zu machen. Plötzlich mischten sich junge Muslima direkt in das Gespräch ein. Sie beleidigten und hetzten, einige mit und andere ohne Kopftuch. Diese waren wohl Anhänger Vogels und waren der Ansicht, dass die jungen modernen Frauen “nur Scheiße reden und keine Ahnung haben”. Als sie dann gehört haben, dass es sich bei den Gegnern Vogels um Aleviten handeln, wurden sie beleidigend, bis eine andere der aufgebrachten Muslima den Mund zuhielt und wegzog – schließlich wurde alles gefilmt.

Während des Interviews war zu beobachten, dass die muslimischen Männer grinsend und interessiert zuhörten, wohingegen die Frauen wütend und aufgebracht über die Aussagen der Alevitinnen waren. “Wir setzen uns für deine Frauenrechte ein, für deine Menschenrechte” war die Argumentation einer Alevitin, und die Muslima wurde immer wütender. “Wusstest du, dass Pierre Vogel meint, dass du in die Hölle kommst, weil du kein Kopftuch trägst?” war eine weitere Frage der Alevitin an eine Anhängerin Vogels ohne Kopftuch. Eine andere muslimische junge Frau mit Kopftuch mischte sich in die Diskussion ein und meinte, sie würde alle Religionen und Ansichten akzeptieren, und für jedes Menschenrecht kämpfen – “Würdest du auch für uns Aleviten auf die Straße gehen? Würdest du dich gegen die Steinigung von Menschen im Iran einsetzen?”, war die nächste Frage der alevitischen Frau. “Wo gibt es Steinigung? Das gibt es doch gar nicht!”, war ihre entsetzte Antwort und fragte dies tatsächlich den deutschen Fernsehreporter.

Diese jungen, perfekt Deutsch sprechenden Musliminnen waren wütend,  hasserfüllt und aufgebracht, weil sie sich ihrer Engstirnigkeit bewusst sind. Ihre Wut richtet sich eigentlich gegen sich, ihre Gemeinschaft und all die Anhänger Vogels selbst, projziert wird es aber auf junge Frauen, die aus islamisch geprägten Ländern stammen, sich aber dem Dogmatismus, den Ungerechtigkeiten und der Intoleranz durchaus bewusst sind. Vielmehr noch: sie kämpfen mit all ihrer Kraft dagegen an. Es war erschreckend zu sehen, wie die Unterstützerinnen, also nicht die Männer, sondern gerade das im Islam am stärksten unterdrückte Geschlecht auf Freiheit, auf demokratische Werte und Kritikfähigkeit negativ reagieren.

Nicht die Männer  haben die jungen Alevitinnen ein paar Minuten später auf der Kundgebung mit ihrer Schulter angestoßen und ihnen böse Blicke zugeworfen, nein, es waren Frauen. Die Frankfurter Kungebung zeigt einen weiblichen Islamismus, der eine ganz neue Gefahr darstellt.

Iranische Menschenrechtler für Demokratie und Menschenrechte

Nach Pierre Vogels Interpretation, bedeutete der Islam nicht Friede, sondern die Unterwerfung an Gott. Dies betrifft die Frauen und die Männer, impliziert also, dass die Männer auch nicht für die Rechte der Frauen kämpfen dürfen; sie selbst sind den dogmatischen Regeln des Korans verpflichtet. Aber dass junge Muslima nicht selbst für ihre eigene Rechte kämpfen, wo sie offensichtlich stärker benachteiligt sind, sich aber gerne öffentlich aufspielen, um ihren Männern gefallen zu wollen, bringt eine ganz neue Brisanz in die Islamdebatte.

Zwangsheirat und Ehrenmorde sind Resultate einer frauenfeindlichen Haltung, die zwar durch den Islam verstärkt werden, aber hauptsächlich in der Tradition der Menschen verankert ist. Hier ergibt sich die Chance, dass Frauen für ihre Rechte kämpfen, sie können sich von dieser Unterdrückung befreien. Der Islam hingegen unterdrückt beide Geschlechter, weil beide sich an die Regeln des Korans halten müssen, die aber dem Mann gerne mehr Rechte zuspricht, was letzendlich auch zur Unterdrückung der Frau führt. Hier können sich allerdings beide nicht befreien.

Obwohl die iranische Menschenrechtlerin Mina Ahadi und viele andere Iraner gegen die Scharia, gegen Islamismus und Pierre Vogel an der Hauptwache, ein paar Hundert Meter von Pierre Vogel entfernt, demonstriert haben, berichteten die Medien, wie in gekonnter Manier, nur über den Islamisten. Soviel zu der angeblich fehlenden Courage der muslimischen Säkularen. Sie ist da, sie  fehlt nur in den Medien.

Herzlichen Dank für die Erlaubnis zur Zweiveröffentlichung.