Fotografie | SchwarzWeissBlick No 22

Von Frauke Döring

Mein Wagenradgroßer Hut schützt meinen Porzellanteint vor der Sonne des Sommertages, durch den Nikolaus und ich mit seiner neuesten Erfindung fahren. Seine Automobile sind seine Leidenschaft, eine Leidenschaft, die ich voller Begeisterung mit ihm teile. Über den knirschenden Kies des Vorplatzes verlassen wir die Villa Dürkopp. Eine Spritztour nach Bielefeld, ein Besuch im Café - ein feiner Tag wird das werden!




Der ehemalige Reitstall

Nikolaus ist ein wahrhaft umtriebiger Mensch, ihm reicht es nicht, Fahrräder und Nähmaschinen zu produzieren. Unsere Reitpferde stehen jetzt in einem Stall vor den Toren der Stadt, damit Nikolaus den Reitstall für seine Automobile nutzen kann. Die Automobile sind zwar elegant, aber an ein elegantes Reitpferd reichen sie nun doch nicht heran. Nicht, dass ich es nicht genießen würde, flott von A nach B zu kommen, versteh mich nicht falsch! Zuerst waren mir die Automobile ein wenig suspekt und ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie die Fuhrwerke und Kutschen vertreiben würden. Sie stinken und sind laut, ohne Frage, aber mit ihnen zu reisen gibt mir schon ein erhabenes Gefühl.



Elegant und sportlich

Das neue Jahrtausend hat Nikolaus mit furiosen Plänen begonnen. Im Frühjahr 1900 ist er sein erstes Autorennen mit einem seiner Rennwagen gefahren und ich habe ihn bei der Fernfahrt von Aachen nach Berlin begleitet. Was für eine Aufregung, was für ein buntes Treiben! Mit großem Hallo wurden die Rennwagen am Start in Aachen verabschiedet. So viele Menschen! In allen Städten standen Schaulustige am Straßenrand und haben uns mit ihrer Begeisterung angespornt. Ich kann gut verstehen, warum Nikolaus seine Automobile so liebt, unser Privatvermögen in sie investiert. Es ist wie ein Fieber, eine Sucht. Immer schneller, immer eleganter werden sie, die Dürkopp Automobile.




Freiheit, große Freiheit

Magst du es nicht auch, dieses Gefühl von Freiheit? Es ergreift mich jedesmal, wenn wir mit dem Automobil unterwegs sind. Im Sommer kurbeln wir die Scheiben herunter, damit die Sommerluft unsere Haut während der Fahrt liebkosen kann. Wie oft haben wir spontan am Wochenende einen Picknickkorb richten lassen und sind immer der Nase nach durch den Tag gebraust. Bis wir einen schönen Ort für das Picknick gefunden haben. Nur wir zwei. Mit der Kutsche haben wir die Freiheit des Alleinseins nicht genießen können, der Kutscher war ja immer mit dabei, egal, wie gut er sich auch vor unseren Blicken verborgen haben mag.


Flanieren

Ah, da sind wir ja schon! Schluss mit der Träumerei, auf in das Treiben der Stadt. Flanieren wir doch erst noch ein wenig durch die Straßen Bielefelds, bevor wir uns einen Platz im Café suchen. Hast du Lust nicht auch, noch ein paar Schritte zu gehen? Fein, dass wir uns getroffen haben!



Die Wahrheit

Nikolaus Dürkopp war nach allem, was ich finden konnte, kein Mann, mit dem eine Frau sich traute Zweisamkeit wünschte, aber er ist tatsächlich jeden seiner Wagen selbst gefahren. Jedes seiner Automobile war ein Unikat. Seine Liebe zu den Automobilen hat ihn viel Geld gekostet, die Produktion wurde schon bald nach seinem Tod eingestellt, weil sie nicht rentabel war.
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