Fotobuch: Die Ortlosigkeit der Maurischen Gärten

Von Facettenauge

Die Ortlosigkeit der Maurischen Gärten” von Bettina Korte und D.S.Felix ist ein Gemeinschaftswerk, das bei Chou-Publishing im Dezember erschienen ist. Ein philosophischer Essay mit vielen Fotos.

Andalusien © D.S. Felix


Die Fotos, welche ich zu diesem Bildband „Die Ortlosigkeit der Maurischen Gärten“ beigetragen habe, stammen hauptsächlich aus dem spanischen Sevilla und wurden im Zeitraum zwischen 2013 und 2014 aufgenommen.
Einige Fotos stammen aus dem Reales Alcázares von Sevilla, andere aus dem Casa de Pilatos und wieder andere wurden im Parque Maria Luisa aufgenommen. Alle drei Orte sind von maurischen Stilelementen geprägt und doch lange nach deren Vertreibung entstanden.
Die Reales Alcázares sind der einzige Ort, der schon zu maurischer Zeit angelegt wurde, die Almohaden waren die ersten, die an dieser Stelle einen Palast errichteten. Allerdings ist davon nicht viel übrig, die Anlage, wie sie heute besteht, stammt in Grundzügen aus dem Jahr 1364 und wurde unter Peter I. erbaut. Der Palast wurde aber stetig erweitert und weist somit auch zahlreiche Einflüsse anderer Baustile auf. So war es Karl V., der das Erscheinungsbild der Gärten prägte. Ursprünglich waren sie wesentlich weitläufiger, wurden aber im Laude der Zeit immer wieder verkleinert. Heute sind die Reales Alcázares öffentlich zugänglich, auch wenn sie weiter als Residenz der spanischen Königsfamilie benutzt werden. Nur wenn diese anwesend ist, ist der Zugang beschränkt.
Das Casa de Pilatos ist ein Stadtpalast, den der Marques de Tarifa nach einer Reise nach Jerusalem ab 1518 errichten lies. Er repräsentiert den Prototyp eines andalusischen Adelspalastes dieser Zeit und verbindet mehrere Baustile in sich, so gibt es den Mudéjar-Stil genauso wie Elemente der Renaissance. Heute ist es eines der beliebtesten Touristenziele, weil es derart authentisch wirkt.
Der Parque de María Luisa ist heute ein öffentlicher Park, das Gelände wurde von der Infanta María Luisa Fernanda de Borbón gestiftet. Im Park wurde der Plaza de España y de América gebaut, als Hauptattraktion der Iberoamerikanischen Ausstellung im Jahr 1929. Hier wachsen viele Pflanzen aus Übersee und es gibt Bauten im Mudéjar-Stil und Elemente aus maurischer Zeit genauso wie von den Entdeckungen Amerikas.
Maurisch bedeutet, unter christlicher Herrschaft entstandene Bauten mit islamischen Einfluss. Als Mauren werden Berber bezeichnet, die im 7. Jahrhundert in Nordafrika zum Islam bekehrt wurden und im Anschluss fast ganz Spanien und Portugal im Namen des Islams eroberten. Ihnen schloss sich die Mehrheit der Bewohner der Iberischen Halbinsel an. Aus dem Zusammenleben und Zusammenarbeiten gingen sowohl ein Baustil, wie auch ein Herrschaftsstil hervor, beide werden bis heute als maurisch bezeichnet. Dieser damals neue Stil ist bis heute erhalten und beeinflusst die Menschen im Süden Spaniens nach wie vor. Während der Stil in Spanien nach der Vertreibung der jüdischen und islamischen Bevölkerung sich weiterentwickelte, blieb er in Marokko beispielsweise unverändert erhalten.
Die viel gepriesene „Convivencia“ (friedliches Zusammenleben) in Al-Andalus (der von den Mauren eroberten Iberischen Halbinsel) hat es so nie gegeben. Es mag stimmen, dass die Konvertierung nicht erzwungen wurde, trotzdem sahen sich viele dazu genötigt, beispielsweise, weil sie die hohen Steuern für nicht Muslime nicht tragen konnten. Den eigene Glauben durften Menschen nur mit erheblichen finanziellen Einschnitten folgen. Auch im Berufs- und Privatleben gab es harte Einschnitte für Christen und Juden. Je länger die Herrschaft der Muslime währte, desto kriegerischer wurde das Zusammenleben. Der Grund ist, dass die Auslegung des Islam damals sehr lax war, das hieß zum Beispiel, dass Poesie und Musik den Alltag der gehobenen Bevölkerung stark ausgelebt wurde. Auch tranken die Menschen gleich welchen Glaubens Wein und lebten nicht nach den Gesetzen des Islams. Das ging einige Generationen gut, aber dann erfolgte eine Radikalisierung des Islams durch, aus dem Norden Afrikas, eindringende „rechtgläubige Islamisten“ wie wir sie heute nennen würden. Im Namen des Glaubens wurden Nichtchristen bis 1492 aus dem Land gejagt.
Also, viel Spaß mit dem Buch, “Die Ortlosigkeit der Maurischen Gärten” und meinen Fotos.
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