Forum für Fotografie Köln: Nadav Kander – Yangtze, the long River

Ausstellung im Forum für Fotografie Köln: Nadav Kander – Yangtze, the long River Nadav Kander zeigt in seinen Aufnahmen den enormen strukturellen Wandel entlang des Flusses Jangtsekiang. Der Fotograf hält die Auswirkungen des Drei-Schluchten-Staudamms in Bildern fest, zeigt gigantische Verkehrsbauwerke und schnell hochgezogene Wohnblöcke entlang des Flusses, aber auch Menschen, die sich dem rasanten Wandel anpassen müssen. Die Ausstellung wird am 10. April 2011 in Köln eröffnet.

Anfang des Jahres war die Ausstellung bereits in der Berliner Galerie Camera Works zu sehen (zusammen mit Arbeiten von Robert Polidori aus der Region Tschernobyl), mehr dazu im Blog-Eintrag vom 12. Januar 2011.

Ausstellungsankündigung

Fünfmal bereiste Nadav Kander zwischen 2005 und 2007 den Jangtsekiang stromaufwärts, von der Mündung im Ostchinesischen Meer bis zur Quelle im Qinghai-Plateau von Tibet. Nie mehr als 20 Meilen entfernt vom Fluss entstand die Fotoserie Yangtze – The Long River, die die tief einschneidenden Veränderungen der Uferlandschaften infolge einer ungezügelten Modernisierung Chinas dokumentiert. Großprojekte wie der Drei-Schluchten-Staudamm und das Süd-Nord-Wassertransfersystem, gigantische Brücken, hochgezogene Wohnblöcke westlicher Bauart schlagen Wunden in die Landschaft und rauben viel von ihrer Schönheit und Idylle. Unversöhnlich existieren Tradition und Moderne nebeneinander am „Großen Fluss“, der für die Chinesen sowohl historisch als auch spirituell stets eine wichtige und Identität stiftende Rolle spielte.

Nadav Kander fotografierte dunstig-neblige Landschaften, deren gelblich-graue Farbe an Luftverschmutzung erinnert; Landschaften, die verunstaltet sind durch massive bauliche Eingriffe im Namen des Fortschritts. Über den Fluss ragende, noch im Bau befindliche Brückenteile verstärken den Hinweis auf den rasanten wirtschaftlichen Wandel, indem sie das Prozessuale hervorheben. Diese im Bild festgehaltene, implizite Dynamik geht eine spannungsvolle Beziehung ein mit der Weite und Stille der kontemplativen Landschaft. Aus ihrem sozioökonomischen Kontext gehoben, besitzen Kanders Fotografien die melancholische Schönheit der romantischen Landschaftsmalerei. So etwa wenn Menschen sich zu einem Picknick unter riesigen Brückenpfeilern in Chongqing einfinden und neben ihnen ein kleines chinesisches Boot ankert.

Die Menschen am Fluss sind in Kanders Bildern stets präsent, wirken jedoch immer klein und verloren angesichts der Größe und Erhabenheit der Landschaft einerseits und der Gewalt des Fortschritts andererseits. Ohne Einfluss auf die Entwicklung nehmen zu können, müssen die Bewohner den hemmungslosen Wandel ihrer Umgebung hinnehmen und sich damit abfinden, dass es die Landschaft aus Kindheitstagen für sie nicht mehr gibt. In der Landschaft eine Konstante zu erfahren, ist vielen Menschen fremd geworden.

Im Jangtsekiang mit seinen Uferlandschaften sieht Nadav Kander das Sinnbild eines unnatürlich schnellen und oft genug inhumanen Fortschritts. Sein Werk ist eine ins Bild gesetzte sehr persönliche Reflexion über die sozialen und ökologischen Konsequenzen der wirtschaftlichen Entwicklung des modernen China.

Kanders Fotoserie besticht durch ihre Vielseitigkeit, die die eindeutige Zuordnung zu einem fotografischen Genre verweigert: Dokumentarfotografie, die zum Nachdenken anregt, vermischt sich mit künstlerisch inspirierter Landschafts- und Architekturfotografie, die zum Meditieren einlädt. Die klare Formensprache der Aufnahmen vermag auf der künstlerischen Ebene Gegensätzliches zu versöhnen: Die Auswüchse der menschlichen Intervention sind zwar ein Makel in der Landschaft, jedoch ein Makel, der als interessantes Detail einer sorgfältigen Komposition dem Bild oftmals Reiz und Schönheit verleiht. Diese „paradoxerweise schönen Fotografien“, wie es Kofi A. Annan in der Einleitung zu der Monografie Yangtze – The Long River treffend formuliert, „[sprechen] eine darüber hinausgehende Wahrheit an. Die Fotografien erinnern uns an die Fragilität unserer Welt und an den Schaden, den wir angerichtet haben – Schaden, der über die Grenzen nationaler Staaten hinausgeht.“

Estella Kühmstedt

Vita

Nadav Kander, 1961 in Israel geboren und im südafrikanischen Johannesburg aufgewachsen, zählt zu den renommiertesten Fotografen der Gegenwart. Als Jugendlicher begann er mit dem Fotografieren und entwickelte nach seiner Einberufung Luftaufnahmen für die South African Air Force.

Die fotografische Bandbreite Kanders umfasst künstlerische, redaktionelle und werbliche Arbeiten, die in Büchern und zahlreichen Magazinen wie Sunday Times Magazine, Rolling Stone, Another Man und Dazed & Confused erschienen sind. 2009 widmete das New York Times Magazine eine ganze Ausgabe mit Kauders „Obama’s People“, einer Porträtserie des gesamten Ministerstabs und der engsten Mitarbeiter Obamas.

Kander erhielt zahlreiche Auszeichnungen und wurde 2009 im Rahmen der Annual Lucie Awards zum International Photographer of the Year ernannt. Im selben Jahr gewann er für die Serie »Yangtze, The Long River« den Prix Pictet. Dieser renommierte Fotopreis widmet sich dem Thema “Nachhaltigkeit” und zeichnet Arbeiten von Fotografen aus, die besonders eindringlich Umweltzerstörung und Raubbau an Ressourcen dokumentieren.

Seit 1986 lebt Nadav Kander mit seiner Familie in London. Seine Arbeiten sind Teil der Sammlungen der National Portrait Gallery sowie des Victoria und Albert Museums in London.

Quelle: Forum für Fotografie Köln

- Website des Fotografen Nadav Kander
- PDF-Dokument zur Ausstellung in Köln

Ausstellung im Forum für Fotografie Köln: Nadav Kander – Yangtze, the long River Ausstellung im Forum für Fotografie Köln: Nadav Kander – Yangtze, the long River Ausstellung im Forum für Fotografie Köln: Nadav Kander – Yangtze, the long River

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Wann und wo

Forum für Fotografie Köln
Schönhauser Straße 8
50968 Köln

10. April  – 20. Mai 2011


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