Formel 1: Die Halbzeitanalyse – Williams, Sauber & Toro Rosso

Von Morethanracing @morethanracing

Im zweiten Teil unserer Halbzeitanalyse blicken wir auf Williams, Sauber und Toro Rosso.

Die Saison 2012 bei Williams war besser als erwartet, mit Maldonado konnte man sogar erstmals seit 2004 wieder ein Rennen gewinnen. Diesen Trend wollte man auch in der Saison 2013 fortsetzen. Doch wie so oft kommt es anders als man denkt. Denn der FW35 ist zweifelsohne schlechter als der sein Vorgänger, dennoch hielt man am neuen Wagen fest. Fortschritte waren im Laufe der ersten Saisonhälfte nicht wirklich ersichtlich, was aber auch an dem geringen Budget liegen mag. Die bisher gebrachten neuen Teile brachten jedenfalls nicht den gewünschten Erfolg.

Erst in Ungarn konnte man mit viel, viel Glück den ersten Punkt einfahren. Aber diesen Punkt bekam man auch nur, da sich Rosbergs Mercedes Motor in der Schlussphase noch verabschiedete. Pastor Maldonado fiel in der ersten Saisonhälfte wieder mal mit einigen typischen „Maldonado Aktionen“ auf und war dabei durchaus auch das ein oder andere gute Ergebnis weg. Dafür konnte aber der Rookie Valtterie Bottas überzeugen. Bottas konnte bisher mit Maldonado mithalten, teilweise war er sogar schneller als der deutlich erfahrenere Venezolaner. Sein bisheriges Highlight war der dritte Startplatz beim Großen Preis von Kanada.

Zuviel erwarten sollte man in der zweiten Saisonhälfte vom Traditionsrennstall in diesem Jahr nicht mehr. Der Rückstand auf die Konkurrenz in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft ist doch schon recht groß. Realistisch gesehen könnte man vielleicht Sauber noch einholen, viel mehr ist aber nicht mehr möglich.

Interessant wird die Saison 2014 werden, um schon mal einen kleinen Ausblick zu geben. Ab der kommenden Saison wird Williams von Mercedes mit Motoren, KERS und Getriebe ausgestattet. Auch Maldonado, der einiges an Geld mitbringt scheint auch in der kommenden Saison mit an Bord zu sein.

Sauber

Doch nicht nur Williams ist ein Sorgenkind in dieser Saison, sondern auch der Schweizer Rennstall Sauber, allerdings nicht nur ein sportliches Problem, sondern auch ein großes finanzielles Problem. Der neue Wagen war wie auch bei Williams ein Griff ins Klo. Das mag allerdings nicht nur an dem kleinen Budget liegen, sondern auch daran, dass man den Designer James Key verloren hat. Key wechselte zum Red Bull Junior Team Toro Rosso. Zudem lies man auch beide Piloten ziehen.

Sergio Perez verließ das Team am Ende der vergangenen Saison und dockte bei McLaren an. Kamui Kobayashis Vertrag wurde nicht verlängert, da man sich den Japaner einfach nicht mehr leisten konnte und Kobayashi auch keine Sponsoren mitbrachte.

Stattdessen holte man sich Nico Hülkenberg von Force India und Esteban Gutierrez. Gutierrez war mehr oder weniger von Anfang aufgrund von Telmex gesetzt. Sportlich gesehen hab es für Sauber in diesem Jahr nicht sonderlich viel zu holen. Gerade einmal sieben Punkte hat das Schweizer Team auf dem Konto, die alle samt Nico Hülkenberg einfuhr. Hülkenberg dürfte sich das etwas anders vorgestellt haben, zumal der ausbleibende sportliche Erfolg nicht das einzige Problem ist. Doch dazu später mehr. Esteban Gutierrez hingegen blieb bisher eher blass und fiel vor allem bei den ersten Rennen durch einige unschöne Aktionen auf. Sprich er ging teilweise recht übermütig zu Werke.

Doch um Sauber steht es alles andere als gut, denn das Team hat massive finanzielle Schwierigkeiten. Nico Hülkenberg kann nicht mehr bezahlt werden, weshalb der Deutsche seinen Vertrag schon gekündigt hat, aber dennoch weiter für das Team an den Start geht. Aber auch Kobayashi soll noch auf Gehaltszahlungen aus dem Vorjahr warten. Außerdem fordert Ferrari einige Millionen für die Motoren und auch Pirelli würde gerne mal wieder Geld von Sauber sehen.

Mitte Juli gab es dann ein Lichtblick aus Russland. Das Team gab bekannt eine Partnerschaft mit drei russischen Unternehmen eingegangen zu sein. Diese Partnerschaft sollen dem Schweizer Team rund 400 Millionen Euro in die Kasse spülen. Zudem soll im Rahmen dieser Partnerschaft der junge Russe Sergej Serotkin ab der kommenden Saison ein Formel 1 Cockpit bekommen. Soweit die Theorie.

In der Praxis sieht es nun so aus, dass der Deal noch lange nicht fix ist und bisher noch kein Geld geflossen ist. Neuste Meldungen besagen sogar, dass der Deal geplatzt sei. Dies wurde aber bereits von Monisha Kaltenborn dementiert.

Colin Kolles wurde nun von der Bildzeitung wieder ins Spiel gebracht. Kolles soll angeblich ein nettes Paket geschnürt haben und wäre bereit das Team zu übernehmen. Aber ob Kolles wirklich der richtige Mann ist, möchte ich zumindest in Frage stellen. Kolles hatte schon das ehemalige Spyker Team in die Pleite geführt und auch von HRT hatte er recht schnell die Nase voll und packte wieder zusammen.

Klar ist jedoch nur, dass noch kein Geld geflossen ist und genau das ist das Problem für Sauber, denn Ferrari will Geld sehen, ansonsten gibt es bald keine neuen Motoren mehr. Auch Pirelli könnte die Lieferung von Reifen einstellen.

Der Rest der Saison ist also noch lange nicht in trockenen Tüchern. Zu viel darf man auch bei den letzten Rennen nicht erwarten, sofern es das Team überhaupt bis zum Ende der Saison überlebt. Große Weiterentwicklungen dürften nicht mehr folgen. Wie und ob überhaupt es in der kommenden Saison weiter geht bleibt abzuwarten.

Toro Rosso

Bei Toro Rosso konnte man zumindest bei den ersten acht Saisonrennen eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr feststellen. James Key, der von Sauber kam hat dem Team richtig gut getan. In der vergangenen Saison hatte Toro Rosso nach zehn Rennen gerade einmal sechs Punkte auf dem Konto, in dieser Saison sind es 24 Punkte. Allerdings lief es bei den letzten beiden Rennen nicht mehr ganz so gut. Bei der Entwicklung scheint man ein wenig zu stagnieren, was sich aber nach der Sommerpause durchaus nochmal ändern kann. Am nötigen Kleingeld mangelt es dem Team sicherlich nicht.

Werfen wir  ein Blick auf die Fahrer. Sowohl Jean-Eric Vergne als auch Daniel Riccardo machen derzeit einen hervorragenden Job. Der Franzose hat zurzeit zwei Punkte mehr auf dem Konto. Beide „Junior“ Fahrer haben sich sehr gut entwickelt und sind recht konstant  geworden. Sprich beide wären Reif für den nächsten Schritt. Allerdings sind die Plätze bei den Topteams rar. Besonders für Vergne sieht es recht düster aus was die Zukunft betrifft, während Ricciardo durchaus eine gute Chance auf das freiwerdende Red Bull Cockpit hat.

Auch in der zweiten Saisonhälfte sollten für Toro Rosso durchaus einige Punkte drin sein, allerdings muss man realistisch bleiben. Mehr als Position sieben in der Konstrukteurs Weltmeisterschaft wird für das Team wohl nicht möglich sein.