Filmschrott gegen Comichelden #1

Erstellt am 29. Januar 2020 von Marcel Michaelsen @filmschrott

Es ist ein großer Tag hier auf dem Filmschrottplatz. Denn heute startet der große Kampf. Oder sollte ich sagen, der gigantische Krieg. Ja, ich werde mich den Superheldenfilmen der Marvel-Stars und der DC-Klopper widmen, die seit dem Jahr 2000 erschienen sind. Den Anfang macht eine Filmreihe, die ursprünglich schon im Jahr 1984 das Licht der Welt erblicken sollte. Damals hatte „Orion Pictures“ die Rechte an dem Stoff und illustre Namen wie James „Ich mache nur noch Avatar-Grütze, weil gute Filme kann ich nicht mehr“ Cameron und Katheryn „Die Leute denken aus irgendeinem Grund ich mache gute Filme“ Bigelow waren im Gespräch, um den Spaß zu verfilmen. Erst 1996 holte man dann Bryan „Darf man meinen Namen noch erwähnen?“ Singer ins Boot und selbst dann dauerte es noch 3 Jahre, bis man endlich mal den Dreh begann. Ein langes Leiden also, in dem auch noch Joss „Lasst mich bloß keine One-Liner schreiben“ Whedon irgendwie beteiligt war, von dessen Grauen glücklicherweise nicht viel übrig blieb. Hier ist also die Comicheldenbande, die quasi den Startschuss für den Superheldenboom dieses Jahrtausends legte. Beginnend im Jahr 2000:

ZURÜCK ZUR SCHULE – DIE STORY

Der Anfang hat mich leicht an die Serie „Heroes“ erinnert, wo die Figuren erstmal lernen müssen, mit ihren Fähigkeiten umzugehen. Dementsprechend passt hier natürlich auch der Aufhänger mit der Schule sehr gut. Der Rest ist halt das Übliche. Böser Typ will guten Typen besiegen und am Ende spielen sie Schach. Eben wie damals in der Schule, wo man sich in der Pause geprügelt hat und dann im Matheunterricht hat man zusammen Karten gespielt, damit man bloß nicht das Bruchrechnen lernt. Im Verlauf der drei Teile ändert sich nicht so viel. Es wird mehr zusamengearbeitet, die Seiten hin und wieder gewechselt, aber am Ende kriegt man die Blaupausenheldenstory im Dreierpack, auf durchaus unterhaltsame Weise. Ich hätte nebenbei gerne mehr von dem Schachspiel gesehen.

MONSTER, MEISTER, MUTATIONEN – CAST UND CHARAKTERE

Es sollte klar sein, dass sich der Cast hier wirklich sehen lassen kann. Hugh Jackman IST Wolverine und ich kann mir schon jetzt niemand anderen mehr in der Rolle vorstellen.
Über Patrick Stewart und Ian McKellen brauche ich wohl nicht viel sagen. Die können gar nicht schlecht sein.
Rebbeca Romijn-Stamos nackt und blau ist auch alles andere als verkehrt.
Und Halle Berry ist halt auch dabei. Und sie bleibt vor allem in Erinnerung für die lahmste Line des ersten Films, die geschrieben wurde von (ihr habt es sicher schon erraten) Joss Whedon.
Im Verlauf der Trilogie kommen natürlich ein paar weitere dazu, aber der Kern bleibt mehr oder weniger gleich. Das ist zum einen gut, weil man so eine Bindung aufbauen kann, andererseits bietet es aber nicht gerade viel Abwechslung. Ehrlich gesagt finde ich die Helden teils doch recht lahm hier, aber ihr Weg über die Schule ist recht nett, um mit ihren Kräften vertraut zu werden.

„Was macht ein Filmschrottplatzbetreiber, wenn er vom Blitz getroffen wird?“

„Keine Ahnung. Zitiert er schlechte Joss Whedon One-Liner?“

BRUTZEL!!!

MUTANTENWELT – WELT UND ATMOSPHÄRE

Generell unterscheidet sich die Welt der X-Men nicht wirklich von der Realität. Sie ist nicht besonders düster oder besonders fröhlich oder besonders irgendwas. Sie hat einfach Mutanten und das wars. Dementsprechend real kommt das dann aber eben auch alles rüber. Die Figuren passen perfekt in die Umgebung und sehen auch so aus, als wären sie aus einer realen Welt. Okay, ganz ehrlich, den bescheuerten Helm von Magneto hätte man sich schenken können. Damit sieht er aus, als wollte er sich für die „American Gladiators“ bewerben. Das wird dann nur noch im dritten Teil von dem Juggernaut-Kostüm getoppt, das aussieht wie beim Canon He-Man Film aussortiert und weggeworfen.
Bei Mystique hat man natürlich ganze Arbeit geleistet. Nicht nur weil es Rebecca nackig ist, ist das einfach eine Augenweide. Für das Makeup hätte man damals auch durchaus mal einen Preis springen lassen können.
Bei den Sets bewegt man sich hingegen zwischen gut und grauenvoll. Letzteres trifft vor allem auf die Freiheitsstatue am Schluss des ersten Teils zu. Wirkt alles wie aus Pappe (was es vermutlich auch ist, aber höchstens bei einem B-Movie auffallen sollte). Andererseits haben die modernen Blockbuster so viel mit den ursprünglichen B-Movies gemein, dass das auch schon wieder passend ist.

Mit diesem bescheuerten Helm werde ich wie Juggernaut alles niederrammen, was sich mir in den Weg stellt.

WAAAAAAAAAAAAAAAH!!! CRASH!!!

MUTANTENKRAWALL – ACTION UND EFFEKTE

Die Action bleibt einigermaßen bodenständig. Man befand sich hier eben noch nicht im CGI-Overkill-Modus. Teilweise wirkt es aber so, als hätte man die Vorspultaste betätigt, damit die Kämpfe schneller und spektakulärer wirken. Bei den Effekten gibt es Licht und Schatten. Manches wirkt angestaubt und Wolverines Krallen sind in einer bestimmten Szene einfach nur ein Witz. Sehen aus wie aus einem Looney Tunes Cartoon. Fehlte nur noch, dass er sie zuvor bei ACME bestellt. Der ein oder andere Kampf hingegen wirkt halt schon ganz fetzig, um es mal in der Sprache meiner Jugend zu sagen. Da gibt es durchaus mal nett vors Fressbrett. Wenn man nicht gerade mit grottigen Computereffekten um sich wirft, sieht das also alles ganz gut aus. Nur macht man das natürlich viel zu oft und nutzt zu selten praktische Möglichkeiten, wenn sie sich anbieten würden. Eben die Seuche dieses Filmjahrhunderts und der Grund, warum nach wenigen Jahren jeder Film scheiße aussieht. Hier zum Glück noch im Rahmen.

Mit dieser supercoolen Brille werde ich Cyclops und alle anderen einfach weglasern.

Zeit für einen Test.

Die X-Men Filme sind keine Meisterwerke, aber ein weitestgehend unterhaltsamer Anblick, in dem auch die Charaktere nicht zu kurz kommen. Man hat es vor allem sehr gut geschafft, die Figuren in die reale Welt einzubetten.

Nach dem ersten Teil habe ich mir folgenden Satz notiert: „Macht Spaß, lässt aber auch noch Luft nach oben. Eigentlich genau das, was eine Origin-Story sein sollte.“ Nur wirken alle drei Teile so und das ist dann doch wieder zu viel des Ursprungs. Die Helden werden nie so wirklich von der Leine gelassen und alles wirkt wie der Anfang eines größeren Bilds, das aber nie wirklich fertig wird. Da hilft es natürlich ganz und gar nicht, wenn in jedem Film neue Mutanten in den Mix geworfen werden. Größter Schwachpunkt ist allerdings die unglaublich simple Dramaturgie, durch die alles absolut vorhersehbar ist und zu keinem Zeitpunkt sowas wie Spannung aufkommen will. So dümpelt die Story vor allem in Teil 3 so voran und wandelt immer am schmalen Grat zur Langeweile.
Insgesamt ist die Reihe bis hier hin ganz okay, nur habe ich bereits jetzt genug davon, aber natürlich stehen mir noch einige Streifen mit den Mutanten bevor. Und ich befürchte, es kann nur schlechter werden.