Filmkritik zu ‘Wickie auf großer Fahrt’

Vor zwei Jahren belebte der deutsche Comedian und Filmemacher Michael Herbig alias ‚Bully‘ mit ‚Wickie und die starken Männer‘ einen Kindercartoon-Klassiker aus den 70er Jahren zum Leben. Die meisten Kritiken lobten den Film für seine Treue zum Vorbild, was wohl auch die Kinozuschauer begeistern konnte. Der Film erhielt die Goldene Leinwand-Auszeichnung für drei Millionen Kinobesucher innerhalb von nur achtzehn Wochen. Insgesamt haben über fünf Millionen Zuschauer ‚Wickie und die starken Männer‘ in den deutschen Kinos gesehen. Und ähnlich wie ein erfolgreicher Film in Hollywood, hat man sich auch hierzulande nicht lange bitten lassen und eine Fortsetzung zu dem Familienfilm-Erfolg produziert. Unter der Regie von ‚Vorstadtkrokodile‘-Macher Christian Ditter entstand die Fortsetzung ‚Wickie auf großer Fahrt‘.

Im zweiten Teil stellt sich Wickies Vater Halvar die Frage, wann aus seinem kleinen Wickie endlich ein richtiger Wikinger wird. Doch als der Schreckliche Sven den Häuptling von Flake entführt, schlägt unverhofft Wickies große Stunde. Als stellvertretender Häuptling führt er die Starken an und bekommt dabei Unterstützung von der furchtlosen Svenja. Sie nehmen Kurs auf das Kap der Angst und gelangen nach turbulenten Abenteuern zu Svens Burg, aus der Halvar befreit werden muss. Die größte Aufgabe steht den Wikingern aber noch bevor: Über stürmische Ozeane, tropische Strände und durch gefährliche Eiswüsten machen sie sich auf die Suche nach dem sagenumwobenen Schatz der Götter.

Filmkritik zu ‘Wickie auf großer Fahrt’

Jonas Hämmerle & Valeria Eisenbart

Wir kennen das Problem mit den Fortsetzungen. Sie werden oftmals wirklich nur gedreht, weil es einen Geld einbringenden ersten Teil gab. Das war in erster Linie auch der Beweggrund hinter ‚Wickie auf großer Fahrt‘, aber Regisseur Christian Ditter hat etwas gemacht, was wenige Fortsetzungen sich trauen. Er hat einen eigenständigen Film gedreht, der zeitlich sowohl vor als auch nach ‚Wickie und die starken Männer‘ spielen könnte. Er hat sich von seinem Vorgänger gänzlich gelöst und zeigt uns die Welt der Wikinger – von dem kleinen Dorf Flake bis hin zur Burg des Schrecklichen Sven – als würden wir sie zum ersten Mal zu Gesicht bekommen. Sein Film hat sogar noch einen Vorteil: Er beschäftigt sich nicht nur mit dem kleinen Schlauberger Wickie, sondern arbeitet auch die Charakterzüge seiner Gefährten weitaus besser heraus.

Gleichzeitig hält Ditter sich aber auch an den Titel des Filmes. Wickie ist wirklich auf großer Fahrt, erkundet dabei die Insel der Walküren, landet auf der gespenstisch anmutenden Heimstätte des Schrecklichen Sven und findet sich am Ende im ewigen Eis wieder. Das gibt Kameramann Christian Rein reichlich Gelegenheiten schöne Landschaftsbilder einzufangen, die sowohl – wie bereits im ersten Teil – am Walchensee bei Zwergern gedreht wurden, als auch an diversen Locations in Bayern, auf Malta und Grönland.

Filmkritik zu ‘Wickie auf großer Fahrt’

Waldemar Kobus & Jonas Hämmerle

Wo die bekannten Figuren aus dem ersten Teil allesamt wieder mit von der Partie sind – minus Michael Herbig, der 2009 noch als Frauenheld Ramon Martinez Congaz einen Auftritt hatte – bekommt Wickie mit Valeria Eisenbart einen starken Neuzuwachs zur Seite gestellt. Sie spielt eine Jungpiratin, die den Wikingern das Leben schwer macht und Wickie-Darsteller Jonas Hämmerle so manches Mal die Show zu stehlen droht. Mit ihr liefert sich Wickie das Duell von Intelligenz gegen Mut und Kraft, welches er im ersten Teil noch hauptsächlich mit seinem Vater Halvar führte. Dieser wiederum nimmt im zweiten Abenteuer eine weitaus größere Rolle ein. Sowohl auf der Seite der guten Wikinger rund um Halvar-Darsteller Waldemar Kobus und seiner treuen Gefolgschaft, als auch auf der bösen Seite des Schrecklichen Sven, der für Günther Kaufmann die einzige Rolle bietet, die er glaubhaft zu spielen vermag, kommt es zum Generationskonflikt, der neben all den zu bewältigenden Abenteuern die Hauptproblematik darstellt.

So fordert Halvar von seinem Sohn, dass dieser endlich zu einem richtigen Wikinger wird und sich nicht mehr mit seinen kindlichen Spielereien die Zeit vertreibt, sondern lernt wie man einen richtigen Überfall vollführt. Natürlich ist es für das Wikinger-Oberhaupt nicht leicht mit anzusehen, wenn die kleine Piratin Svenja seinen Sohn ohne weiteres zu Boden ringt und sich als ihm überlegen zeigt. Wickie wiederum versucht seinen Vater von der neumodischen Form des Verhandelns zu überzeugen, womit dieser sich ganz und gar nicht anfreunden mag. Und wo es bei Halvar und Wickie Streitigkeiten gibt, sollen der Schreckliche Sven und sein Sprössling nicht verschont bleiben. Auch hier finden sich Thematiken von nicht erfüllten Erwartungen, fehlende Anerkennung und unterschiedliche Auffassungen vom Umgang miteinander wieder.

Somit bietet ‚Wickie auf großer Fahrt‘ ein Komplettpaket an Unterhaltung, welches sich erneut an die Vorlage von Runer Jonsson hält. Das Schauspiel wirkt cartoonesk, das Aufblitzen der Sterne, wenn Wickie eine Idee hat, wurde ebenfalls beibehalten und die kleine Ylvi schwärmt immer noch überzogen verträumt von ihrem kleinen Wikinger. Das sind die Zutaten, die den ersten Teil bereits zu einem Erfolg haben werden lassen. Und mit eben diesem Rezept wurde nun auch die zweite Episode erfolgreich in Szene gesetzt. Wen wundert es da noch, dass die Planungen zu einem dritten Teil, der den Titel ‚Wickie und der große Wettkampf‘ tragen soll, bereits begonnen haben?

Denis Sasse

Filmkritik zu ‘Wickie auf großer Fahrt’

‘Wickie auf großer Fahrt‘

Originaltitel: Wickie auf großer Fahrt
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Produktionsland, Jahr: D, 2011
Länge: ca. 96 Minuten
Regie: Christian Ditter
Darsteller: Jonas Hämmerle, Waldemar Kobus, Valeria Eisenbart, Mercedes Jadea Diaz, Eva Padberg, Günther Kaufmann, Christoph Maria Herbst, Christian Ulmen, Elyas M‘Barek

Deutschlandstart: 29. September 2011
Offizielle Homepage: wickie.film.de/


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